
Israels Antwort auf Hisbollahs Drohnenterror – Neue Drohnenfabrik setzt auf ultraorthodoxe Soldaten
JERUSALEM, 13.05.2026 (NH) – Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch anhaltende Drohnenangriffe der libanesischen Hisbollah-Terrormiliz im Norden Israels hat die israelische Armee (IDF) beschlossen, ihre eigenen Kapazitäten massiv auszubauen. Um die Abhängigkeit von kostspieligen Importen zu reduzieren und schneller auf die Bedrohung reagieren zu können, errichtet die IDF derzeit eine eigene Fabrik zur Massenproduktion sogenannter „First-Person-View“-Drohnen (FPV-Drohnen). Betrieben werden soll die Anlage von rund 200 ultraorthodoxen Soldaten.
Lautlose Hisbollah-Drohnen werden zur wachsenden Gefahr
Die Hisbollah setzt zunehmend auf hochpräzise FPV-Drohnen mit Sprengsätzen, die teilweise über Glasfaserkabel gesteuert werden. Diese Technologie stellt Israels Verteidigungssysteme vor erhebliche Herausforderungen. Da die Steuerung nicht über klassische Funksignale erfolgt, sind die Drohnen weitgehend immun gegen elektronische Störmaßnahmen („Jamming“), die üblicherweise zur Abwehr eingesetzt werden.
Sicherheitsexperten beschreiben die Bedrohung als technologisch simpel, aber operativ äußerst schwer zu bekämpfen. Die Drohnen haben bereits zahlreiche Opfer gefordert und israelische Frühwarn- sowie Abwehrsysteme wiederholt umgangen. Herkömmliche Flugabwehrsysteme gelten gegen die kleinen und wendigen Flugobjekte häufig als zu teuer oder nur eingeschränkt effektiv. Das israelische Verteidigungsministerium sah sich daher gezwungen, neue und schnell verfügbare Lösungen zu entwickeln.
Tausende Drohnen „Made in Israel“ geplant
Bislang bezog das israelische Militär FPV-Drohnen überwiegend von externen Anbietern, wobei zahlreiche Komponenten aus China stammten. Die Kosten lagen dabei teils bei mehreren tausend Schekel pro Einheit. Die neue Fabrik, die unter Leitung der Direktion für Technologie und Logistik aufgebaut wird, soll diesen Prozess grundlegend verändern. Ziel ist eine schnelle, kostengünstige und vollständig unabhängige Produktion im Inland. Auch das Personalkonzept gilt als ungewöhnlich. Rund 200 ultraorthodoxe Soldaten sollen bereits ab Juni ihren Dienst antreten, nachdem sie eine spezielle technische Ausbildung absolviert haben. Sie werden als Monteure und Produktionsmitarbeiter eingesetzt und sollen sicherstellen, dass die Fabrik bereits innerhalb weniger Monate mehrere tausend Drohnen pro Monat herstellen kann. Langfristig strebt die IDF eine Produktionskapazität von zehntausenden Einheiten monatlich an.
Die neuen Drohnen „Made in Israel“ sollen dabei gleich mehrere Aufgaben erfüllen. Einerseits sollen sie präzise Angriffe auf feindliche Ziele ermöglichen, andererseits auch als Abfangdrohnen eingesetzt werden, um gegnerische Flugobjekte durch gezielte Kollisionen in der Luft auszuschalten. Parallel zur neuen Drohnenfabrik setzt die IDF zudem auf weitere Technologien, darunter intelligente Zielfernrohre des Typs „Pigeon“, die die Trefferquote israelischer Soldaten beim Abschuss feindlicher Drohnen deutlich erhöhen sollen.
Titelbild: Eine Drohnenstaffel der israelischen Streitkräfte trainiert mit unbemannten Fluggeräten nahe der syrischen Grenze auf den Golanhöhen. Foto: Michael Giladi/Flash90