
Chanukka und Weihnachten in Israel zwischen Hoffnung und Wirklichkeit
JERUSALEM, 19.12.2025 (BF) – In diesem Winter fallen zwei Feste des Lichts in Israel und den palästinensischen Gebieten in eine Zeit, die von Erschöpfung, Trauer und vorsichtiger Hoffnung geprägt ist. Chanukka und Weihnachten werden wieder gefeiert, leiser als früher, aber bewusster. Nach mehr als zwei Jahren Krieg, Terror und regionaler Eskalation ist ihre zeitliche Nähe mehr als ein Kalenderzufall. Sie wird zu einem stillen Zeichen und zu einer Chance, der Dunkelheit etwas entgegenzusetzen.
Chanukka erinnert an Widerstand, an das Festhalten am Glauben gegen eine erdrückende Übermacht, an ein Licht, das länger brennt, als es menschlich erklärbar wäre. Weihnachten erzählt von Hoffnung und von einem Licht, das in die Dunkelheit kommt. Jesus beginnt keinen bequemen Neuanfang, sondern tritt in eine zerrissene Welt als Licht hinein. In Israel, wo jüdisches und christliches Leben dicht nebeneinander existieren, berühren sich diese Botschaften in diesem Jahr auf besondere Weise.
Chanukka als stilles Zeichen der Standhaftigkeit
In vielen israelischen Städten wurde Chanukka 2025 bewusst zurückhaltend begangen. Öffentliche Feiern fanden statt, aber ohne große Inszenierung. Kerzen wurden entzündet in Wohnungen, in Krankenhäusern, an Militärstützpunkten und in Gemeinden, die noch immer mit Evakuierungen, Raketenalarm oder Verlusten leben. Das Licht stand weniger für Sieg als für Durchhalten.
Gerade nach dem 7. Oktober und den langen Monaten des Krieges bekam Chanukka eine neue Tiefe. Es ging nicht um Triumph, sondern um Identität und innere Stabilität. Viele Israelis beschrieben das Anzünden der Kerzen als bewussten Akt gegen Angst und Erschöpfung. Ein Zeichen, dass das eigene Leben und die eigene Geschichte nicht ausgelöscht werden.
Weihnachten kehrt nach Bethlehem zurück
Wenige Tage später richteten sich die Blicke nach Bethlehem. Erstmals seit Beginn des Gaza-Krieges vor über zwei Jahren wurde dort wieder ein Weihnachtsbaum auf dem Krippenplatz entzündet. Die Feier war kleiner als früher, aber sie war da. Für viele Bewohner der Stadt war das ein emotionaler Moment.

Familien standen dicht gedrängt, Kinder hielten Luftballons, Ordensschwestern beobachteten das Geschehen von den Dächern. Die Lichter vor der Geburtskirche wurden zu einem Symbol für Rückkehr und Hoffnung in einer Stadt, deren wirtschaftliches Überleben fast vollständig vom religiösen Tourismus abhängt.
Bethlehems Bürgermeister sprach offen davon, dass es nicht um eine Rückkehr zur Normalität gehe, sondern um einen Neuanfang. Nach Krieg und Pandemie sei es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Nicht nur für Pilger aus dem Ausland, sondern auch für die eigene Bevölkerung. Hoffnung, so seine Botschaft, sei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
Gleichzeitig bleibt eine spürbare Zäsur. Die christliche Bevölkerung in Bethlehem und in den autonomen Gebieten steht noch mehr unter Druck und schrumpft seit Jahren. Weihnachten wird vielerorts vor allem deshalb akzeptiert, weil es Touristen und dringend benötigte Einnahmen in die Stadt bringt. Die wirtschaftliche Bedeutung des Festes ist unbestritten. Das Interesse an der christlichen Gemeinschaft selbst hingegen bleibt begrenzt.
Licht in der Dunkelheit
Die Nähe von Chanukka und Weihnachten macht in diesem Jahr sichtbar, was beide Feste verbindet. Es geht um Licht in dunkler Zeit. Um Glauben, der nicht naiv ist, sondern standhält.
In Israel und den autonomen Gebieten feiern Juden und Christen diese Tage unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen, aber mit ähnlichen inneren Fragen. Wie lebt man weiter nach Gewalt? Wie hält man an Hoffnung fest, ohne die Realität zu verdrängen?
Dass in diesem Jahr wieder Kerzen brennen und Weihnachtslichter leuchten, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist ein vorsichtiger Schritt zurück ins Leben.
Und für alle Gläubigen ist es ein Zeichen: Gottes Wort hat Bestand.
Titelbild: Ein Jude zündet in der nordisraelischen Stadt Tzfat das fünfte Licht an der Chanukkia (Chanukka-Leuchter) an. Foto: David Cohen/Flash90