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Holocaust-Überlebende in Israel erhalten unzureichende medizinische Versorgung

JERUSALEM 28.01.2026 (LS) – Eine neue Studie zeigt, dass zahlreiche Überlebende des Holocaust in Israel medizinische Hilfe nicht wahrnehmen können, weil der Zugang zu Ärzten und Kliniken zu schwierig ist.

Laut einem vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlichten medizinischen Bericht leben derzeit etwa 115 000 Holocaust-Überlebende in Israel, viele davon sehr alt und zu einem erheblichen Anteil hausgebunden. Ein Drittel von ihnen lebt in Gebäuden ohne Fahrstuhl, was den Weg zu medizinischer Versorgung zusätzlich erschwert.

Zugangshürden verzögern oder verhindern Behandlungen

Der Bericht wurde von der gemeinnützigen Organisation Lema’anam erstellt, die sich der medizinischen Versorgung von Holocaust-Überlebenden widmet. Er zeigt, dass sich die Schwierigkeiten beim Erhalt medizinischer Behandlung seit Beginn des Krieges weiter verschärft haben: Die Zahl der Anfragen nach medizinischer Hilfe stieg um mehr als 20 %, zugleich nahmen die Schwierigkeiten, diese Hilfe zu bekommen, um über 30 % zu.

In weiter abgelegenen Regionen im Norden und Süden Israels gibt es laut dem Bericht deutlich weniger Fachärzte pro Bevölkerungseinheit als in zentralen Gebieten. Für viele Überlebende, deren Durchschnittsalter bei etwa 86 Jahren liegt, sind lange Anfahrtswege zu Ärzten ein großes Hindernis, und oft entscheiden sie sich deshalb ganz gegen eine Behandlung.

Ein weiterer Faktor ist der Einsatz digitaler Tools im Gesundheitssystem, die für ältere Menschen schwer nutzbar sein kann und Termine oder Behandlungen weiter verzögert. Auch „medizinischer Ageismus“, also längere Wartezeiten für ältere Patienten im Vergleich zu jüngeren, wurde im Bericht genannt.

Medizinische Hilfe direkt zu Hause

Lema’anam bringt daher spezialisierte medizinische Betreuung direkt zu den Überlebenden nach Hause. Mobile Kliniken, Hausbesuche, Physiotherapie und tägliche Pflege sollen die Versorgung für jene verbessern, die nicht mehr regelmäßig zu Arztpraxen oder Krankenhäusern gelangen. Im Jahr 2025 führte die Organisation rund 10 000 medizinische Behandlungen für Überlebende durch, darunter etwa 1 550 über mobile Dienste und Hausbesuche.

Der Chef von Lema’anam, Raz Avitan, erklärte am Internationalen Holocaust-Gedenktag, es sei wichtig klarzustellen, dass die Verantwortung gegenüber den Überlebenden „nicht mit dem Erinnern und Gedenken endet“. Er betonte, dass „zugängliche, kontinuierliche und würdevolle medizinische Versorgung hier und jetzt“ gewährleistet werden müsse und die Daten zeigten, dass mangelnde Facharztversorgung, schlechte Erreichbarkeit und altersbedingte Barrieren dazu führten, dass viele Überlebende auf notwendige Behandlungen verzichteten – „eine Realität, die wir nicht akzeptieren dürfen.“

Titelbild: Die 96-jährige Holocaust-Überlebende Rachel Herzl in ihrem Haus im jüdischen Viertel der Altstadt von Jerusalem mit ihrem Ururenkel, dem fast einjährigen David Nachman. Rachel ist eine Überlebende des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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