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Staatskontrolleur erhebt schwere Vorwürfe: Evakuierungen nach dem Massaker vom 7. Oktober organisatorisch gescheitert

JERUSALEM 25.02.2026 (LS) – Nach den Angriffen auf israelische Gemeinden im Süden am 7. Oktober 2023 und den späteren Bedrohungen im Norden hatten Hunderttausende Israelis ihre Häuser verlassen müssen. Doch laut einem nun veröffentlichten Bericht des israelischen Staatskontrolleurs Matanyahu Englman verlief dieser historische Evakuierungseinsatz chaotisch, unkoordiniert und ohne ausreichende Vorbereitung.

Untersucht wurden sowohl die unmittelbare Reaktion nach den Angriffen als auch die strukturelle Vorbereitung der zuständigen Behörden in den Jahren davor.

Fehlende Planung und verspätete Evakuierungen

Laut Bericht existierte zwar bereits ein Regierungsbeschluss aus dem Jahr 2012, der ein nationales Rahmenkonzept für Massenevakuierungen vorsah, doch wurde dieses nie vollständig umgesetzt oder aktualisiert. Eine überarbeitete Fassung blieb unvollendet und wurde nicht genehmigt. Als die Krise eintrat, gab es demnach kein einsatzbereites, abgestimmtes und finanziertes Evakuierungsprotokoll.

Die Folge: Improvisation statt Planung. Statt vorbereiteter Notunterkünfte in öffentlichen Einrichtungen wurden die meisten Evakuierten kurzfristig in Hotels im ganzen Land untergebracht. Von insgesamt 317 genutzten Einrichtungen waren lediglich 41 im Vorfeld offiziell als Notfallunterkünfte definiert worden.

Kritisch bewertet der Bericht auch die zeitlichen Verzögerungen. In einigen betroffenen Gemeinden begann die organisierte Evakuierung viele Stunden nach Beginn der Angriffe. In Nahal Oz setzte sie erst rund 14 Stunden später ein, in Kfar Aza sogar nach etwa 36 Stunden.

Ein weiteres Problem war das Fehlen eines zentralen Echtzeit-Datenmanagements. Es gab kein einheitliches System zur Erfassung der Evakuierten, was die Koordination zwischen Behörden zusätzlich erschwerte.

Zuständigkeitsstreit und strukturelle Defizite

Der Bericht beschreibt auch Kompetenzkonflikte zwischen staatlichen Stellen. Die Nationale Notstandsbehörde, das Innenministerium und die Armee schoben sich teilweise gegenseitig die Verantwortung zu. Das Innenministerium habe bestimmte Alarmmechanismen nicht ausgelöst, da es die geänderte Lage nicht als formellen Auslöser wertete. Der Staatskontrolleur stellt jedoch klar, dass diese Einschätzung die Verantwortung des Ministeriums nicht aufhebe.

In seiner Bewertung spricht Englman von strukturellen Defiziten, die sich über Jahre aufgebaut hätten: fehlende verbindliche Richtlinien, unzureichende Übungen mit realistischen Szenarien und mangelnde Koordination zwischen zivilen und militärischen Stellen.

Das Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe teilweise zurück und erklärte, man habe unmittelbar nach Beginn der Kampfhandlungen ein zentrales Koordinierungssystem eingerichtet. Ziel sei es gewesen, „Kontinuität, Ordnung und Professionalität“ bei Evakuierung, Unterbringung und späterer Rückkehr sicherzustellen. Die Umquartierung Hunderttausender Menschen sei eine beispiellose logistische Herausforderung gewesen. Der Bericht verstärkt die innenpolitische Debatte darüber, wie Israel künftig auf großflächige Bedrohungen reagieren und seine Zivilbevölkerung besser schützen kann.

Titelbild: Viele israelische Flüchtlinge aus dem Norden und Süden wurden in Hotels untergebracht. Foto: Dor Pazuelo/Flash90

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