
Erschreckende Studie: 78 % der jüdischen Studierenden an Universitäten weltweit verbergen ihre Identität
JERUSALEM, 17.09.2025 (NH) – Eine neue globale Umfrage der Anti-Defamation League (ADL) und der World Union of Jewish Students (WUJS) hat offengelegt, dass drei Viertel der jüdischen Studierenden an Universitäten auf der ganzen Welt ihre religiöse Identität verbergen. Die zu Beginn des akademischen Jahres 2024/25 durchgeführte Analyse ist die erste umfassende Studie über die Erfahrungen jüdischer Studierender weltweit und deckt deren harte Realität auf. Im Rahmen der Umfrage wurden 1.727 jüdische Studierende aus mehr als 60 Ländern auf sechs Kontinenten interviewt. Die Ergebnisse sind schockierend.
Eine Umfrage deckt eine schreckliche Realität auf
Die jüngste Umfrage ergab, dass jeder Dritte (34 %) der Befragten jemanden kennt, der körperlich bedroht wurde. Jeder Fünfte (19 %) kennt Schüler, die körperlich angegriffen wurden. Religiöse Studenten, die schnell an einer Kippa ausfindig gemacht werden können, sind doppelter Diskriminierung ausgesetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass 78 % der jüdischen Studierenden ihre Zugehörigkeit zum Judentum und 81 % ihre zionistische Identität aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen und Diskriminierung seitens ihrer Kommilitonen und des Lehrpersonals verheimlichen. Tatsächlich berichten 29 % der jüdischen Studierenden, Diskriminierung durch ihre Mitschüler erlebt zu haben, 9 % waren sogar Diffamierungen durch ihre Dozierenden oder Fakultätsmitglieder ausgesetzt. Die Analyse zeigte, dass jüdische Frauen ihre Identität (82 %) und ihre zionistische Identität (85 %) häufiger verbergen als Männer (73 % bzw. 75 %).
Doch nicht nur auf dem Campus treffen jüdische Studierende auf Antisemitismus. Fast 30 % der jüdischen Studenten, die eine akademische Unterkunft beantragt hatten, um ihre Religionsausübung zu gewährleisten, wurde diese verweigert. Besonders gravierend ist das Wohnungsproblem in Europa. Dort war die Ablehnungsquote doppelt so hoch wie in anderen Regionen: 44 % gegenüber 20 %.
Studie ist besorgniserregend, jedoch nicht überraschend
Marina Rosenberg, Vizepräsidentin für internationale Angelegenheiten bei der Anti-Defamation League, beschreibt die unfassbare düstere Realität wie folgt: „Jüdische Studierende auf der ganzen Welt sind gezwungen, grundlegende Aspekte ihrer Identität zu verbergen, nur um sich auf dem Campus sicher zu fühlen. Wenn mehr als drei Viertel der jüdischen Studierenden das Gefühl haben, ihre religiöse und zionistische Identität verbergen zu müssen, um sich sicher zu fühlen, ist das eine sehr ernste Situation. Diese Daten liefern den Universitätsverwaltungen wichtige Erkenntnisse, um mit dieser Krise umzugehen.“
Josh Cohen, der Präsident der WUJS, gibt an, „besorgt und enttäuscht, jedoch nicht überrascht über die Umfrageergebnisse“ zu sein. „Seit dem 7. Oktober berichten jüdische Studierende auf der ganzen Welt von einer Zunahme von Antisemitismus und Ausgrenzung. Diese Umfrage unterstreicht nur, wie ernst die Situation jüdischer Studierender auf dem Campus ist.“
Entschlossenes Handeln, um ein sicheres Umfeld für jüdische Studierende zu gewährleisten
Neben den erschreckenden Analyseergebnissen enthält der Bericht eine Reihe konkreter Handlungsempfehlungen für die betroffenen Bildungseinrichtungen. Die Autoren der Studie fordern die Universitäten auf, grundlegende Schritte einzuleiten, um sicherzustellen, dass ihre Campusse ein „sicheres und integratives Umfeld für jüdische und israelische Studierende, Dozenten und Mitarbeiter” sind.
Josh Cohen empfiehlt unter anderem die Annahme und Umsetzung der Antisemitismus-Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), die Ernennung engagierter Koordinatoren zur Bekämpfung des Antisemitismus und zur Unterstützung jüdischer und israelischer Studierender, die Durchführung regelmäßiger Forschungen zum „Campusklima”, die Umsetzung von Ausbildungsprogrammen zwischen Studierenden sowie eine klare und leicht zugängliche Richtlinie für religiöse Unterkünfte.
Ob die betroffenen Universitäten die besagten Maßnahmen jedoch umsetzen, bleibt fraglich.
Titelbild: Großdemonstration gegen Israel in Berlin: Einige Unterstützer der Palästinenser traten sehr aggressiv auf. Foto: Halil Sagirkaya / Anadolu via Reuters