
Vorbereitungen für einen Angriff? Hamas-Späher nutzen die Waffenruhe, um die israelischen Streitkräfte auszuspionieren
JERUSALEM, 13.01.2026 (NH) – In den vergangenen Monaten hat das israelische Militär an Außenposten entlang der Gelben Linie mit Dutzenden Terror-Szenarien der Hamas zu kämpfen. Immer wieder versuchen Terroristen, gegen die Truppen vorzugehen. Die Armee ist daher zu allerhöchster Wachsamkeit angehalten, um Überraschungsangriffe rechtzeitig abzuwehren. Tatsächlich schätzt der israelische Sicherheitsapparat, dass die Terrororganisation die jüngste Waffenpause nicht nur zum Wiederaufbau ihrer militärischen Fähigkeiten nutzt, sondern auch, um das Verhalten der israelischen Truppen und der Soldaten im Einzelnen sowie die Geschwindigkeit, mit der sie reagieren, zu analysieren.
Die Zerstörung der Terrortunnel wird Jahre dauern
Während die Terrororganisation Hamas angibt, noch immer nach der Leiche der letzten israelischen Geisel Ran Gvili zu suchen, hat sich die Realität in den Kampfgebieten seit dem Inkrafttreten des Waffenstillstands verändert. Nach zwei Jahren intensiver Kämpfe widmen sich die Truppen nun der Zerstörung der terroristischen Infrastruktur der Hamas: Neben der Beseitigung von Sprengstofffallen und nicht explodierter Munition suchen die Truppen täglich nach Schächten und Durchgängen und vernichten Terrortunnel. Es sei anzumerken, dass die Kartierung der Tunnel bis hin zu ihrer endgültigen Zerstörung Wochen dauert, da sie typischerweise sehr tief und verzweigt sind. Militärquellen gehen davon aus, dass es Jahre dauern wird, alle Hamas-Tunnel in etwa der Hälfte des Gazastreifens aufzufinden und zu zerstören. Neben der Feldarbeit muss das israelische Militär ständig mit Hinterhalten und Schusswechseln der Terroristen rechnen.

Neue Waffenproduktion und Kommandeurberufung
Während US-Präsident Donald Trump von einer internationalen Stabilisierungskraft zur Absetzung der Hamas träumt, kontrolliert die Terrororganisation weiterhin die Enklave.
Trotz massiver Bemühungen des israelischen Militärs erholt sich die Terrororganisation in rasantem Tempo. Neben der Ernennung neuer Kommandeure in verschiedenen, im Krieg beschädigten oder ausgeschalteten operativen Hauptquartieren widmet sich die Terrorgruppe nicht nur der Ermordung palästinensischer Clans, die von Israel unterstützt werden. Sie bildet weiterhin Terroristen aus, produziert Waffen und Raketen und übt bereits für einen weiteren Angriff auf israelische Streitkräfte.
Die Ameetruppen, die auf provisorischen Stützpunkten in der Enklave stationiert sind, berichten von Dutzenden Versuchen palästinensischer, meist unbewaffneter „Zivilisten”, sich den Außenposten zu nähern und die Gelbe Linie zu überschreiten. Tatsächlich handelt es sich bei den vermeintlichen Zivilisten um Terroristen der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihads (PIJ), die die Wachsamkeit, Reaktionszeiten und mögliche Infiltrationsrouten durch Gebäuderuinen und Trümmer testen. Diese Aktivitäten werden aus einer Entfernung von mehreren hundert Metern bis zu einigen Kilometern beobachtet und dienen der Informationsbeschaffung für zukünftige Angriffe.
Hamas-Kämpfer in ziviler Kleidung werden zu Spähern
Dieses besorgniserregende Phänomen sorgt unter den Streitkräften für gefährliche Verwirrung. Denn arabisch-israelische Bauarbeiter in ziviler Kleidung, die für das Militär auch innerhalb der Außenposten arbeiten, können schnell zu Fehlidentifikationen führen, die tödlich enden können. Einige Offiziere forderten daher, keine Palästinenser aus dem sogenannten Westjordanland zu beschäftigen, da diese zwar mit Genehmigungen einreisen, aber dennoch ein Sicherheitsrisiko für die Militärkräfte darstellen können.
Militär-Offiziere vor Ort warnen im Schatten der sensiblen Waffenruhe in den letzten Wochen zunehmend vor einer trügerischen Ruhe, die die Hamas auf ihrer Seite der gelben Linie ausnutzt, sowie vor einer zunehmenden Komplexität und Instabilität der Lage vor Ort.
Titelbild: Mitglieder der Al-Qassam-Brigaden der Hamas in der Nähe der Al-Hajj-Musa-Moschee in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen. Foto: Ali Hassan/Flash90