
Getreidestreit eskaliert – Selenskyj droht Israel mit Sanktionen wegen „gestohlener“ Fracht
HAIFA, 29.04.2026 (NH) – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Israel wegen des mutmaßlichen Imports von Getreide aus „russisch besetzten Gebieten“ kritisiert und mit Konsequenzen gedroht. Auslöser ist die Ankunft des russischen Frachters „Abinsk“ im Hafen von Haifa, der nach Angaben aus Kiew rund 44.000 Tonnen mutmaßlich gestohlenen ukrainischen Weizen aus der besetzten Krim geladen haben soll.
Vorwürfe und Drohungen aus Kiew
Selenskyj erklärte, der Erwerb von Diebesgut ziehe in jedem „normalen Land“ rechtliche Konsequenzen nach sich. Er warf Russland vor, Getreide in besetzten Gebieten systematisch zu beschlagnahmen und über mit der „Besatzungsmacht“ verbundene Akteure zu exportieren. Die israelischen Behörden könnten nicht ignorieren, welche Schiffe ihre Häfen anlaufen und welche Fracht sie transportieren, so Selenskyj. Solche Geschäfte verstießen gegen internationales Recht sowie gegen israelische Gesetze. Die Ukraine habe diplomatische Kanäle genutzt, sehe jedoch, dass Schiffe wie die „Abinsk“ weiterhin nicht gestoppt würden.
Als Reaktion drohte Selenskyj der israelischen Regierung mit einem umfassenden Sanktionspaket. Die Maßnahmen sollen sich gegen Transportunternehmen sowie gegen Einzelpersonen und Firmen richten, die von dem mutmaßlich illegalen Handel profitieren. Zugleich wolle sich Kiew mit europäischen Partnern abstimmen, um entsprechende Akteure auch in EU-Sanktionsregime aufzunehmen.
Israel lehnt „Twitter-Diplomatie“ ab
Ein EU-Sprecher erklärte bereits, man habe sich wegen des Vorfalls an das israelische Außenministerium gewandt und verurteile Maßnahmen, die Russlands Krieg finanzieren könnten. Das israelische Außenministerium unter Gideon Sa’ar wies die Vorwürfe jedoch zurück und kritisierte die öffentliche Form der Kommunikation. Diplomatie zwischen befreundeten Staaten solle nicht über soziale Medien oder die Presse geführt werden, erklärte Sa’ar und sprach von „Twitter-Diplomatie“.
Israel handle als Rechtsstaat auf Grundlage von Beweisen, die die Ukraine bislang nicht über offizielle Kanäle vorgelegt habe. Der Fall werde jedoch von den zuständigen Behörden geprüft. Der Streit belastet die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter.
Titelbild: Schiffscontainer im Hafen von Haifa. Foto: Yaakov Naumi/Flash90