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Hamas nutzt Schatten des Iran-Konflikts für Macht-Comeback in Gaza

JERUSALEM, 17.03.2026 (NH) – Während der Fokus der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) und der internationalen Öffentlichkeit derzeit vor allem auf dem israelisch-amerikanischen Krieg gegen das Mullahregime im Iran sowie auf den militärischen Auseinandersetzungen mit der Hisbollah im Libanon liegt, nutzt die Hamas die Situation offenbar gezielt, um ihre Kontrolle im Gazastreifen schrittweise wiederherzustellen. Berichten zufolge füllt die Terrororganisation das Machtvakuum in Gebieten, die nicht direkt von der IDF kontrolliert werden, und baut ihre Präsenz auf den Straßen systematisch aus.

Rückkehr der bewaffneten Präsenz und zivile Einschüchterung

Augenzeugen aus dem Gazastreifen berichten, die Hamas habe ihre Kämpfer in einem unerwarteten Ausmaß neuformiert. Insbesondere die zentrale Salah a-Din-Straße sei wieder „voll von Hamas-Kämpfern“. Die Rückkehr zur offenen Machtdemonstration der Terrororganisation geht mit einem brutalen Vorgehen gegen interne Kritiker einher. So wurde beispielsweise berichtet, dass Hamas-Terroristen das Zelt eines Mannes stürmten, der die Organisation auf Facebook kritisiert hatte, ihn zusammenschlugen, ihm in das Bein schossen und ihn anschließend verhafteten.

Neben der militärischen Einschüchterung hat die Hamas auch ihre zivilen Strukturen reaktiviert. Etwa 25 lokale Behörden und zahlreiche Regierungsbüros haben ihren Betrieb unter der Leitung der Organisation wieder aufgenommen. Die Terrorgruppe setzt zudem auf ein regionales Polizeisystem, um die öffentliche Ordnung nach ihren Vorstellungen zu erzwingen.

Finanzielle Ausbeutung und militärische Aufrüstung

Um den Wiederaufbau zu finanzieren, hat die Hamas ihre Erpressungs- und Steuernetzwerke wieder in Gang gesetzt. Einwohner berichten von drastischen Steuererhöhungen und der Beschlagnahmung von Waren, die anschließend an Verbündete der Organisation verteilt werden. Dies hat dazu geführt, dass die Preise für Grundnahrungsmittel in den letzten Wochen teilweise um das Dreifache gestiegen sind. Laut Anwohnern fließen diese Gelder jedoch nicht in die öffentliche Infrastruktur, sondern werden von hochrangigen Funktionären für Zahlungen an ranghohe Beamte sowie die Wiederbewaffnung des militärischen Flügels verwendet. Gleichzeitig berichten Einwohner, viele Palästinenser im Gazastreifen hätten die Hoffnung auf eine alternative Führung – etwa durch ein technokratisches Komitee, wie es im Plan von US-Präsident Donald Trump vorgesehen ist – weitgehend aufgegeben.

Geheimdienstberichte zufolge nutzt die Hamas die relative Ruhe an der Gaza-Front, um neue Kämpfer zu rekrutieren, Raketen zu produzieren und beschädigte Tunnel zu reparieren oder über Umgehungsrouten neu zu verbinden. Zugleich ist die Zahl der täglich in den Gazastreifen einfahrenden Hilfsgüter-Lkw nach Angaben von Beobachtern deutlich gesunken – von rund 600 auf etwa 200 Fahrzeuge. Grund dafür sei unter anderem die Bedrohung durch iranische Raketenangriffe auf Grenzübergänge. Ein akuter Versorgungsengpass wird jedoch derzeit noch nicht gemeldet. Nach Angaben der Handelskammer reichen die vorhandenen Vorräte für etwa sechs Monate. Dennoch erschwert die politische Lage – insbesondere die Verantwortung der USA für die Verwaltung von Gebieten im westlichen Gazastreifen im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens – den Handlungsspielraum der israelischen Armee gegen das Wiedererstarken der Hamas.

Titelbild: Palästinensische Hamas-Kämpfer beten während einer antiisraelischen Militärdemonstration im südlichen Gazastreifen. Foto: Abed Rahim Khatib / Flash90

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