
Rosch HaSchana 2025 – Neues Jahr zwischen Tradition und Unsicherheit
JERUSALEM, 22.09.2025 (LS) – Mit dem Klang des Schofars beginnt heute Abend in Israel das neue Jahr 5786. Rosch HaSchana ist ein Feiertag der Einkehr, des Gebets und der Hoffnung – und gerade in diesem Jahr verbinden viele Israelis die uralten Bräuche mit einer tiefen Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden.
Gebete und Umkehr
Rosch HaSchana, das jüdische Neujahrsfest, markiert den Beginn der „zehn Tage der Umkehr“, die mit dem Fastentag Jom Kippur enden. Traditionell gedenken die Juden an diesen Tagen der Schöpfung der Welt und daran, dass Gott als Richter über alle Völker sitzt. Der Klang des Schofars – des Widderhorns – ist das eindringlichste Symbol dieser Tage. Er ruft zur Umkehr, zur Besinnung und zu neuer Ausrichtung auf Gott.
Weitere Bräuche sind das Festmahl mit süßen Speisen wie Apfel und Honig, das den Wunsch nach einem „süßen Jahr“ ausdrückt, und das sogenannte Taschlich-Ritual, bei dem symbolisch Sünden in ein fließendes Gewässer geworfen werden. All dies erinnert daran, dass jeder Mensch Verantwortung trägt und gleichzeitig auf Gottes Barmherzigkeit hoffen darf.

In Israel wird das Fest im Familienkreis und in den Synagogen, die an beiden Feiertagen gefüllt sind, gefeiert.
Rosch HaSchana 2025 – ein Neuanfang in schwierigen Zeiten
In diesem Jahr 2025 hat Rosch HaSchana eine besondere Brisanz. Israel steht noch immer unter dem Eindruck des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden Militäroperation in Gaza. Viele Familien begehen das Fest in Trauer, manche mit einem leeren Stuhl am Tisch – für gefallene Soldaten oder für Geiseln, die noch nicht zurückgekehrt sind. Das Schofar erinnert hier nicht nur an den biblischen Ruf zur Umkehr, sondern auch an den dringenden Wunsch nach Befreiung und nationaler Einheit.
Gleichzeitig wächst in Israel die Sehnsucht nach einem neuen Anfang – nach politischer Stabilität, nach einem Ende der inneren Spaltung zwischen religiösen und säkularen Lagern, nach einer Zukunft in Sicherheit. Die Botschaft von Rosch HaSchana, dass Gott das Weltgeschehen in seinen Händen hält und jedes Volk zur Rechenschaft zieht, spricht viele Israelis in dieser Situation besonders stark an.
So wird das Fest zum geistlichen Spiegel der Gegenwart: Es verbindet alte Bräuche wie Schofarblasen, süße Speisen und Taschlich mit der Hoffnung, dass das kommende Jahr nicht von Angst und Krieg, sondern von Erneuerung und Frieden geprägt sein möge. Rosch HaSchana 2025 lädt ein, den Blick zu heben – von der Last des Alltags hin zur Gewissheit, dass Gott selbst über Geschichte und Zukunft wacht.
Titelbild: Ein ultraorthodoxer jüdischer Mann bläst das Schofar vor dem jüdischen Feiertag Rosch Haschana. Foto: Chaim Goldberg/Flash90