
Falsche Kriegsverbrecher-Vorwürfe: Deutsch-israelischer Soldat siegt vor Gericht gegen Medienhäuser
JERUSALEM, 03.02.2026 (NH) – Ein folgenschwerer Medienbericht über mutmaßliche Kriegsverbrechen im jüngsten Gazakrieg hatte für einen jungen Soldaten mit deutsch-israelischer Staatsbürgerschaft dramatische Konsequenzen. Nachdem er von der britischen Tageszeitung The Guardian und deutschen Medien fälschlich als Todesschütze identifiziert worden war, wehrte sich der IDF-Soldat Daniel G. aus München erfolgreich mit juristischen Schritten gegen die Verbreitung der Desinformation.
Manipulierte Quellen und fatale Identitätsverwechslung
Ausgangspunkt war eine reißerische Recherche, die 2025 von The Guardian in Zusammenarbeit mit Der Spiegel, dem ZDF und weiteren Partnern veröffentlicht wurde. Zentrales Element war ein Interview mit einem israelischen Scharfschützen, der anonym als „C.“ auftrat. Er soll eingeräumt haben, im November 2023 gemeinsam mit einem Kollegen unbewaffnete palästinensische Zivilisten erschossen zu haben. Obwohl C. seinen mutmaßlichen Kameraden nicht namentlich nannte, erklärten die Medien, dessen Identität ermittelt zu haben, und benannten Daniel G. als angeblichen Mittäter. In der Folge wurden dessen voller Name und Fotos veröffentlicht.
Laut Verteidigung beruhte die Berichterstattung auf einem rund fünfstündigen Interview, das der palästinensische, anti-israelische Aktivist Younis Tirawi mit C. geführt hatte. Dem Soldaten sei vorab suggeriert worden, er wirke an einer Dokumentation über „israelische Militärhelden“ mit. Das Material sei später auf etwa 40 Minuten gekürzt und irreführend aus dem Zusammenhang gerissen worden. Besonders belastende Aussagen seien zudem heimlich während einer Interviewpause aufgezeichnet worden.

Ein fataler Bericht führt zu Existenzbedrohung
Daniel G.s Anwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel spricht von einer gravierenden Fehlidentifikation. Er legte eidesstattliche Versicherungen von C. sowie von G.s Vorgesetztem vor, aus denen hervorgeht, dass G. zum fraglichen Zeitpunkt weder am Einsatzort war noch derselben Einheit angehörte. „Der gesamte Artikel handelt von meinem Mandanten, der nachweislich nicht beteiligt war“, erklärte Steinhöfel.
Die Folgen der Berichterstattung waren für Daniel G. verheerend. Seine Identität verbreitete sich rasant in den Weltmedien, insbesondere in arabischen Netzwerken. Die Fehlidentifikation führte zu massiven Morddrohungen. Auch deutsche Medien wie die Abendzeitung, das ZDF und Der Spiegel griffen die Vorwürfe auf, ohne G. zuvor Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Steinhöfel bezeichnete das Vorgehen als „aktivistische, anti-israelische Hexenjagd“, die grundlegende journalistische Prinzipien verletze.
Inzwischen konnte der Angeklagte wichtige Etappensiege erringen
Daniel G. erzielte mehrere juristische Erfolge. The Guardian unterzeichnete eine Unterlassungserklärung und verpflichtete sich, Namen und Bilder nicht weiter zu verbreiten. Gegen die Abendzeitung wurde eine einstweilige Verfügung erwirkt. Zudem untersagte ein Gericht die Veröffentlichung von Expertenaussagen, die eine strafrechtliche Verfolgung G.s nahelegten. Steinhöfel fordert von The Guardian eine Entschädigung von 100.000 Euro. Trotz dieser Erfolge sieht der Soldat seine persönliche Sicherheit weiterhin als „nahezu irreversibel“ gefährdet.
Unabhängig davon geraten israelische Soldaten mit deutscher Staatsangehörigkeit zunehmend ins Visier juristischer Initiativen. Aufgrund des Weltrechtsprinzips können in Deutschland auch bei Auslandstaten Ermittlungen wegen mutmaßlicher Völkerrechtsverbrechen eingeleitet werden. So reichte das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) eine 130-seitige Strafanzeige gegen Mitglieder der israelischen Militäreinheit „Refaim“ ein. In einem weiteren Fall wird gegen einen Soldaten ermittelt, der die Zerstörung ziviler Infrastruktur in sozialen Netzwerken gefeiert haben soll.
Titelbild: Der juristische Erfolg eines deutsch-israelischen Soldaten gegen Medien, die ihn fälschlich mit Kriegsverbrechen in Verbindung brachten. Foto: IDF