
Trotz vehementer Dementis – der Südsudan soll Bewohner des Gazastreifens aufnehmen
JERUSALEM, 17.08.2025 (NH) – Der Südsudan und Israel sollen über ein Abkommen zur Ansiedlung von Palästinensern aus dem Gazastreifen diskutiert haben. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf drei verschiedene Quellen. Die Gespräche, die bis dato offiziell keine Einigung erzielt haben, sollen in naher Zukunft fortgesetzt werden. Der Südsudan dementiert die Berichte zwar, doch internationale Medien behaupten, in Juba habe man dem israelischen Plan bereits zugestimmt.
Umsiedlung im Zuge eines Finanzierungspakets?
Die Beziehungen zwischen Israel und dem Südsudan blicken auf eine lange Geschichte zurück. Nun sollen die beiden Länder über die Ansiedlung von Palästinensern aus dem Gazastreifen in dem afrikanischen Land verhandeln. Laut Reuters wurde während des Besuchs des südsudanesischen Außenministers Semaya Kumba in Israel vergangene Woche über ein nahestehendes Abkommen diskutiert, das Zeltlager für die palästinensischen Migranten beinhalten soll. Kumba soll neben Israels Premierminister Benjamin Netanjahu auch weitere hochrangige israelische Vertreter getroffen haben.
Das mutmaßliche Arrangement zwischen Israel und dem Südsudan soll ein umfangreiches Finanzierungspaket der Vereinigten Arabischen Emirate, israelische Investitionen in das südsudanische Gesundheits- und Bildungssystem sowie die Aufhebung amerikanischer Sanktionen gegen das Land umfassen. Dies berichtet unter anderem der britische Telegraph. Ein Vertreter des Außenministeriums in der südsudanesischen Hauptstadt Juba erklärte, der Südsudan verfüge zwar „über genügend Land, um zusätzliche Bevölkerungen aufzunehmen”, doch könne dieser Schritt ein politisch komplexes Thema darstellen, das gar internen Widerstand hervorrufe.

Komplexe Situation im Südsudan
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, der sich bereits im vergangenen Juli mit dem südsudanischen Minister getroffen hatte, erklärte, dass „Israel mit einer Reihe von Ländern in Kontakt steht, um ein Ziel für Palästinenser zu finden, die daran interessiert sind, Gaza zu verlassen”. Netanjahu betonte, es werde den Palästinensern erlaubt, den Küstenstreifen zu verlassen, „vorausgesetzt, sie wollen“.
Das südsudanesische Außenministerium dementierte offiziell die Berichte über ein Abkommen und bezeichnete den israelischen „Umsiedlungsplan” als „haltlos“.
Tatsächlich ist die politische und humanitäre Lage im Südsudan angespannt. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 2011 durchlebt das Land einen blutigen Bürgerkrieg. Trotz eines Friedensabkommens geht die interne Gewalt weiter. Rund 400.000 Menschen wurden getötet, und das Land leidet unter einer massiven Hungersnot. Der Südsudan mit seinen 11 Millionen Einwohnern ist daher größtenteils auf humanitäre Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Internationale Quellen warnen, eine Umsiedlung von Palästinensern in den Staat könnte die bestehenden Herausforderungen verschärfen.
Nicht der erste Umsiedlungsplan
Bereits Anfang des Jahres unterbreitete US-Präsident Donald Trump einen ähnlichen Vorschlag, der neben dem Wiederaufbau des Gazastreifens auch eine Umsiedlung der palästinensischen Bewohner vorsah. Der Plan, die Enklave in die „Riviera des Nahen Ostens” zu verwandeln, stieß bei internationalen Gremien sowie Ägypten und Jordanien auf Bedenken. Die Bedingungen in Gaza lassen den Bewohnern keine andere Wahl, als den Küstenstreifen zu verlassen. Gleichzeitig könnte eine völkerrechtswidrige Zwangsumsiedlung als Kriegsverbrechen angesehen werden.
Titelbild: Palästinenser transportieren am 14. August 2025 humanitäre Hilfsgüter in Rafah im südlichen Gazastreifen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90