
Israel öffnet Teile des Gazastreifens für Hamas-Suchtrupps nach toten Geiseln
JERUSALEM 27.10.2025 (LS) – Die israelische Armee (IDF) hat laut offiziellen Angaben zugestimmt, dass die Hamas ihre Such- und Bergungsarbeiten zur Auffindung der Leichname israelischer Geiseln in Bereichen durchführt, die unter der Kontrolle der IDF stehen. Einige der noch vermissten Geisel-Überreste könnten sich hinter der sogenannten „Gelben Linie“ befinden – jener Rückzugsgrenze Israels im Gazastreifen, die Teil des US-vermittelten Waffenstillstands ist.
Ablauf und Bedingungen der Bergungsarbeiten
Laut Berichten wird der Prozess vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) begleitet, das als neutraler Vermittler fungiert. Die israelische Seite erklärte, die Lage vor Ort werde sorgfältig geplant: Militärische Abschnitte bleiben gesperrt, darüber hinaus stellt Israel Hubschrauber- und Drohnenüberwachung sicher, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.
Die verstorbenen Geiseln befinden sich laut Angaben der Hamas gegenüber dem Roten Kreuz im südlichen Gazastreifen in Rafah und Khan Yunis sowie in Nuseirat im Zentrum, wie Army Radio berichtet. Die meisten Orte, an denen sich die Geiseln angeblich befinden, liegen jedoch außerhalb des Territoriums der IDF.
Mitglieder des Roten Kreuzes trafen sich mit der „Schatteneinheit“ der Hamas, die für die Bewachung von Geiseln zuständig ist, um sie zum Fundort israelischer Leichen im Stadtteil Tel al-Sultan in Rafah zu führen, wie der Hamas nahestehende Medien berichteten.
Über 20 Transport- und Bau-Maschinen wurden in Betrieb genommen, um Trümmer zu bewegen und mögliche Verstecke zugänglich zu machen. Gemäß Angaben eines Hamas-Sprechers wurde bereits ein Teil der Überreste gefunden und eine baldige Übergabe angekündigt, sollte der Zugang gewährt bleiben.
Internationale Kontrolle und politische Bedeutung
Die israelische Freigabe der IDF-Kontrollzonen markiert einen seltenen kooperativen Schritt zwischen den Parteien – doch sie bleibt stark reguliert. Das IKRK betonte, ohne vollständige Umsetzung des Such- und Übergabeprozesses sei das Abkommen gefährdet.
Politisch wird diese Maßnahme als Teil der Verpflichtung Israels im Rahmen des Waffenstillstandsvertrags mit der Hamas gewertet – ein Element, das sowohl humanitäre als auch sicherheitsrelevante Dimensionen hat. Israel hatte zuvor erklärt, die Rückgabe aller Geiseln (lebend und tot) sei eine zentrale Voraussetzung zur weiteren Lockerung der Blockade und humanitären Öffnung.
Die Koordination erfolgt über die USA, Ägypten und internationale Vermittler. Derzeit befinden sich noch 13 verstorbene Geiseln im Gazastreifen. Nach israelischen Schätzungen ist laut Ynet nur der Aufenthaltsort von etwa fünf Leichnamen unbekannt.
Titelbild: Bulldozer werden eingesetzt, um in Khan Yunis, im südlichen Gazastreifen, nach den Leichen israelischer Geiseln zu suchen. Foto: Saeed Mohammed/Flash90