
Plan zur Besetzung von Gaza-Stadt genehmigt – Erste Palästinenserfamilien flüchten
JERUSALEM, 19.08.2025 (NH) – In Begleitung hochrangiger Kommandeure hat der Generalstabschef der israelischen Armee, Eyal Zamir, den Gazastreifen besucht, um den Plan zur Besetzung der Enklave zu analysieren und weitere Einblicke in die Kampfstrategie und die Einsatzlogik der Truppen zu gewinnen. Zamir wollte nicht nur das Kampfgebiet aus nächster Nähe erleben, sondern auch die Bewegungsrouten und Kampfmethoden seiner Soldaten auswerten. Zudem wollte der Generalleutnant von den Kommandeuren, die vor Ort die Kämpfe anführen, erfahren, wie es durch ihre Augen aussieht. Militärquellen behaupteten, dass Zamir anschließend mehrere Kriegspläne vorgelegt wurden, von denen einer am späten Nachmittag genehmigt wurde. Somit ist der Operationsplan für die Eroberung von Gaza-Stadt offiziell durch den Generalstab genehmigt. In letzter Instanz soll der Plan heute Verteidigungsminister Israel Katz vorgelegt werden, wobei erwartet wird, dass dieser ihn genehmigt.
Fast 100.000 Soldaten sollen Gaza-Stadt einnehmen
In geschlossenen Diskussionen wurde in den letzten Tagen über eine Ausweitung der Kämpfe im Gazastreifen beraten. Laut dem israelischen Militärchef soll bei der bevorstehenden Kampagne in Gaza-Stadt versucht werden, die Kerninfrastruktur des Terrors der Hamas zu zerstören. „Dies ist ein breit angelegter Plan, der der Hamas einen hohen Preis abverlangen wird, aber er birgt auch große Risiken für die israelischen Truppen”, so eine Militärquelle, die mit den Vorbereitungen vertraut ist. Der Plan sieht vor, dass zahlreiche Truppen in Brigadegröße (3.000 bis 5.000 Kämpfer) mit fast 100.000 Soldaten die Terrorhochburg einkreisen und erobern. Zamir plant, den Einsatz von Reservekräften so weit wie möglich zu minimieren. In den kommenden Tagen wird erwartet, dass Bodentruppen, begleitet von der Luftwaffe, beginnen, in neue Gebiete vorzudringen, um den Druck auf die Hamas zu erhöhen.

Keine Bodenoperation vor Umsiedlung der Bevölkerung
Der israelische Generalstabschef betonte, dass die Besetzung von Gaza-Stadt nicht beginnen dürfe, bevor die palästinensische Bevölkerung umgesiedelt sei. Die Evakuierung der Bewohner wird etwa zwei Monate dauern. Das Militär will die Bevölkerung in sichere Gebiete verlagern. Die humanitären Bemühungen sollen in Abstimmung mit internationalen Hilfsorganisationen erfolgen. „Erst danach werden die Etappen der Einkreisung, des Einmarsches und der Eroberung von Gaza-Stadt durchgeführt”, so Zamir.
Laut Berichten hat die israelische Armee mit den Vorbereitungen für die Eroberung der Hamas-Hochburg begonnen. Die erste Etappe der Operation soll mit Luftangriffen und dem Einmarsch der 99. Division im Zeytun-Viertel am südlichen Stadtrand der Altstadt abgeschlossen sein. Im Norden des Gazastreifens hat das Militär außerdem damit begonnen, zahlreiche Zelte und Schutzausrüstungen aufzustellen, um die Umsiedlung der Bevölkerung in den Süden der Enklave vorzubereiten.

Palästinenser rufen zu Demonstrationen auf
Die geplante Invasion israelischer Truppen in die „letzte Bastion der Hamas” könnte zur Vertreibung von Hunderttausenden Menschen führen. Im Schatten des drohenden Einmarsches haben einige Familien aus Gaza-Stadt bereits damit begonnen, in Richtung Westen zu ziehen. Andere haben schon jetzt Immobilien und Unterkünfte im Süden der Enklave gemietet, „für den Fall einer überraschenden Invasion”. Für Donnerstag haben viele Palästinenser in Gaza-Stadt zu Protesten aufgerufen, um ein Ende des Krieges zu fordern und den Druck auf die Hamas zu erhöhen.
Titelbild: Palästinenser auf dem Markt in Gaza-Stadt, der als letzte Bastion der Terrororganisation gilt. Foto: Ali Hassan/Flash90