zurück zu Aktuelles

Fast alle Bewohner kehren in den Süden Israels zurück – doch Einwohner von Nahal Oz bleiben traumatisiert

JERUSALEM 18.09.2025 (LS) – Fast 90 Prozent der in Folge des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 evakuierten Bewohner der Gaza-Grenzgemeinden sind inzwischen heimgekehrt. Doch im Kibbuz Nahal Oz leben nur etwa ein Drittel der früheren Bewohner wieder in ihren Häusern.

Rückkehr mit Narben

Insgesamt 42 von 47 Gemeinden, die nach dem Massaker evakuiert wurden, sind zurück in das Gebiet gezogen – wenn auch vielfach noch nicht mit voller Stärke.

Kibbutz Kerem Shalom meldet eine Rückkehr von 88 %, Re’im 95 % und Sufa 90 %. Doch Nahal Oz hebt sich ab: Zwei Drittel der Bewohner geben an, sie können oder wollen nicht zurückkehren – anhaltender Beschuss, das Trauma von Verlusten und die Angst um Geiseln in Gaza belasten schwer.

Der Oberste Gerichtshof hatte im August eine Klage von 120 Kibbuzmitgliedern von Nahal Oz gegen die Entscheidung der Regierung abgelehnt, die staatliche Finanzierung der Notunterkünfte einzustellen, in denen sie seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 leben. Die Regierung entschied anschließend, weiterhin einkommensabhängige Mietbeihilfen für alle Bewohner der Grenze zum Gazastreifen zu gewähren, die sich dafür entscheiden, nach dem vereinbarten Rückkehrtermin weiterhin an einem anderen Ort zu wohnen.

Die Zerstörung, die von Hamas-Terroristen im Kibbuz Nahal Oz angerichtet wurde
Die Zerstörung, die von Hamas-Terroristen im Kibbuz Nahal Oz angerichtet wurde. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Fünf Gemeinden – Nir Oz, Kfar Aza, Be’eri, Kissufim und Holit – haben ihre Wiederaufbauarbeiten noch nicht abgeschlossen. Ihre Bewohner leben weiterhin verstreut in ganz Israel, wobei einige voraussichtlich bis 2027 in Evakuierungszentren bleiben werden.

Wiederaufbau und Hoffnung trotz Widerstand

Die Regierung hat ein fünfjähriges Wiederaufbauprogramm in Höhe von etwa 17,5 Milliarden Schekel (ca. 4,4 Milliarden Euro) beschlossen, davon sind bislang fast 8 Milliarden zugesagt. Für 2025 sind über 500 Millionen Schekel (knapp 127 Millonen Euro) vorgesehen, um Infrastruktur wiederherzustellen, Gemeinschaften zu stärken und Rückkehrer zu unterstützen. Kindergärten und Schulen öffnen wieder, neue Wohnformen für besonders betroffene Familien werden entwickelt.

In vielen Gemeinden zeigt sich, dass das Leben zurückkehrt – Häuser werden repariert, Menschen kehren zurück, neue Familien ziehen hinzu. Dennoch bleibt klar: Für Gemeinden wie Nahal Oz sind die psychischen Wunden groß – und die Rückkehr nicht allein Frage der Infrastruktur, sondern auch des Mutes, der Sicherheit und des Vertrauens in die Zukunft.

Der Kibbuz Kerem Shalom erklärte hingegen: „Ihr seid gekommen, um zu zerstören, und wir kommen, um Dinge zum Blühen zu bringen. Ihr wolltet Leben auslöschen, und wir kommen, um Leben zu schenken. Wir haben das Leben hierher zurückgebracht, ebenso wie die Liebe, den Glauben an das Gute und das Lachen der Kinder, das über die Wiesen hallt. Dieses Land, das einen einzigen Tag lang das Böse in seiner vollendeten Form erlebt hat, ist zurückgekehrt, um seine Kinder mit Liebe zu umarmen, und allen sagen wir: ‚Kerem Shalom wird für immer hierbleiben’“.

Titelbild: Kibbuz Kerem Shalom vor dem Hamas-Massaker. Die Kibbuzmitglieder sind entschlossen, ihre Gemeinde wieder zum Blühen zu bringen. Foto: Doron Horowitz/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land