
Immer mehr Hilfsgüter erreichen den Gazastreifen: Israel legt neue Zahlen vor
JERUSALEM, 20.08.2025 (BF) – Die humanitäre Hilfe für den Gazastreifen hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Israels Koordinierungsbehörde für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) legte aktuelle Zahlen vor, die ein klares Bild zeigen: Seit Anfang August passierten 9.165 Lastwagen die Übergänge nach Gaza. Auf ihnen befanden sich mehr als 182.000 Tonnen Nahrungsmittel und Hilfsgüter.
Damit belegt COGAT, dass die Lieferungen weit umfangreicher sind, als vielfach angenommen. Allein zwischen dem 10. und 16. August fuhren 2.250 Lastwagen über die Grenzübergänge Kerem Schalom und Zikim. Im Juli waren es im Vergleichszeitraum nur rund 200 gewesen. Am 18. August wurden 370 Lkw abgefertigt, von denen etwa 350 bereits von internationalen Organisationen abgeholt und verteilt wurden.
Hilfe auf dem Landweg und aus der Luft
Zusätzlich zu den Bodentransporten wurden am 19. August 185 Paletten mit rund 185 Tonnen Lebensmitteln über Gaza abgeworfen. Beteiligt waren Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Singapur und Indonesien. Israel hatte Ende Juli wieder zugestimmt, Hilfslieferungen aus der Luft zuzulassen, die zwar nur eine Ergänzung zum Transport auf dem Landweg darstellen, da jede Flugladung höchstens dem Inhalt von ein bis anderthalb Lastwagen entspricht.

Auch Treibstofflieferungen erreichen Gaza regelmäßig. Sie sichern den Betrieb wichtiger Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Wasser- und Abwassersysteme.
Breite internationale Beteiligung
COGAT betont, dass die Hilfslieferungen nicht allein von den Vereinten Nationen organisiert werden. Viele Staaten, Hilfswerke und private Akteure tragen dazu bei, dass die Güter in den Gazastreifen gelangen. Täglich veröffentlicht die Behörde transparente Daten zu Art und Menge der Hilfsgüter. Diese Zahlen sollen ein vollständiges Bild der humanitären Unterstützung vermitteln.
Im Gegensatz dazu veröffentlichen die Vereinten Nationen (UN) in ihrem Dashboard lediglich die Lieferungen, die sie selbst oder eng angebundene Organisationen abwickeln. Nach UN-Angaben seien nur rund 3.500 Lastwagen nach Gaza gelangt. COGAT weist darauf hin, dass diese Darstellung unvollständig ist und einen verzerrten Eindruck erweckt.
Neues Verteilungssystem im Test
Parallel dazu erproben Hilfsorganisationen neue Methoden, um die Verteilung der Hilfsgüter zu verbessern. Die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) startete am 17. August ein Pilotprogramm, bei dem Familien mit einer Foto-ID Lebensmittelpakete im Voraus reservieren können. Ziel ist es, lange Warteschlangen zu vermeiden und Transparenz zu schaffen. Der Testlauf mit 350 Familien soll auf weitere Standorte ausgeweitet werden. Bereits über 127 Millionen Mahlzeiten wurden von der GHF in mehr als zwei Millionen Paketen ausgegeben.
Positive Zwischenbilanz
Auch wenn der tägliche Bedarf nach Angaben der UN weiterhin bei etwa 600 Lastwagen liegt, zeigen die aktuellen Zahlen, dass deutlich mehr Hilfe in den Gazastreifen gelangt als bisher wahrgenommen. Mit über 9.000 Lastwagen und mehr als 182.000 Tonnen Nahrungsmitteln seit August hat die humanitäre Versorgung eine neue Dimension erreicht.

Reger Handel auf dem Markt in Gaza-Stadt. Hier deutet nichts auf eine Hungersnot hin. Solche Aufnahmen werden in westlichen Medien kaum gezeigt. Foto: TPS-IL
COGAT verweist darauf, dass die Hilfslieferungen nicht an Kapazitätsgrenzen scheitern. Entscheidend sei, dass die Güter auf der Gazaseite zuverlässig abgeholt und verteilt werden. Die Zahlen zeigen, dass die internationale Zusammenarbeit funktioniert und trotz aller Schwierigkeiten mehr Menschen in Gaza erreicht werden, als manche Akteure es vehement behaupten.
Titelbild: Palästinenser im südlichen Gazastreifen erhalten Trinkwasser aus einem Tankwagen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90