
Hinrichtungen und Schießereien: Die Hamas sichert ihre Macht im Gazastreifen
JERUSALEM / GAZA, 17.10.2025 (TM) – Hamas-Kämpfer haben im Gazastreifen Dutzende Palästinenser ermordet. Mehrere wurden öffentlich hingerichtet, wegen angeblicher Zusammenarbeit mit Israel. Die Islamisten demonstrieren so, dass sie weit davon entfernt sind, die Macht in dem Küstenstreifen abzugeben. Das sieht der Friedensplan von US-Präsident Donald Trump vor. Der erklärte am Donnerstag in einem Beitrag auf seiner Nachrichtenplattform Truth Social: „Wenn die Hamas weiterhin Menschen in Gaza tötet, was nicht Teil der Vereinbarung war, haben wir keine andere Wahl, als einzumarschieren und sie zu töten.“ Zuvor hatte er noch Verständnis geäußert, dass die Hamas versuche, ein Chaos in dem Küstengebiet zu verhindern und kriminelle Banden bekämpfe.
Zuschauer bejubeln Hinrichtungen
In einem Video, das am späten Montag verbreitet wurde, zerren Hamas-Kämpfer sieben Männer in einen Kreis von Menschen in Gaza-Stadt, zwingen sie auf die Knie und erschießen sie aus nächster Nähe von hinten. Zivile Zuschauer jubeln „Allah Akbar“ (Gott ist groß) und bezeichnen die Getöteten als „Kollaborateure“. Eine Quelle der Hamas hat die Echtheit des Videos bestätigt.
Bewohner des Gazastreifens berichten, dass zunehmend bewaffnete Kämpfer zu sehen sind, die entlang der für Hilfslieferungen notwendigen Routen patrouillieren. Palästinensische Sicherheitsquellen geben an, dass in den letzten Tagen Dutzende Menschen bei Zusammenstößen zwischen Hamas-Kämpfern und Rivalen getötet wurden.
Seit Beginn des Waffenstillstands hat die Hamas nach und nach ihre Aktivisten wieder auf die Straßen von Gaza geschickt. Aufnahmen von Reuters zeigen Dutzende Hamas-Kämpfer, die vor einem Krankenhaus im Süden Gazas aufgereiht stehen. Einer von ihnen trägt ein Schulterabzeichen, das ihn als Mitglied der Eliteeinheit „Shadow Unit“ ausweist, die laut Hamas mit der Geiselnahme beauftragt war.
Nach Inkrafttreten des Waffenstillstands hatte Ismail Al-Thawabta, Leiter des Medienbüros der Hamas-Regierung im Gazastreifen, gegenüber Reuters erklärt, die Gruppe werde kein Sicherheitsvakuum zulassen und die öffentliche Sicherheit und das Eigentum schützen.
Gemeldet werden Gefechte zwischen der Hamas und dem Shabab-Clan. Yasser Abu Shabab ist der bekannteste Araber, der mit Hunderten von bewaffneten Männern im Gazastreifen gegen die Hamas vorgeht. Berichten zufolge hat sein Clan von Israel Waffen erhalten. Die Hamas hat ihn beschuldigt, ein Verbrecher, Plünderer und Verräter zu sein.
Abbas verurteilt Hinrichtungen
Die Palästinensische Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas, die die Hamas als Regierung im Gazastreifen ablösen will, kritisierte die jüngsten Hinrichtungen scharf: „Es handelt sich um abscheuliche Verbrechen, die unter keinen Umständen zu rechtfertigen sind. Sie stellten eine eklatante Verletzung der Menschenrechte und des Rechtsstaats dar und zeigten den Willen der Hamas, ihre Herrschaft mit Gewalt und Einschüchterung durchzusetzen.“
Politische Beobachter in Israel haben angemerkt, dass der Westen die Ermordung der Gaza-Palästinenser durch die Islamisten schulterzuckend hinnehme. Während zuvor jeder Tote infolge des israelischen Militäreinsatzes beklagt und in Zusammenhang mit Kriegsverbrechen gebracht wurde, schwiegen nun die meisten Menschenrechtsgruppen. Das zeige, dass es ihnen tatsächlich nicht um die Palästinenser gehe, sondern nur um die Kritik am jüdischen Staat.
Titelbild: Hamas-Polizeikräfte zeigen sich nach Beginn des Waffenstillstands in Gaza-Stadt. Foto: Ali Hassan / Flash90