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Lag BaOmer im Schatten des Krieges – Unruhen am Berg Meron trotz Sicherheitsverbot

MERON, 05.05.2026 (NH) – Tausende gläubige Juden sind am Vorabend von Lag BaOmer trotz eines strikten Sicherheitsverbots zum Grab von Rabbi Schimon bar Jochai auf dem Berg Meron vorgedrungen. Israelische Polizei- und Grenzpolizeikräfte versuchten erfolglos, Hunderte Menschen aus dem Gebiet zu evakuieren, da die Gefahr durch den anhaltenden Konflikt mit der Hisbollah im Norden Israels als zu hoch eingestuft wurde. Die Ereignisse werfen erneut die Frage auf, warum Gläubige bereit sind, sich trotz akuter Sicherheitsrisiken auf den Weg zu einem der bedeutendsten religiösen Orte des Landes zu machen.

Polizeieinsatz und Eskalation an den Absperrungen

Die israelische Regierung hatte die traditionelle Großveranstaltung zu Lag BaOmer bereits zu Wochenbeginn abgesagt. Die Behörden betonten wiederholt, ein Aufenthalt im Berggebiet ohne Genehmigung, entsprechend den Anweisungen des Heimatfront-Kommandos, stelle eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Dennoch strömten am Vortag Zehntausende orthodoxe Juden in Richtung des Berges. Zwar richteten Sicherheitskräfte zahlreiche Kontrollpunkte auf den Zufahrtswegen ein, doch erreichten nach Schätzungen der Polizei bereits in den Morgenstunden rund 20.000 Menschen die Grabstätte zu Fuß über offene Felder und abgelegene Wege.

Vereinzelt kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und Gläubigen. Zugleich lobte Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir am Montagabend das „sanfte“ Vorgehen der Polizei und rief die Öffentlichkeit auf, nicht nach Meron zu reisen. Tatsächlich fiel der Umgang mit Regelverstößen deutlich milder aus als vor zwei Jahren, als die Polizei Pfefferspray einsetzte, Warnschüsse abgab und ältere Gläubige zu Boden stieß.

Rabbi Schimon bar Jochai und die Wurzeln der Tradition

Der Berg Meron gilt als einer der heiligsten Orte des Judentums. Er wird als Begräbnisstätte von Rabbi Schimon bar Jochai verehrt, einem Gelehrten des 2. Jahrhunderts, der in der jüdischen Tradition eine zentrale Rolle spielt. Ihm wird häufig die Autorschaft des Sohar zugeschrieben, dem grundlegenden Werk der Kabbala, auch wenn dies unter Historikern umstritten ist. Rabbi Schimon bar Jochai, oft als „Rashbi“ bezeichnet, gilt als Symbolfigur für spirituelle Standhaftigkeit und mystische Erkenntnis. Überlieferungen zufolge verbrachte er Jahre im Verborgenen, um religiöser Verfolgung zu entgehen, und widmete sich in dieser Zeit intensiv dem Studium der Thora und ihren verborgenen Bedeutungen. Seine Lehren prägten maßgeblich die spätere Entwicklung der jüdischen Mystik. Neben Rashbi befinden sich auf dem Berg Meron auch die Gräber weiterer bedeutender Gelehrter wie Hillel der Ältere und Schammai.

Auch im ultraorthodoxen Jerusalemer Stadtviertel Mea Schearim feierten Gläubige das jüdische Fest Lag BaOmer. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Bedeutung von Lag BaOmer und religiöse Bräuche

Lag BaOmer, der 33. Tag der Omer-Zählung zwischen Pessach und Schawuot, markiert traditionell eine Unterbrechung einer Trauerperiode. Religiösen Überlieferungen zufolge endete an diesem Tag eine verheerende Seuche unter den Schülern von Rabbi Akiva. Gleichzeitig wird der Todestag von Rashbi als „Hillula“, ein freudiges Gedenken, begangen. Zentrales Element des Festes ist das Entzünden großer Freudenfeuer, die symbolisch für das „Licht der Thora“ stehen, das Rashbi durch seine Lehren in die Welt gebracht haben soll. Legenden berichten, dass an seinem Todestag ein übernatürliches Feuer sein Haus umgab, während er seinen Schülern tiefste mystische Einsichten offenbarte.

In normalen Jahren gilt die Feier am Meron als größte religiöse Massenveranstaltung Israels, bei der bis zu eine Million Menschen zusammenkommen, um zu beten, zu singen und zu tanzen. Dazu gehört auch die traditionelle „Chalaka“, der erste Haarschnitt für dreijährige Jungen. In diesem Jahr riefen Rabbiner und Behörden jedoch dazu auf, die Feierlichkeiten angesichts der Sicherheitslage dezentral in Gemeinden und Privathaushalten zu begehen.

Titelbild: Der Großrabbiner der Boyan (chassidische Dynastie) entzündet während der Lag-BaOmer-Feierlichkeiten am 4. Mai 2026 in Meron das traditionelle Feuer. Foto: David Cohen/Flash90

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