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Warum Europa von Israels Gas profitiert – ohne es zuzugeben

von Alon David

JERUSALEM, 08.01.2026 – Israel und Ägypten haben das bislang größte Energieabkommen ihrer gemeinsamen Geschichte geschlossen. Der Vertrag sieht vor, dass Israel bis zum Jahr 2040 insgesamt rund 130 Milliarden Kubikmeter Erdgas an Ägypten liefert. Das Gas stammt aus dem israelischen Offshore-Feld Leviathan-Gasfeld im östlichen Mittelmeer.

Der Gesamtwert des Abkommens wird auf rund 30 Milliarden Euro geschätzt. Vertragspartner auf israelischer Seite sind die Betreiber des Gasfeldes, unter anderem internationale Energiekonzerne, während Ägypten das Gas teilweise für den Eigenverbrauch nutzt und teilweise über bestehende LNG-Terminals weiterverarbeitet.

Die israelische Regierung ratifizierte das Abkommen offiziell. Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete den Deal als wirtschaftlich bedeutend und als Stärkung der regionalen Stellung Israels im Energiesektor. Ägypten erklärte seinerseits, es handele sich um eine rein kommerzielle Vereinbarung ohne politische Dimension – eine Formulierung, die vor allem der innenpolitischen Sensibilität des Themas geschuldet ist.

Technisch relevant: Das Erdgas wird nicht direkt per Pipeline nach Europa geliefert. Eine solche Infrastruktur existiert bislang nicht. Stattdessen erfolgt der Export über Ägypten, wo das Gas verflüssigt (LNG) und anschließend international vermarktet wird.

Eine Gasanlage, gesehen von der Wüstenstraße von Suez außerhalb von Kairo, Ägypten. Foto: Amr Abdallah Dalsh/Reuters
Die energiepolitische Bedeutung

Für Ägypten kommt das Abkommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Die heimische Gasförderung ist rückläufig, während der Energiebedarf durch Bevölkerungswachstum und steigenden Stromverbrauch zunimmt. Gleichzeitig belasten hohe Importkosten den Staatshaushalt.

Das israelische Erdgas verschafft Kairo Planungssicherheit – sowohl wirtschaftlich als auch energiepolitisch. Damit trägt das Abkommen zur Stabilisierung eines Landes bei, das für die gesamte Region von zentraler Bedeutung ist.

Auch Israel profitiert wirtschaftlich. Die langfristigen Einnahmen stärken den Staatshaushalt in einer Phase hoher sicherheitspolitischer Ausgaben und schaffen zusätzliche finanzielle Spielräume.

Sicherheitspolitik durch wirtschaftliche Verflechtung

Über die wirtschaftlichen Aspekte hinaus hat das Abkommen eine sicherheitspolitische Dimension. Seit dem Friedensvertrag von 1979 basiert das Verhältnis zwischen Israel und Ägypten vor allem auf militärischer und geheimdienstlicher Zusammenarbeit. Der Erdgasdeal ergänzt diese Achse um eine wirtschaftliche Abhängigkeit, die stabilisierend wirken kann.

Bemerkenswert ist, dass die Energiebeziehungen auch in Phasen massiver politischer Spannungen – etwa während des Krieges gegen die Hamas – nicht abgebrochen sind. Dies deutet darauf hin, dass wirtschaftliche Interessen als Puffer gegen Eskalation fungieren.

Europa ist kein direkter Vertragspartner des Abkommens. Dennoch hat der Deal indirekte Auswirkungen auf den europäischen Energiemarkt. Ägypten exportiert verflüssigtes Erdgas über seine LNG-Terminals auch nach Europa – insbesondere seit dem Wegfall großer Mengen russischer Lieferungen.

Israels Erdgas ersetzt russische Lieferungen nicht unmittelbar, kann aber Teil eines diversifizierten Energiemixes sein. Entscheidend ist dabei weniger die Menge als die geopolitische Wirkung: Ein stabileres Ägypten reduziert Risiken für Europa, etwa im Hinblick auf Migration, den Suezkanal oder wachsenden Einfluss externer Mächte wie Russland oder China.

Kontext im östlichen Mittelmeer

Das Abkommen fügt sich in eine breitere regionale Entwicklung ein. Israel, Ägypten, Griechenland und Zypern vertiefen ihre energiepolitische Zusammenarbeit und bilden eine Achse, die auf wirtschaftliche Vernetzung und sicherheitspolitische Koordination setzt. Gleichzeitig gerät die Türkei mit ihren Ambitionen im östlichen Mittelmeer zunehmend in Isolation.

Auch aus Sicht der Vereinigten Staaten ist diese Entwicklung relevant. Washington betrachtet ein wirtschaftlich und politisch stabiles Ägypten als strategisches Kerninteresse. Israels Rolle als verlässlicher Energielieferant unterstützt diese Stabilität – ohne zusätzliche militärische oder finanzielle Verpflichtungen der USA.

Fazit

Der Erdgasdeal zwischen Israel und Ägypten ist kein politisches Symbolprojekt, sondern ein langfristiges strategisches Abkommen mit realen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen. Israel exportiert dabei nicht nur Energie, sondern trägt zur Stabilisierung einer Region bei, deren Entwicklungen direkte Auswirkungen auf Europa haben.

Dass dieser Zusammenhang in europäischen Debatten bislang kaum offen benannt wird, ändert nichts an seiner Bedeutung.

Titelbild: Blick auf die Gasförderplattform des israelischen Leviathan-Gasfeldes vor der Mittelmeerküste nahe Caesarea, aufgenommen am 31. Januar 2019. Foto: Marc Israel Sellem/POOL/Flash90

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