
Neue Anti-Hamas-Milizen formieren sich nach dem Tod Abu Shababs im Gazastreifen – Trump-Plan sieht Einrichtung von Wohnanlagen für Zivilisten vor
JERUSALEM 11.12.2025 (LS) – Nach dem Tod des Milizenführers Abu Shabab formiert sich offenbar eine Reihe neuer Gruppierungen im Gazastreifen, die sich als Anti-Hamas-Milizen verstehen und Mitglieder aufnehmen wollen. Diese Entwicklung könnte das Machtgefüge im Gazastreifen verändern.
Neue Milizen nach Shababs Tod
Unmittelbar nach der Bestätigung des Todes von Abu Shabab meldeten lokale Quellen, dass mehrere neu gegründete Milizen im Süden des Gazastreifens Mitglieder rekrutieren. Viele ehemalige Kombattanten und Zivilisten melden sich freiwillig. Diese Gruppen positionieren sich klar gegen die Hamas und verstehen sich als Vergeltungskräfte, die Rache oder Schutz für Familienangehörige suchen, die durch frühere Kämpfe oder Konflikte gestorben oder verletzt wurden.
Berichten zufolge agieren die neuen Einheiten zumindest zeitweise unabhängig von etablierten Strukturen — das bedeutet, sie organisieren sich selbst, sammeln Waffen, beschaffen Ausrüstung und rufen öffentlich zum Beitritt auf. In einigen Gemeinden hätten bereits erste Zusammenkünfte und Kampftrainings begonnen. Zu den von Anti-Hamas-Gruppen genannten Zielen gehört die Einrichtung sicherer Gebiete für vertriebene Bewohner des Gazastreifens.
Im Oktober erklärten der US-Vizepräsident JD Vance und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, dass Wiederaufbaugelder in das von Israel kontrollierte Gebiet fließen könnten, ohne auf den Beginn der nächsten Phase des Plans zu warten, mit der Idee, Modellzonen für die Bewohner des Gazastreifens zu schaffen.
Wachsende Rekrutierung und umstrittene Zukunft
Die Anti-Hamas-Gruppen operieren überwiegend aus den Teilen des Gazastreifens, die seit Beginn des von den USA vermittelten Waffenstillstands unter israelischer Kontrolle stehen. In diesen Zonen, die von Hamas-Sicherheitskräften nicht direkt erreicht werden, rekrutieren die Milizen nach eigenen Angaben neue Kämpfer und bauen ihre Strukturen aus. Drei ägyptische Sicherheits- und Militärquellen schätzen die Zahl der Kämpfer in den verschiedenen Gruppen auf rund 1.000, etwa 400 mehr als noch vor dem Waffenstillstand.
Fast alle der zwei Millionen Einwohner Gazas leben in Gebieten, die von der Hamas kontrolliert werden. Dort hat die Gruppe ihre Macht wieder gefestigt und laut Quellen der Hamas trotz schwerer Verluste während des Krieges weiterhin Tausende von Männern unter ihrem Kommando.
Ghassan al-Khatib, Dozent für Internationale Studien an der Birzeit-Universität im sogenannten Westjordanland, ist der Meinung, dass die Popularität der Hamas aufgrund der Kosten des Gaza-Krieges zwar zurückgegangen ist, die Anti-Hamas-Gruppen jedoch keine Zukunft hätten, da sie von den Palästinensern als Kollaborateure angesehen würden. Premierminister Benjamin Netanjahu bestätigte im Juni die Unterstützung Israels für Anti-Hamas-Gruppen und erklärte, Israel habe Clans „aktiviert“, ohne jedoch Details zu nennen.
Die Vereinigten Staaten haben keine offiziellen Kontakte zu den Anti-Hamas-Milizen, „noch leisten wir finanzielle oder sonstige Unterstützung“, erklärte ein US-Vertreter. „Wir werden in Gaza keine Gewinner oder Verlierer auswählen“, so der Offizielle und fügte hinzu: „Abgesehen davon, dass die Hamas keine Zukunft mehr hat, liegt es an den Bewohnern Gazas, zu entscheiden, wer Gaza regieren wird.“
Titelbild: Die Anti-Hamas-Milizen erklären, eines ihrer Ziele sei die Einrichtung sicherer Gebiete für vertriebene Gazabewohner, so dass sie statt in Zelten in von den USA geplanten Wohnanlagen untergebracht werden können. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90