
Spanische Juden warnen: Karte „zionistischer Geschäfte“ könnte zu Gewalt führen
JERUSALEM 05.01.2026 (LS) – Eine neue Karte im Internet, die über 150 lokale jüdische und israelbezogene Betriebe, Schulen und Organisationen in Katalonien markiert, soll die „zionistische Wirtschaft in Barcelona“ zeigen.
„Wie Zionismus in Katalonien funktionert“
Die interaktive Karte wird von einer anonymen Gruppe betrieben, die sich selbst als „Journalisten, Professoren und Studenten“ bezeichnet. Ihr Ziel sei es, „zu verstehen, wie der Zionismus in Katalonien funktioniert“ und die Auswirkungen der damit verbundenen Investitionen in der Region aufzudecken und anzuprangern.
Die Karte mit dem Namen „Barcelonaz“ ist auf einer französisch gehosteten Plattform namens GoGoCarto entstanden. Sie listet Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Organisationen nicht nur mit jüdischen Eigentümern, sondern auch Verbindungen zu Israel und dem Begriff „zionistisch“. Dazu gehören große internationale Konzerne wie Airbus, IBM, Siemens und die Deutsche Bank, die auch in Israel tätig sind. Außerdem aufgeführt sind lokale koschere Geschäfte, israelische Firmen und die jüdische Schule „Hatikva“ in Barcelona.
Jüdische Gemeinden besorgt
Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in Spanien erklärten, eine solche öffentliche Auflistung von Betrieben wecke Erinnerungen an Praktiken, die historisch zu Diskriminierung, Boykotten und Gewalt gegen Juden geführt haben. Sie sehen darin keine sachliche Information, sondern eine potenzielle Einladung zu gezielten Angriffen.
Die Debatte in Spanien fällt in eine Zeit, in der jüdische Gemeinden in Westeuropa zunehmend auf wachsenden Antisemitismus und unsichere Verhältnisse hinweisen. Die jüdische Gemeinschaft in Barcelona selbst hat wiederholt betont, sie sei ein integraler Teil der spanischen Gesellschaft. Es sei wichtig, Sicherheit und Respekt für alle Bürger zu gewährleisten.
Beschwerden an GoGoCarto
Mehrere Organisationen haben Beschwerden bei der Plattform eingereicht und fordern die Entfernung der Karte. In einem Brief an GoGoCarto, der von der jüdischen Zeitung Enfoque Judio zitiert wird, fordern Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Unternehmen auf, die Karte zu entfernen. Sie habe „eindeutig antisemitischen und diskriminierenden Charakter, da sie darauf abzielt, eine Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Religionszugehörigkeit zu identifizieren und zu stigmatisieren“.
„Barcelonaz ist keine harmlose Karte: Es handelt sich um ein Instrument der Stigmatisierung, das zu diesem Klima der Feindseligkeit beiträgt und direkt oder indirekt zu Diskriminierung von Juden und israelischen Bürgern, Boykotten ihrer Unternehmen und sogar zu Gewalt aufstachelt“, erklärte ein jüdischer Vertreter gegenüber Enfoque Judio.
UPDATE: Die Online-Karte wurde nach heftiger Kritik seitens der jüdischen Gemeinde Spaniens entfernt.
Titelbild: Barcelona könnte für jüdische Einrichtungen nicht mehr sicher sein. Foto: Nati Shohat/Flash90