zurück zu Aktuelles

Gaza-Bewohner berichten von Überwachung und neuen Gebühren durch die Hamas

Von Alon David

JERUSALEM, 18.11.2025 – Während in Washington die Pläne der US-Regierung für die Zukunft des Gazastreifens nach und nach konkreter werden, arbeitet die Hamas daran, ihren Einfluss im Küstenstreifen erneut zu festigen. Wie aus einem Bericht hervorgeht, dehnt die Terrororganisation ihre Kontrolle mittlerweile auch auf zentrale Bereiche des Alltags aus – vom Lebensmittelhandel über Treibstoff bis hin zu Zigaretten.

Für zahlreiche Gazaner, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragt wurden, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass die Hamas kaum bereit sein dürfte, Trumps vorgeschlagenen 20-Punkte-Plan umzusetzen oder Macht abzugeben.

Rückkehr der Kontrolle nach dem Abzug Israels

Nachdem im vergangenen Monat eine Waffenruhe in Kraft getreten war und sich israelische Truppen aus mehreren Gebieten zurückgezogen hatten, rückte die Hamas rasch wieder in diese Orte vor. Dort ging sie brutal gegen Palästinenser vor, die sie der Kollaboration mit Israel, von Diebstahl oder anderer Vergehen beschuldigte. Dutzende Menschen kamen dabei ums Leben.

Belebter Markt in Khan Yunis im Süden Gaza: Menschen kaufen Grundbedarf ein. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90
Händler klagen über Strafen und Abgaben

Mehrere Bewohner Gazas sagten Reuters, dass die erneute Machtausdehnung der Hamas inzwischen auch wirtschaftlich spürbar sei. Demnach kontrollieren Hamas-Vertreter, welche Waren in die von ihnen gehaltenen Gebiete gelangen. Für privat importierte Güter wie Benzin oder Zigaretten würden Gebühren verlangt und Händler müssten mit Geldstrafen rechnen, wenn sie sich den Vorgaben widersetzten.

Ismail al-Thawabta, der Leiter des Medienbüros der Hamas-Verwaltung, wies gegenüber Reuters die Berichte über neue Abgaben hingegen zurück. Er betonte zudem erneut, die Hamas sei bereit, die Verwaltung im Gazastreifen an eine technokratische Übergangsregierung zu übergeben.

„Sie sehen alles“

Viele Einwohner Gazas schildern ein anderes Bild. Wie etwa Mohammed Khalifa, der im zentralen Gazastreifen einkauft. Die Preise seien extrem hoch, Einkommen gebe es kaum noch, der Winter stehe bevor – die Lage sei „sehr schwierig“.

Ein großer Lebensmittelimporteur, schildert die wachsende Überwachung: „Sie sind noch nicht zu einem vollständigen Steuersystem zurückgekehrt, aber sie beobachten alles. An den Verkehrswegen gibt es Kontrollpunkte, Lastwagen werden angehalten, Fahrer befragt.“

Die Rückkehr dieser Strukturen bedeutet für viele Palästinenser nicht Befreiung, sondern genau das Gegenteil: eine Wiederaufnahme der Unterdrückung, der Angst und der Gewalt. Kontrolle statt Perspektive. Einschüchterung statt Wiederaufbau.

Die bittere Realität ist: Für die Menschen in Gaza wurde die Pause des Krieges zur Pause der Freiheit und die Hamas füllt dieses Vakuum schneller, als irgendein internationaler Plan greifen kann.

Titelbild: Belebter Markt in Khan Yunis im Süden Gaza: Menschen kaufen Grundbedarf ein. Die Szene zeigt den zurückkehrenden Alltagsbetrieb in Gaza. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land