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Königliches Wasser: Größter antiker Staudamm Israels in Jerusalemer Davidsstadt freigelegt

JERUSALEM, 29.08.2025 (NH) – Die israelische Altertumsbehörde hat bei den Ausgrabungen am Teich von Siloah im Nationalpark der Davidsstadt in Jerusalem eine beeindruckende Mauer aus den Jahren 795–805 v. Chr. freigelegt. Der historische Fund wurde auf die Herrschaftszeit der Könige von Juda, Joasch oder Amazja, datiert. Die Forscher kamen zu der Hypothese, dass die Mauer als Staudamm diente und als Maßnahme gegen die Wasserknappheit in Jerusalem aufgrund klimatischer Schwierigkeiten errichtet wurde. Die neue Entdeckung ist ein weiterer Beweis dafür, dass Jerusalem ein mächtiges Zentrum war, wie es in biblischen Erzählungen beschrieben wird, da die Stadt in der Lage war, monumentale Architekturen zu errichten, um Wasser zu speichern.

Der größte Staudamm Israels wurde südlich der Jerusalemer Stadtmauern im überwiegend palästinensischen Viertel Silwan freigelegt. Fotos: Eliyahu Yanai und Lior Daskal (Davidsstadt), Reut Wilf (Sprecherin Davidsstadt), Emil Aladjem (IAA)

Klimakrise in der Zeit der Könige?

Es scheint, dass eine Klimaänderung die damals herrschenden Könige von Juda vor etwa 2.800 Jahren dazu veranlasste, eine große Staumauer in Jerusalem zu bauen. Dies geht aus einer neuen Studie der israelischen Altertumsbehörde (Israel Antiquities Authority, IAA) und des Weizmann Institute of Science hervor. Die Untersuchung wurde in der renommierten, von Experten begutachteten Fachzeitschrift PNAS der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

Laut den Ausgrabungsleitern Dr. Nachshon Szanton, Itamar Berko und Dr. Philip Vuksobovich der IAA „ist dies der größte Staudamm, der bisher im Land Israel freigelegt wurde, und der älteste, der in Jerusalem entdeckt wurde”. Die Dimensionen des altertümlichen Bauwerks sind beeindruckend: Er ist etwa 12 Meter hoch, über 8 Meter breit und erstreckt sich mit einer Länge von 21 Metern über die Grenzen der aktuellen Ausgrabung hinaus.  „Der Damm sollte das Hochwasser speichern, das auf seinem Weg ins Kidron-Tal im zentralen Kanal des antiken Jerusalem (dem historischen Tyropoon-Tal) geflossen ist, und so eine zweifache Lösung schaffen – sowohl für Wasserknappheit als auch für die Bewältigung schwerer kurzfristiger Überschwemmungen“, erklären die Experten.

 „Dank der präzisen wissenschaftlichen Datierungsmethode ist es erstmals möglich, mit Sicherheit auf einen Fund hinzuweisen, der die Grundlage für den Bau des Teichs von Siloah bildete und über den wir bis heute in der Bibel und in historischen Quellen lesen können“, fügt Itamar Berko hinzu.

Forscher der IAA und des Weizmann-Instituts am Teich von Siloam in der Davidsstadt – Von rechts: Prof. Elisabetta Boaglio, Itamar Berko, Dr. Nachshon Szanton und Dr. Yohanna Regev.

Größter antiker Damm Israels enthüllt

Tatsächlich setzten die Forscherinnen Dr. Yohanna Regev und Prof. Elisabetta Boaretto vom Weizmann Institute of Science fortschrittliche mikroarchäologische Methoden und eine besonders genaue Radiokohlenstoffdatierung ein. Sie erklären: „Im Stroh und in den kurzlebigen, jungen Ästen, die in den Zement des Staudammbaus eingearbeitet wurden, wurde eine eindeutige Datierung auf das Ende des neunten Jahrhunderts v. Chr. gefunden.” Die sogenannte Kohlenstoff-14-Datierung ermöglicht die Messung eines zerfallenden, radioaktiven Isotops von Kohlenstoff. Da dieses Isotop in allen Lebewesen auf der Erde vorkommt, kann die Zerfallsrate in der Regel das ungefähre Alter eines entnommenen Stücks biologischer Materie bestimmen. Um das Klimabild dieser Zeit zu vervollständigen, kombinierten die Expertinnen die exakte Datierung mit vorhandenen Klimadaten aus Bohrungen im Toten Meer und in der Soreq-Höhle sowie mit der Dokumentation der Sonnenaktivität und deren Einfluss auf die Bildung bestimmter chemischer Elemente. Alle Daten deuten darauf hin, dass zum Zeitpunkt des Baus des Staudamms im Land Israel ein Klima mit geringen Niederschlagsmengen, aber kurzen und starken Regenfällen, die Überschwemmungen verursachen konnten, herrschte.

„Daraus kann geschlossen werden, dass der Bau dieser großen Wassersysteme aus der unmittelbaren Notwendigkeit resultierte, sich mit dem Klimawandel und den trockenen Bedingungen, einschließlich Sturzfluten, auseinanderzusetzen”, erklären die beiden Forscherinnen.

Mikroskopisch kleine Strohproben, die in den Mörtel einer 2.800 Jahre alten, monumentalen Staumauer in der Jerusalemer Davidsstadt eingebettet sind. Die Mauer wurde vollständig ausgegraben und radiokarbondatiert.

Zeugnis von Macht und Kreativität der Könige Israels

Der jüngst freigelegte Staudamm gesellt sich zu zwei anderen Wasserwerken, die aus der gleichen Zeit in der Davidsstadt freigelegt wurden. Dabei handelt es sich um einen Turm, der die Gihon-Quelle staute, und eine große Zisterne zur Wasserspeicherung. Vom Turm auf dem Gihon wurde das Wasser in einen Kanal gepumpt, der das Quellwasser in den Siloah-Teich Pool ableitete, in dem auch das durch die Staumauer blockierte Hochwasser gespeichert wurde. Die beeindruckenden historischen Wassersysteme deuten auf eine umfassende städtebauliche Planung für das Management des Wassersektors des antiken Jerusalems bereits Ende des 9. Jahrhunderts v. Chr. hin. Das Bauwerk in der israelischen Hauptstadt ist ein weiteres Zeugnis für die Geschichte, Kraft und Macht der Stadt. Eli Escuzido, der Direktor der israelischen Altertumsbehörde, erklärt, dass es sich bei dem Jerusalemer Bauwerk um einen der beeindruckendsten und bedeutendsten Überreste aus der Zeit des Ersten Tempels handelt, der auf außergewöhnliche Weise erhalten geblieben ist. „Der freigelegte Damm ist erstaunlich und eröffnet neue Wege der Forschung. Die Freilegung des Staudamms und des Teichs von Siloah in der Davidsstadt ist das Ergebnis der Beharrlichkeit und Professionalität unserer Archäologen.“ Der Direktor ist sich sicher, dass die jüdische Hauptstadt mit all ihren „Epochen, Schichten und Kulturen” noch viele weitere Überraschungen bereithält.

Ausgrabung der israelischen Altertumsbehörde in der Davidsstadt.

Die neue Studie über die Wasserversorgung des historischen Jerusalems soll im Rahmen der 26. „City of David Research Conference” vorgestellt werden, die Anfang September unter dem Titel „The Lost Pool – The Riddle of Siloam” stattfindet.

Titelbild: Die gewaltige Staumauer, die bei den Ausgrabungen am Teich von Siloah in der Davidsstadt freigelegt wurde.

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