
Terror kennt keine Staatsangehörigkeit
von Alon David
JERUSALEM, 17.03.2026 – Israels Präsident Isaac Herzog hat im Präsidentensitz in Jerusalem Bernie Galsim Lavarias getroffen, den Witwer der philippinischen Pflegekraft Mary Ann De Vera. Sie arbeitete in Tel Aviv und wurde bei einem iranischen Raketenangriff tödlich verletzt, als sie versuchte, ihre ältere Arbeitgeberin in Sicherheit zu bringen. Lavarias, der ebenfalls in Israel lebt, traf den Präsidenten gemeinsam mit der philippinischen Botschafterin, um die Anteilnahme des israelischen Staates entgegenzunehmen.

Mary Ann arbeitete als Pflegekraft in Tel Aviv. Als iranische Raketen auf die Stadt einschlugen, versuchte sie noch, die ältere Frau zu schützen, um die sie sich kümmerte. Sie rettete ihr das Leben – und bezahlte dafür mit ihrem eigenen. „Mary Ann war ein Engel. Sie war eine Heldin“, sagte Präsident Herzog in dem Gespräch.„So viele Israelis waren zutiefst erschüttert über ihren Verlust.“
Die Geschichte dieser Frau steht exemplarisch für eine Wahrheit, die außerhalb Israels oft übersehen wird: Der Terror, der Israel trifft, trifft längst nicht nur Israelis.
Opfer ohne jede Verbindung zum Konflikt
In der internationalen Debatte wird der Krieg gegen Israel oft als „Nahostkonflikt“ beschrieben – als ein regionaler Streit zwischen zwei Seiten. Doch diese Darstellung verschleiert eine Realität: Terror trifft Menschen, die mit diesem Konflikt nichts zu tun haben.
Ein Beispiel ist Carolin Bohl, eine Deutsche aus Niedersachsen.

Sie besuchte Kibbuz Nir Oz im Süden Israels. Am 7. Oktober 2023 drangen Hamas-Terroristen in die Gemeinde ein. Sie ermordeten Familien in ihren Häusern, entführten Menschen in den Gazastreifen und zerstörten ganze Orte.
Carolin Bohl gehörte zu den Ermordeten. Sie war keine Soldatin, keine Politikerin, keine Aktivistin. Sie war einfach eine junge Frau, die in Israel zu Besuch war.
Ein Student aus Nepal
Auch Bipin Joshi hatte mit geopolitischen Konflikten nichts zu tun.

Der Student aus Nepal war Teil eines landwirtschaftlichen Austauschprogramms. Er kam nach Israel, um moderne Agrartechnologie zu lernen – Wissen, das er später in seiner Heimat anwenden wollte. Am 7. Oktober wurde er von Hamas-Terroristen entführt. Monate später bestätigte sich das Schlimmste: Bipin Joshi wurde in der Geiselhaft in Gaza getötet. Seine Familie wartete monatelang auf Nachrichten. Am Ende kehrte nur sein Leichnam nach Nepal zurück.
Die unsichtbaren Opfer
Auch die philippinische Gemeinschaft in Israel kennt diese Realität. Die philippinische Botschafterin Aileen Mendiola erinnerte beim Treffen mit Präsident Herzog daran, dass bereits am 7. Oktober mehrere philippinische Staatsbürger getötet wurden. Zwei weitere wurden damals als Geiseln verschleppt.
Viele dieser Menschen arbeiten als Pflegekräfte. Sie kümmern sich um ältere Israelis, begleiten sie im Alltag und werden sehr oft Teil der Familien, bei denen sie leben. „Viele bleiben trotzdem“, sagte die Botschafterin. „Weil sie sich als Partner und als Teil der Familie sehen.“
Diese Geschichten haben eine gemeinsame Botschaft:
Der Terror, der Israel trifft, unterscheidet nicht zwischen Israelis und Ausländern, nicht zwischen Religionen oder Nationalitäten.
Er trifft Pflegekräfte aus den Philippinen.
Studenten aus Nepal.
Freiwillige aus Europa.
Und israelische Familien.
Die Vorstellung, dieser Terror richte sich nur gegen Israel oder sei Teil eines „lokalen Konflikts“, ist eine Illusion.
Mehr als ein „Nahostkonflikt“
Der 7. Oktober hat gezeigt, dass der Terror der Hamas Menschen aus der ganzen Welt trifft. Unter den Opfern waren Staatsbürger aus Deutschland, Thailand, Nepal, den USA, Frankreich, Argentinien und vielen weiteren Ländern. Viele von ihnen waren einfach nach Israel gekommen – um zu arbeiten, zu studieren oder zu helfen.
Die Geschichten von Mary Ann De Vera,Carolin Bohl und Bipin Joshi machen deutlich:
Hier geht es nicht um einen regionalen Konflikt.
Es geht um Terror. Und Terror kennt keine Grenzen.
Titelbild: Israels Präsident Isaac Herzog trifft den Witwer Bernie Galsim Lavarias, dessen Ehefrau Mary Ann De Vera, eine philippinische Staatsbürgerin bei einem iranischen Raketenangriff auf Tel Aviv getötet wurde. Foto: GPO