
Iran setzte international geächtete Streumunition gegen Israel ein
Von Alon David
JERUSALEM, 31.03.2026 – Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat der Iran in den vergangenen Wochen mehrfach international geächtete Streumunition gegen israelische Städte eingesetzt. Die Angriffe richteten sich demnach gegen dicht besiedelte Wohngebiete im Zentrum des Landes und könnten nach Einschätzung der Organisation als Kriegsverbrechen gewertet werden.
Laut dem Bericht wurden seit Ende Februar mehrere Angriffe mit sogenannten Cluster-Bomben dokumentiert. Diese Waffen zerstreuen beim Einschlag zahlreiche kleine Sprengkörper über ein großes Gebiet. Ein Teil dieser Submunition explodiert sofort, viele bleiben jedoch als Blindgänger liegen und können noch lange nach dem Angriff Menschen töten oder schwer verletzen.
Nach bisherigen Erkenntnissen kamen mindestens vier Zivilisten ums Leben. Zwei Bauarbeiter wurden bei einem Einschlag nahe Tel Aviv getötet, ein älteres Ehepaar starb bei einem Angriff in Ramat Gan. Weitere Einschläge wurden unter anderem in Zentralisrael bei Bat Yam, Holon und Or Yehuda dokumentiert.
Gefährliche Blindgänger in Wohngebieten
Für ihre Untersuchung wertete Human Rights Watch Videoaufnahmen, Fotos von Einschlagsorten sowie Aussagen von Augenzeugen aus. Experten identifizierten dabei charakteristische Fragmente der verwendeten Munition, die auf Streubomben hinweisen.

Die Organisation warnt, dass die nicht detonierten Sprengkörper besonders gefährlich sind. Sie können jahrelang im Boden oder zwischen Gebäuden liegen bleiben und bei Berührung explodieren – ein Risiko, das aus Konflikten etwa im Libanon oder in Syrien bekannt ist.
Der Einsatz dieser Waffen ist international stark umstritten, weil sie große Flächen treffen und kaum zwischen militärischen Zielen und Zivilisten unterscheiden. Mehr als hundert Staaten haben ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet, das Produktion, Lagerung und Einsatz von Streumunition verbietet.
Die Angriffe stehen im Zusammenhang mit der aktuellen Eskalation zwischen Israel und dem Iran, nachdem Israel und die USA Ende Februar militärische Operationen gegen iranische Ziele begonnen hatten. Seitdem feuert Teheran wiederholt Raketen und Drohnen auf israelisches Territorium.
Human Rights Watch forderte den Iran auf, den Einsatz dieser Waffen sofort zu beenden und internationale Regeln des Kriegsrechts einzuhalten. Gleichzeitig warnte die Organisation, dass die Gefahr für Zivilisten noch lange bestehen könnte, solange Blindgänger in Wohngebieten liegen.
Frühere Warnungen vor Streubomben
Bereits Anfang März haben wir über den Einsatz solcher Streubomben berichtet. Damals warnten israelische Behörden die Bevölkerung ausdrücklich davor, verdächtige Metallteile oder nicht detonierte Sprengkörper zu berühren und sich strikt an die Sicherheitsanweisungen des Heimatschutzes zu halten. Streumunition zerlegt sich beim Einschlag in zahlreiche kleine Sprengkörper, von denen viele zunächst nicht explodieren und noch lange eine Gefahr darstellen können, besonders in dicht besiedelten Wohngebieten.
Den damaligen Bericht finden Sie hier: Iran setzt Streubomben ein: Warnung an die Bevölkerung, sich stets an die Sicherheitsanweisungen zu halten
Titelbild: Eine aus dem Iran abgefeuerte ballistische Rakete am Himmel über Israel während der anhaltenden Raketenangriffe, bei denen laut Berichten auch Streumunition eingesetzt wurde, im Krieg zwischen Israel und dem Iran, März 2026. Foto: Yonatan Sindel/Flash90.