
Schrei nach Gerechtigkeit – Millionenklage gegen die Hisbollah nach der Tragödie von Majdal Shams
JERUSALEM, 09.02.2026 (NH) – Anderthalb Jahre nach der verheerenden Tragödie, die die drusische Gemeinschaft auf den Golanhöhen erschütterte, hat sich der Kampf der Hinterbliebenen nun in den Gerichtssaal verlagert. Acht Familien, deren Kinder bei dem Raketenangriff auf Majdal Shams im Juli 2024 getötet wurden, haben am Sonntag beim Bezirksgericht in Jerusalem eine Klage in Höhe von 80 Millionen Schekel (rund 22 Millionen Euro) gegen die Hisbollah eingereicht. Parallel dazu wird eine weitere Klage im Namen von mehr als 30 Verletzten vorbereitet. Sie fordert Entschädigungen in Höhe von 165 Millionen Schekel (etwa 45 Millionen Euro). Darüber berichtete der israelische Fernsehsender Channel 12. Grundlage der Klagen ist ein während des Krieges verabschiedetes Gesetz, das Opfern von Terroranschlägen die Geltendmachung von Strafschadenersatz ermöglicht.
Tödlicher Angriff auf ein Fußballfeld
Am Samstagabend, dem 27. Juli 2024, gegen 18:18 Uhr, ertönten in Majdal Shams, einer überwiegend drusischen Stadt auf den Golanhöhen nahe der Grenze zu Libanon und Syrien, die Sirenen. Sekunden später schlug eine im Iran hergestellte Rakete des Typs „Falaq-1“ auf einem belebten Fußballfeld ein. Nach Erkenntnissen der Ermittler trug sie einen Sprengkopf von rund 53 Kilogramm und wurde gezielt aus dem Gebiet Schebaa im Südlibanon abgefeuert. Zwölf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 16 Jahren kamen dabei ums Leben, Dutzende weitere wurden teils schwer verletzt. Während die Hisbollah jede Verantwortung zurückwies, kamen israelische Ermittlungsbehörden sowie US-Geheimdienste übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Terrormiliz für den Angriff verantwortlich war. Für die Bewohner der Region zählt das Ereignis zu den schwersten zivilen Tragödien seit Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023.
Die Tat lenkte internationale Aufmerksamkeit auf die komplexe Identitätslage der Drusen auf den Golanhöhen. Majdal Shams, der größte Ort der Region, ist geprägt von engen kulturellen und familiären Bindungen zu Syrien. Rund 75 Prozent der Einwohner identifizieren sich als Syrer und lehnen die israelische Staatsbürgerschaft ab. Diese Haltung trägt dazu bei, dass sich die Gemeinschaft politischer Instrumentalisierung zu entziehen versucht.

„Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“
Der Tod der Kinder überschritt jedoch politische und geografische Grenzen. In der syrischen Provinz Al-Quneitra fanden Trauerkundgebungen statt, während es in der drusischen Stadt As-Suwayda zu Protesten gegen die Hisbollah kam. Demonstranten skandierten Parolen gegen die Terrororganisation und bekundeten ihre Solidarität mit den Familien auf den Golanhöhen.
Die Klage in Jerusalem wird unter anderem von der Anwältin Nitsana Darshan-Leitner geführt. Sie betonte, es gehe um klare Verantwortlichkeit für den gezielten Beschuss von Zivilisten. „Mit beispielloser Grausamkeit wurden – mit iranischer Unterstützung – unschuldige Kinder getötet. Der Kampf um Gerechtigkeit wird nun auf juristischem Weg fortgesetzt“, so die Anwältin. Laith Abu Saleh, der seinen 16-jährigen Sohn Fajr verlor, erklärte: „Unsere persönliche Trauer ist Teil des Schmerzes vieler Menschen in Israel. Diese Klage bringt unsere Kinder nicht zurück, aber sie setzt ein klares Zeichen: Angriffe auf die Zivilbevölkerung sind ein schweres Verbrechen.“
Titelbild: Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Raketenangriffs auf Majdal Shams, bei dem zwölf Kinder getötet wurden (27. Juli 2025). Foto: Michael Giladi/Flash90