
Jom Kippur 2025 – ein Fastentag voller Reue und Hoffnung
JERUSALEM 01.10.2025 (LS) – Jom Kippur, der Versöhnungstag, fällt im Jahr 2025 auf den 2. Oktober. Er beginnt am heutigen Vorabend und dauert etwa 25 Stunden – in dieser Zeit verharrt das jüdische Volk in Fasten, Gebet und innerer Prüfung. Gemäß der Anweisung im dritten Buch Mose (16, 29-30) bekennen die Betenden ihre Sünden und bitten um Vergebung. „Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun, weder ein Einheimischer noch ein Fremdling unter euch. Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, dass ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem Herrn.“
Die Bräuche und Gebete von Jom Kippur
Der Versöhnungstag beginnt mit dem Abendgebet Kol Nidre, in dem frühere Gelübde formell aufgehoben werden.
Danach folgen Gebete, Bußliturgien und Lesungen über den Tag hinweg. Man verzichtet durchgehend auf Essen und Trinken, auf das Waschen oder Eincremen, auf das Tragen von Lederschuhen und auf eheliche Beziehungen.
Im Verlauf des Tages werden mehrere Gebetsdienste abgehalten – unter anderem Schacharit (Morgengebet) und Mincha (Nachmittagsgebet). Der Abschluss des Fastentages ist das Gebet „Ne’ilah“ mit dem letzten Rezitieren des Sündenbekenntnisses (Vidui), dass an Jom Kippur insgesamt fünf Mal gesagt wird. Danach ertönt das Schofar, das von Rosch HaSchana bis Jom Kippur geblasen wurde, ein letztes Mal in einem langen ungebrochenen Ton.
In Israel ruht an Jom Kippur fast das gesamte öffentliche Leben: Geschäfte, Restaurants, Verkehr – alles steht still. Nur lebensnotwendige Dienste bleiben aktiv.
Gazakrieg, Verwundete und Geiseln
Aufgrund des Gazakriegs erhält Jom Kippur für Israel eine zusätzliche Tiefe: Viele Familien beten für Rückkehr gefangener Geiseln, für Heilung der Verwundeten und für Schutz vor weiteren Angriffen. Der Versöhnungstag wird zur Gelegenheit, inmitten von Trauer und Unsicherheit die persönliche und nationale Seele vor Gott zu legen.
Zudem erinnert Jom Kippur daran, dass selbst in schweren Zeiten – wenn Straßen leer sind und Stimmen schweigen – der geistliche Blick auf Gott gerichtet bleibt. Die Leere der Stadt, die Stille des Fastens, das gemeinsame Bitten in den Synagogen – all das wirkt wie ein Kontrast zu den Kämpfen des Alltags. In einem Jahr, da auch an anderen Fronten – etwa des geistlichen und gesellschaftlichen Zusammenhalts – gerungen wird, ist Jom Kippur 2025 mehr als je ein Tag des Neuanfangs.
Titelbild: Die Einfahrt nach Jerusalem ist normalerweise voller Verkehr. Am Jom Kippur herrscht auch hier Stille. Foto: Yonatan Sindel/Flash90