zurück zu Aktuelles

„Hamas hat uns zerstört“ – Palästinenser reden offen über ihre Wut auf die Herrscher in Gaza

von Alon David

KEREM SHALOM, 12.08.2025 – Am südlichsten Grenzübergang Israels zu Gaza herrscht an diesem Morgen eine besondere Stimmung: Erschöpfung, Erleichterung und Wut zugleich. Aus Bussen steigen rund 150 Palästinenser, die erstmals seit fast zwei Jahren den Gazastreifen verlassen. Der Grund: medizinische Behandlungen im Ausland.

Doch die Gespräche mit ihnen drehen sich nicht nur um Krankheit und Krieg – sondern um Politik, Machtmissbrauch und Verrat.

„Der 7. Oktober war ein Unglück für uns“

Lila, die mit ihrer herzkranken Tochter nach Jordanien reist, spart nicht mit Kritik: „Die Hamas isst in Restaurants – wir leben im Schlamm. Hamas hat Gaza zerstört. Der 7. Oktober hat uns ins Unglück gestürzt.“

Mohammed Amer aus Gaza-Stadt ist noch deutlicher: „Mein Sohn leidet wegen Hamas. Sie haben uns in diese Lage gebracht. Sie begannen den Krieg und ließen uns im Stich. Der 7. Oktober hat alles zerstört – vorher konnten wir arbeiten, reisen, normal leben.“

Am Grenzübergang Kerem Schalom warten Familien aus Gaza auf ihre humanitäre Ausreise – hinaus aus der Enge und Unterdrückung unter der Herrschaft der Hamas, um in Sicherheit medizinische Hilfe zu erhalten.
Palästinensische Familien warten im August 2025 am Grenzübergang Kerem Shalom auf ihre Ausreise aus Gaza zur medizinischen Behandlung im Ausland. Foto: COGAT
„Wir wollen nur Sicherheit“

Attifa aus dem Norden Gazas fordert ein klares Ende der Herrschaft der Miliz: „Hamas soll die Geiseln freilassen und das Ganze beenden. Wir waren am 7. Oktober nicht froh – wir wussten, dass das Gaza ins Chaos stürzen würde.“

Osama, der auf dem Weg nach Belgien ist, spricht von einer einmaligen Chance: „Wir fühlen uns jetzt zum ersten Mal seit Monaten frei. Hamas hat uns in diese Misere gebracht. Wir haben nicht vor, zurückzukehren.“

Abschied ohne Rückkehr

Fast alle, die an diesem Tag Kerem Shalom passieren, eint ein Gedanke: Gaza hinter sich zu lassen – für immer. Nicht nur, um den Kämpfen zu entkommen, sondern um der politischen und militärischen Kontrolle einer Organisation zu entfliehen, die nach ihrer Ansicht das Leben in der Küstenenklave vergiftet hat.

Zurück bleibt ein Landstrich in Trümmern – und Menschen, die keinen Weg mehr sehen, dorthin zurückzukehren.

Titelbild: Familien am Grenzübergang Kerem Shalom auf dem Weg zur Ausreise aus Gaza. Bussebringen sie zur medizinischen Behandlung im Ausland. Foto: COGAT

Weitere News aus dem Heiligen Land