
Irlands Präsident fordert UN-Militärintervention in Gaza – Mediziner für Medikamenten-Boykott
JERUSALEM / DUBLIN, 25.08.2025 (NH) – Der irische Präsident Michael Higgins hat ein militärisches Eingreifen der Vereinten Nationen im Gazastreifen gefordert. Er bezeichnete das israelische Vorgehen als „Völkermord”. Nun machen sich irische Medizinberater für den Boykott israelischer Pharmazeutika stark. In Italien ging man sogar noch einen Schritt weiter: Medizinisches Personal hat ein Video veröffentlicht, in dem es Produkte des israelischen Pharmariesen Teva entsorgt.
Higgins glaubt, Sicherheitsrat umgehen zu können
Das irische Staatsoberhaupt ist als einer der schärfsten Israel-Kritiker bekannt. Jetzt fordert der 84-Jährige die UN-Generalversammlung auf, militärisch in den Krieg in Gaza einzugreifen. Der israelfeindliche Staatschef will damit die Lieferung humanitärer Hilfsgüter an die zivile Bevölkerung gewährleisten.
Dies forderte Higgins in einem Radiointerview mit dem Sender Irish Public Broadcasting Corporation (RTE). Der Ire bezeichnete den Krieg in der Enklave als „tragische Ära in der gesamten Weltgeschichte” und bezog sich dabei auf einen Bericht des UN-Gremiums, der festgestellt hat, dass in Gaza eine „Hungersnot” existiere. In Jerusalem wies man dies scharf zurück und warnte vor einseitigen UN-Berichten. Dennoch hält Higgins unbeirrt an seinen Thesen fest: „Der Krieg hat ein Stadium erreicht, in dem Israel nicht mehr verpflichtet ist, die Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen.“ Neben der verzerrten Darstellung der Opfer-Täter-Rolle behauptete der 84-Jährige fälschlicherweise, der Sicherheitsrat könne umgangen werden, und verwies dabei auf Kapitel 7 der UN-Charta: „Wenn ein bestimmter Prozentsatz des Ausschusses der Generalversammlung ihn unterstützt, selbst wenn der Sicherheitsrat ein Veto einlegt, um ihn zu blockieren, kann der Generalsekretär die Einrichtung einer Truppe fordern, um den humanitären Zugang zu gewährleisten”, so Higgins.

Irland ist für extrem anti-israelische Haltung bekannt
Michael Higgins wird nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten als Präsident Irlands zwar bald in den Ruhestand gehen, doch fuhr er in den vergangenen 14 Jahren einen äußerst feindseligen Kurs gegenüber Israel. Im vergangenen Monat wurde der irischen Regierung vorgeworfen, angesichts der antisemitischen Gewalt im Land zu schweigen. Seit dem Ausbruch des Krieges nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 haben sich die Feindseligkeiten zu einem echten Konflikt entwickelt.
Ihrer Regierung und ihrem Staatschef folgen nun auch medizinische Berater des „Irischen Kindergesundheits-Verbands“ (CHI). So forderten die Anhänger des Verbands, keine Medikamente der israelischen Firma Teva Pharmaceuticals mehr zu verabreichen. In einem Schreiben an die CHI-Geschäftsführerin Lucy Nugent erklärten 57 pädiatrische Berater, sie seien besorgt über „die anhaltende humanitäre Katastrophe in Gaza, die von führenden internationalen Behörden, einschließlich der UN und des Internationalen Gerichtshofs, weithin als der rechtlichen Definition von Völkermord entsprechend anerkannt wurde”. Demnach arbeite der israelische Hersteller von Generika und Spezialmedikamenten „unter der Gerichtsbarkeit eines Staates und trage zur Wirtschaft eines Staates bei, gegen den derzeit wegen Völkermords ermittelt wird”. Als israelisches Unternehmen finanziert Teva „direkt die diplomatischen und militärischen Ressourcen, die von der israelischen Regierung eingesetzt werden, um einen Völkermord durchzuführen und abweichende Meinungen im In- und Ausland zum Schweigen zu bringen”.

Italienische Ärzte werfen Teva-Produkte in den Müll
Während man in Irland einen Boykott des israelischen Pharmariesen anstrebt, haben eine Ärztin und eine Krankenschwester in Italien ein Video in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, das zeigt, wie sie aus Protest gegen Israel lebensrettende Medikamente von Teva Pharmaceuticals in den Müll werfen. Die beiden Italienerinnen arbeiten in einem Gemeindekrankenhaus in Pratovecchio Stia in der Nähe von Arezzo in der Toskana. Mit ihrem fanatischen Video lösten sie landesweite Kritik aus. Deborah Bergamini, Abgeordnete der Partei Forza Italia und stellvertretende Vizepräsidentin der Partei, verurteilte die Tat als „ideologischen Aktivismus” und forderte die Gesundheitsbehörden auf, Ermittlungen durchzuführen und Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen. Die Gesundheitsbehörde im Südosten der Toskana teilte inzwischen mit, eine interne Untersuchung eingeleitet zu haben.
Teva gilt als einer der größten Hersteller von Generika, ist multinational aufgestellt und in Irland stark vertreten. Trotz der Boykottaufrufe israelischer Waren in der Republik versprach Teva, weiterhin „qualitativ hochwertige Medikamente für ihre Patienten verfügbar zu machen – unabhängig von ihrer Religion, ihrem Glauben oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit.“
Titelbild: Der irische Präsident Michael D. Higgins (84), ein linker Sozialist und Israel-Gegner. Foto: Artur Widak via Reuters Connect