zurück zu Aktuelles

Spannender archäologischer Fund: 4.000 Jahre alte Dochte in der Nähe der Stadt Yehud entdeckt

YEHUD, 01.09.2025 (NH) – Im Rahmen der Entwicklungsarbeiten der Israelischen Landbehörde für den Bau eines neuen Viertels in der zentralisraelischen Stadt Yehud hat die israelische Altertumsbehörde eine ungewöhnliche archäologische Entdeckung ausgegraben. An der antiken Stätte Neve Ephraim wurden in den letzten Tagen 4.000 Jahre alte Dochte entdeckt, die zum Anzünden von Ölkerzen verwendet wurden. Die spannenden uralten Funde gehören den Experten zufolge zu den ältesten Entdeckungen dieser Art weltweit. 

Einer der weltweit ältesten Belege für die Verwendung von Dochten zur Lichtgewinnung

Die jetzt in Zentralisrael ans Tageslicht beförderten Dochte bestehen aus organischen Fasern und wurden in Tonlampen im feuchten Klima der Küstenebene konserviert. Dies gilt unter Experten als besonders überraschend und selten. Zwar galten Dochte in der Antike als gängiges Beleuchtungsprodukt, doch aufgrund der Tatsache, dass es sich um organische Materialien handelt, ist es schwierig, sie bei archäologischen Ausgrabungen zu entdecken, da die Fasern in der Regel nicht lange überleben.

Die Forscher Dr. Naama Sukenik und Dr. Yona Maor von der israelischen Altertumsbehörde nehmen an, dass die Dochte aus der Bronzezeit stammen. Von den drei gefundenen Dochten wurde einer vollständig konserviert, nachdem er einen seltenen Prozess der „Versteinerung” durchlaufen hatte, der eine Konservierung über Tausende von Jahre ermöglichte. „Dies ist eine einzigartige Entdeckung, die wir im mediterranen Klima nicht erwartet haben. Diese Dochte gehören zu den wenigen aus ihrer Zeit, die uns auf der Welt bekannt sind”, so Dr. Naama Sukenik.

Eine Lampe mit einem Docht aus Stoff. Foto: Dafna Gazit/Israel Antiquities Authority

Uralte Öllämpchen erhellten einst dunkle Grabgruften

Die kleinen Lampen und ihre Dochte wurden in Gräbern aus der mittleren Bronzezeit, also zwischen 2500 und 2000 v. Chr., entdeckt. Neben den sensationellen Öllampen-Dochten wurden auch andere Grabbeigaben wie Schmuck, Keramikutensilien, Tierknochen und sogar Waffen gefunden. Laut den Ausgrabungsdirektoren Dr. Gilad Yatch, Yossi Elisha und Yaniv Agmon wurden die Leuchten wahrscheinlich verwendet, um die dunklen Grabkammern während bestimmter Zeremonien zu erhellen. Die Experten sind jedoch der Meinung, dass die Funktion der Lampen sich nicht nur auf das Erhellen der Gruften beschränkte. So deuten Rußspuren an den Dochten darauf hin, dass die Lampen tatsächlich während der Grabvorbereitung und der Bestattungszeremonie angezündet wurden.

„Obwohl die Bevölkerung der mittleren Bronzezeit im Land Israel keine Schriften hinterlassen hat, weisen verschiedene Quellen aus dem gesamten Alten Nahen Osten auf die zentrale Rolle des Feuers bei Bestattungszeremonien hin”, erklärt Dr. Naama Sukenik. Wie heute symbolisierte auch vor Tausenden von Jahren das in einer Kerze entzündete Feuer die menschliche Seele. „Der Begriff, den wir heute verwenden – ‚Seelenkerze‘ – ist offenbar Jahrtausende alt“, so Dr. Sukenik.

Eine für diese Zeit charakteristische Öllampe neben anderen Grabbeigaben. Foto: Emil Aladjem/Israel Antiquities Authority

Recycling in der Bronzezeit

Die uralten Lampendochte wurden für weitere Tests in die Labors der israelischen Altertumsbehörde geschickt. Die Untersuchungen ergaben, dass die Dochte anscheinend aus recyceltem Leinenstoff bestanden, der in Streifen geschnitten und gedreht wurde. Leinenstoffe, die vor Tausenden von Jahren als teurer Rohstoff in der Bekleidungsindustrie dienten, waren nicht von Beginn an zur Verbrennung gedacht. Der Recyclingprozess zeugt wiederum von intelligentem Wirtschaften, Kreativität und Sparsamkeit, die vor 4.000 Jahren praktiziert wurden.

Eli Escuzido, der Direktor der israelischen Altertumsbehörde, betonte, jede noch so kleine Entdeckung auf israelischem Boden werde als Teil der riesigen Geschichte des Landes betrachtet. Die vollständige Studie über die uralten Dochte soll in der von der israelischen Altertumsbehörde herausgegebenen israelischen Fachzeitschrift Atiqot 118 veröffentlicht werden.

Titelbild: Prüfung der Dochte unter dem Mikroskop in den Laboratorien der israelischen Altertumsbehörde. Foto: Emil Aladjem/Israel Antiquities Authority

Weitere News aus dem Heiligen Land