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Purim – Zufälle und Gottes verborgene Hand

JERUSALEM 02.03.2026 (LS) – Das jüdische Purimfest beginnt am heutigen Abend mit Sonnenuntergang am jüdischen Datum des 14. Adar. Im Jahr 356 v. Chr. wurde zum ersten Mal das jüdische Purimfest gefeiert, um an das Überleben des jüdischen Volkes unter der Herrschaft des Persischen Reiches und die Aufhebung eines Dekrets zu erinnern, das ihre Vernichtung gefordert hatte.

Abwendung eines Dekrets

Während sich Juden auf der ganzen Welt erneut auf Purim vorbereiten, hat diese alte Geschichte neben einem gewissen Maß an Hoffnung auch eine unangenehme Vertrautheit.

Das Buch Esther erzählt die Geschichte von König Ahasveros und dem Aufstieg seines obersten Ministers Haman, der die Gunst des Königs nutzt, um ein Vernichtungsdekret gegen das jüdische Volk zu erlassen. Der Hass Hamans hatte seine Wurzeln in einer jahrhundertelangen Blutfehde zwischen seinem Volk, den Amalekitern, und den Juden.

Das Dekret wird nicht durch eine militärische Meisterleistung oder einen diplomatischen Triumph aufgehoben, sondern durch etwas, das schwerer zu erklären ist: eine Reihe von scheinbar zufälligen Ereignissen, die für sich genommen unbedeutend sind, aber zusammen etwas ergeben, das man nur als Wunder bezeichnen kann.

Die Zufälle der Purimgeschichte

Esther wird Königin, nicht weil sie nach Macht strebte, sondern weil die vorherige Königin abgesetzt wurde, da sie sich dem Befehl des Königs widersetzt hatte. Esthers Onkel Mordechai hört zufällig von einem Komplott zur Ermordung des Königs und meldet dies. Eine kleine Tat, die aufgezeichnet und dann vergessen wird, aber den späteren Lauf der Geschichte bedeutend beeinflusst. Haman, voller Wut über Mordechais Weigerung, sich vor ihm zu verbeugen, baut einen Galgen, um anschließend die Hinrichtung Mordechais zu beantragen.

Doch ausgerechnet in dieser Nacht kann der König nicht schlafen und befiehlt seinen Dienern, ihm aus den königlichen Chroniken vorzulesen. Diese schlagen zufällig genau die Stelle auf, an der von Mordechai die Rede ist, der dem König das Leben gerettet hat, eine Gunst, die nie zurückgezahlt wurde. Als Haman am nächsten Morgen erscheint, um Mordechais Tod zu fordern, fragt ihn der König hingegen, wie er Mordechai ehren könne. Am Ende führt Haman Mordechai in einer königlichen Feier durch die Straßen. Der Galgen, den er für Mordechai gebaut hatte, wird zum Instrument seiner eigenen Hinrichtung. Esther offenbart sich Ahasveros als Jüdin und kann so ihr Volk retten.

Die verborgene Hand Gottes

Das ist die verborgene Hand, auf die die Geschichte hinweist. Gottes Name kommt im Buch Esther nie vor. Aber die Struktur der Geschichte macht seine Präsenz unbestreitbar. Was wie ein Zufall aussieht, ist in Wirklichkeit alles andere als das. Venahafoch hu – „es wurde auf den Kopf gestellt“, heisst es über Purim. Die Verurteilten wurden zu Siegern. Alles, was dazu bestimmt war, die Juden zu vernichten, wurde zum Mechanismus ihrer Rettung.

Während Israel wieder mit Persien um sein Leben kämpft, erinnert sich das Volk an die Purimgeschichte und vertraut darauf, dass auch dieses Mal alles gut ausgehen wird.

Purim-Traditionen im aktuellen Krieg

Nach dem heutigen Fastentag „Esther“ finden am Abend öffentliche Lesungen aus dem biblischen Buch Esther (Megilla) statt. Am Morgen des Purim-Tages wird erneut aus der Megilla gelesen. In Jerusalem wird der Feiertag erst am Mittwoch begangen. Neben der Lesung des Buch Esther ist es Brauch, am Purimtag eine festliche Mahlzeit mit Familie und Freunden einzunehmen sowie kleine Geschenke an Freunde und Nachbarn zu übergeben.

Gemäß den Richtlinien des Heimatfrontkommandos sind derzeit jedoch alle öffentlichen Versammlungen, einschließlich in Synagogen, verboten. Das Verbot umfasst auch das Vorlesen der Megillat Esther in jeglicher Form außerhalb eines kleinen Rahmens in Privathäusern.

Aus diesem Grund haben einige führende Rabbiner Live-Lesungen über Zoom oder andere audiovisuelle Konferenztechnologien als ausreichend für die Erfüllung des religiösen Gebots anerkannt. Auch die Mahlzeiten sollen in kleinem Rahmen begangen werden.

Titelbild: Feiernde Kinder an Purim. Foto: Erik Marmor/Flash90

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