
Die israelische Regierung baut ein fast sieben Millionen Euro teures Besucherzentrum auf dem Ölberg
JERUSALEM, 18.11.2025 (NH) – Israel hat mit dem Bau eines prächtigen Besucherzentrums auf dem Ölberg für 25 Millionen Schekel, umgerechnet 6,6 Millionen Euro, begonnen und damit ein jahrzehntelang geplantes Projekt umgesetzt. Als Teil eines umfassenden Regierungskonzepts soll das 1.500 Quadratmeter große Besucherzentrum zur Stärkung der Region und zur Entwicklung des Altstadtbeckens als Kulturerbe, Tourismus- und Wirtschaftsraum beitragen. Der Bau des Besucherbildungszentrums hat bereits begonnen, der erste Spatenstich ist für Februar 2026 geplant und die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen. Nach jahrzehntelangem Vandalismus seitens der Bewohner Ostjerusalems soll dem biblischen Berg jetzt sein ursprünglicher historischer Glanz wiedergegeben werden.
Der Ölberg vereint drei Weltreligionen
Auf dem Jerusalemer Ölberg, der im Hebräischen Har Hazeitim (Berg der Oliven) genannt wird, befindet sich der älteste jüdische Friedhof der Welt. Die 3.000 Jahre alte Ruhestätte liegt dem Tempelberg gegenüber, überblickt das Kidron-Tal und wurde im Tanach von den Propheten erwähnt. Traditionell gilt sie als Vorbote der messianischen Ära. Doch nicht nur für das jüdische Volk hat der Ölberg eine tiefe spirituelle Bedeutung. Auch für christliche Gläubige ist der Berg Kulisse wichtiger Ereignisse im Leben Jesu. Geht es nach den Muslimen, wird der historische Berg als Teil der drittheiligsten Stätte des Islam, der al-Aqsa-Moschee, verehrt.

Nach fast einem Jahrzehnt umfangreicher Aktivitäten und Planungen zur Sanierung und zum Schutz des Ölbergs hat nun ein spannendes Projekt zur Einrichtung eines neuen Kultur- und Besucherzentrums auf dem Jerusalemer Ölberg begonnen. Das Zentrum soll das einzigartige historische Erbe des heiligen Ortes nicht nur dem jüdischen Volk zugänglich machen, sondern auch Gedenkfeiern und Versammlungen ermöglichen. Zudem soll das Bauprojekt dazu beitragen, den Ölberg zu einem sicheren und luxuriösen Ort zu machen.
Das Zentrum wird über ein auf dem Dach gelegenes Amphitheater, eine Synagoge, einen Seminarraum und eine Forschungsbibliothek verfügen. Alle Räumlichkeiten bieten einen Blick auf den Tempelberg und das Kidron-Tal, durch das der Überlieferung nach einst der Cohen, der Hohepriester des Tempels, kam, nachdem er die heilige Asche der roten Färse vorbereitet hatte. Die Einrichtung wird zudem die bestehenden Gedenkgottesdienste für Israels gefallene Soldaten optimieren.
Stärkung jüdischer Präsenz auf dem Berg
Das Besucherzentrum ist das Hauptprojekt. In den letzten Jahren wurden bereits 230 Überwachungskameras und eine moderne Beleuchtungsanlage auf dem jüdischen Friedhof des Ölbergs installiert, umfangreiche Restaurierungsarbeiten an antiken Grabsteinen durchgeführt und andere Projekte initiiert, um die Heiligkeit des Ortes zu wahren und gleichzeitig für die Sicherheit des Ortes und seiner Besucher zu sorgen. Der als ältester jüdischer Friedhof der Welt geltende Begräbnisplatz ist die letzte Ruhestätte von rund 150.000 Juden und wird jährlich von Tausenden Gläubigen und Besuchern frequentiert. Neben den Gräbern von Vorfahren und Angehörigen befinden sich auf dem Berg auch die Ruhestätten prominenter zionistischer Führer und kultureller Ikonen wie Premierminister Menachem Begin, Nobelpreisträger Shai Agnon und Eliezer Ben-Yehuda, der Vater der modernen hebräischen Sprache.

Die israelische Regierung hat gemeinsam mit dem Internationalen Komitee für den Ölberg (ICHH) das phänomenale Bauprojekt entwickelt. „Eine der größten Herausforderungen, denen wir gegenüberstanden, war der Mangel an Sicherheit: die Schändung und der Vandalismus durch Jugendliche aus Ostjerusalem“, erklärt Jeff Daub, Israel-Vorsitzender des ICHH. Neben den Überwachungskameras und der neuem Beleuchtung soll das Besucherbildungszentrum auch über eine Polizeistation, Sicherheitsteams sowie Sicherheitszäune und -tore verfügen.
Daub ist zuversichtlich, dass das Besucherzentrum nicht nur als erweitertes Sicherheitszentrum, sondern auch als Orientierungs-, Informations- und Führungszentrum für die Hunderttausenden dienen wird, die jedes Jahr den Ölberg besuchen. „Jeder ist willkommen: Juden, Christen, Muslime, Touristen, Soldaten, Studenten. Aber sein Zweck ist es, die jüdische Präsenz auf dem Ölberg hervorzuheben.”
Titelbild: Auch christliche Pilger besuchen die historischen Kirchen auf dem Berg. TPS: Yoav Dudkevitch/TPS-IL