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Notwehr oder Hinrichtung? Der Tod zweier Palästinenser sorgt weltweit für Entrüstung

JERUSALEM/JENIN, 28.11.2025 (TM) – Zwei palästinensische Terrorverdächtige sind am Donnerstag in der Stadt Jenin von Grenzpolizisten erschossen worden. Angeblich hatten sie sich bereits ergeben. Ausländische Medien sprachen von einer Hinrichtung. Die betroffenen Grenzpolizisten stellen den Hergang anders dar. Kameraleute der arabischen Fernsehsender AlGhad TV und Palestine TV haben die Szene gefilmt. Ein israelischer Experte hat jedoch Hinweise entdeckt, dass die Videos manipuliert wurden.

Beide Getötete gehörten zum Islamischen Dschihad

Die beiden Getöteten, die von palästinensischen Medien als der 26-jährige Mahmoud Qassem Abdallah und der 37-jährige Youssef Asasa identifiziert wurden, waren von Israel wegen des Verdachts der Beteiligung an Bomben- und Schussangriffen auf Truppen gesucht worden. Die Armee erklärte, die beiden seien Mitglieder eines in Jenin ansässigen Terrornetzwerks gewesen. Die palästinensische Terrororganisation Islamischer Dschihad bestätigte, dass die beiden Mitglieder des militärischen Flügels waren.

Jenin gilt als Hochburg des islamistischen Terrors. „Die Einsatzkräfte drangen in das Gebiet ein, umzingelten das Gebäude, in dem sich die Verdächtigen befanden, und leiteten ein mehrere Stunden andauerndes Verfahren ein, um sie zum Aufgeben zu bewegen“, teilten Militär und Polizei mit. Die beiden Männer verließen das Gebäude erst, nachdem ein Teil davon mit schwerem Gerät eingerissen worden war.

Laut israelischen Medien gaben die Grenzpolizisten bei einer Befragung zu dem Vorfall an: „Als die Terroristen herauskamen, begannen wir mit der Sicherheitsüberprüfung, um sicherzustellen, dass sie keine Gefahr darstellten. Wir wussten nicht, ob sie mit Waffen oder Sprengstoff bewaffnet waren. Wir begannen, ihnen Anweisungen für die Überprüfung zu geben, aber die Terroristen handelten entgegen den Anweisungen. An einem bestimmten Punkt beschloss einer der Terroristen, wieder in das Gebäude zu gehen, und der andere Terrorist folgte ihm, weshalb beide erschossen wurden.“

Die Palästinensische Autonomiebehörde warf den israelischen Streitkräften vor, vorsätzlich ein Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Das Video scheint eindeutig zu zeigen, dass die Terroristen nicht wegliefen oder weggingen, sondern langsam krochen. Angesichts der langsamen Geschwindigkeit und der geringen Entfernung wäre es für die Soldaten ein Leichtes gewesen, ihnen in die Beine zu schießen, um sie zu stoppen.

Aufnahmen wurden editiert“

Der Israeli Danny Gallant hat die Videos analysiert. Im ersten Videos sei um die 26. Sekunde herum ein „Sprung im Bild“ zu erkennen. Das deute auf einen groben Schnitt und die Entfernung eines Teils des Filmmaterials hin. In Bezug auf das zweite Video nutzte Gallant eine spezielle Website zur Überprüfung von Bearbeitungsmanipulationen, die eine Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent ergab, dass das Video bearbeitet worden war. Gallant verwies auch auf die Berichterstattung des katarischen Senders Al Jazeera über den Vorfall, der einen Bericht mit zusätzlichen Videos von Arabern der Palästinensischen Autonomiebehörde ausstrahlte, die sich Soldaten ergaben. Ein Vergleich, den er mithilfe künstlicher Intelligenz anstellte, ergab, dass die in dem Bericht enthaltenen Videos in keinem Zusammenhang mit dem Vorfall in Jenin standen. Gallants Fazit: „Die Videos vom Vorfall in Jenin wurden in irgendeiner Weise bearbeitet und manipuliert, sodass es nicht möglich ist, zu bestätigen oder zu widerlegen, ob Grenzpolizisten zwei arabische Terroristen der Palästinensischen Autonomiebehörde hingerichtet haben, die sich ergeben hatten.“

Die Untersuchung ist nun Sache der israelischen Militärstaatsanwaltschaft. Dabei dürften die Helmkamaras, die die Polizisten trugen, eine wichtige Rolle spielen.

Titelbild: Die umstrittene Szene: Die Grenzpolizei geht in Jenin gegen die beiden Palästinenser vor, die der Terrorgruppe Ismalischer Dschihad angehörten. Foto: Mohamad Torokman/Reuters

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