
Lia und Aharon kamen bei der Katastrophe in einer ultraorthodoxen Kinderkrippe in Jerusalem ums Leben, Dutzende Säuglinge befinden sich noch in medizinischer Behandlung
JERUSALEM, 20.01.2026 (NH) – In einer privaten Kindertagesstätte in Jerusalem ist es gestern zu einer Tragödie gekommen. Dutzende Rettungsteams eilten in das mehrheitlich von Ultraorthodoxen bewohnte Viertel Romema, nachdem mehrere Notrufe über zahlreiche Kleinkinder mit Atembeschwerden eingegangen waren. In den ersten unübersichtlichen Minuten gab es zunächst einen starken Verdacht auf Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen, insbesondere Kohlenmonoxid (CO). Dies führte nicht nur zur Evakuierung der Kindergartenkinder, sondern auch der Personen aus anliegenden Gebäuden. Inzwischen schließt die Polizei den anfänglichen Verdacht auf Gefahrstofflecks jedoch aus und konzentriert sich auf den Verdacht der schwerwiegenden Fahrlässigkeit von drei Betreuerinnen, die den Kinderhort ohne Lizenz oder Aufsicht des Bildungsministeriums betrieben.

Notfallkräfte berichten von schockierenden Szenen
Die Einsatzteams der Notfallorganisationen Magen David Adom (MDA) und United Hatzalah, die am Tatort eintrafen, berichten von erschütternden Szenen. Die Sanitäter fanden am Einsatzort ein vier Monate altes Baby, das bewusstlos, ohne Puls und ohne Atmung war. „Wir begannen mit der medizinischen Behandlung, die eine Herz-Lungen-Wiederbelebung und die sofortige Evakuierung in ein Krankenhaus umfasste. Plötzlich wurden wir zurückgerufen, um ein weiteres Baby zu behandeln, das ebenfalls bewusstlos, pulslos und nicht ansprechbar war.“ Die Sanitäter berichten, weitere „große Einsatzkräfte zum Einsatzort rekrutiert zu haben, um sicherheitshalber auch alle anderen Babys zu evakuieren”. Parallel zu den beiden Wiederbelebungsversuchen wurden weitere 53 Säuglinge und Kleinkinder in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Für die beiden Babys Lia und Aharon, vier und sechs Monate alt, kam die Hilfe jedoch zu spät. Trotz lebensrettender Ersthilfe konnten die Ärzte in der Notaufnahme nur noch ihren Tod feststellen. Ersten Ergebnissen zufolge erweckte eine Untersuchung aufgrund körperlicher Anzeichen den Verdacht, dass eines der Babys bereits lange vor dem Eintreffen der Notfalltrupps gestorben war.

Betreuerinnen wegen Fahrlässigkeit verhaftet
Polizeiermittlungen haben ergeben, dass die Kindertagesstätte, die sich über zwei miteinander verbundene Wohnungen erstreckt, seit 30 Jahren ohne Lizenz betrieben wird. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich die beiden verstorbenen Säuglinge unbeaufsichtigt im oberen Stockwerk der Tagesstätte, während sich die anderen Kleinkinder mit drei Aufsichtspersonen im ersten Stockwerk aufhielten. Bei Eintreffen der Sicherheitskräfte wurde per Video eine massive Überfüllung des Kindergartens dokumentiert. Neben Matratzen in Schränken fand man ein Kleinkind, das auf einer Matratze neben der Toilette schlief. Die drei Betreuerinnen wurden wegen des Verdachts auf grobe Fahrlässigkeit verhaftet und verhört.
Der Kommandeur des Jerusalemer Bezirks des Feuerwehr- und Rettungsdienstes ordnete die Einrichtung eines speziellen Untersuchungsteams an, um die Umstände dieses ungewöhnlichen Vorfalls weiter zu durchleuchten.
Titelbild: Rettungs- und Sicherheitskräfte waren am 19. Januar 2026 in einer privaten Kindertagesstätte in Jerusalem im Einsatz, wo zwei Babys tot und dutzende weitere Kinder verletzt aufgefunden wurden. Foto: Chaim Goldberg/Flash90