
Unablässige Hisbollah-Drohnenangriffe zwingen Israel zum Handeln: IDF rückt über Sicherheitszone hinaus vor
JERUSALEM 27.05.2026 (LS) – Während die Verhandlungen um ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran weitergehen, hat Israel im Libanon die Gangart deutlich verschärft: Die israelische Armee (IDF) hat ihre Bodenoperationen über die bisherige Sicherheitszone hinaus ausgeweitet und über 100 Luftangriffe im Bekaa-Tal und im Süden des Landes durchgeführt. Premierminister Benjamin Netanjahu berief das Sicherheitskabinett ein, um die neue Lage zu erörtern. Auslöser ist eine dramatische Eskalation von Drohnenangriffen durch die Hisbollah .
Umfangreicher Hisbollah-Drohnenangriff – auch nachts keine Ruhe
Die Hisbollah startete am Dienstag den bisher größten und koordiniertesten Drohnenangriff gegen Israel. Der Angriff erfolgte in zwei Wellen: In der ersten wurden zwei Drohnen auf IDF-Kräfte im Südlibanon abgefeuert, zwei weitere auf ein Ziel an der Nordgrenze. Weniger als eine Stunde später folgte eine zweite, noch stärkere Welle auf dasselbe Ziel – mehrere Drohnen kreisten minutenlang über dem Gelände und suchten den optimalen Einschlagpunkt. Ein israelischer Sicherheitsvertreter bezeichnete den Angriff gegenüber i24NEWS als „den gewaltigsten Drohnenangriff gegen Israel bisher.“
Die Angriffe beschränken sich längst nicht mehr auf den Tag. Hisbollah operiert systematisch auch nachts mit Sprengstoffdrohnen – und nutzt dabei die Dunkelheit, um die israelische Luftabwehr zu erschweren. Dafür verwendet die Hisbollah Berichten zufolge Nachtsicht-Technologie. Die FPV-Drohnen, die mit Glasfaserkabel gesteuert werden und daher kaum durch elektronische Gegenmaßnahmen zu stoppen sind, haben sich als eine der gefährlichsten neuen Waffen in diesem Konflikt erwiesen. Die IDF veröffentlichte heute Morgen die Eliminierung eines Drohnen-Operateurs der Hisbollah.

Finanzminister Smotrich forderte: „Israel muss der Bedrohung durch Hisbollah-Sprengdrohnen ein Ende setzen – für jede Sprengdrohne sollen zehn Gebäude in Beirut fallen.“ Der Nationale Sicherheitsminister Ben Gvir rief Netanjahu dazu auf, Trump anzurufen und „auf den Tisch zu hauen“.
Am frühen Mittwochmorgen wurde eine Rakete von libanesischem Gebiet auf Nordisrael abgefeuert. Sie fiel jedoch auf unbewohntes Gebiet.
IDF rückt vor – Washington unterstützt, aber nicht bis Beirut
Netanjahu gab bekannt, Israel „intensiviere die Operationen“ im Libanon und nehme strategische Stellungen ein. Die 146. Division hat bei den ausgeweiteten Bodenoperationen in den vergangenen Tagen Stellungen erreicht, von denen aus die Hisbollah bislang Angriffe auf Israel starten konnte – darunter das Kap Ras al-Bayada südlich von Tyros, rund acht Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Netanjahu deutete an, Israel könne einige dieser neuen Positionen dauerhaft halten, um die Sicherheitszone zu vergrößern.
Washington hat Israels Pläne zur Ausweitung der Kämpfe im Libanon grundsätzlich genehmigt – mit einer klaren Einschränkung: keine Angriffe auf Beirut, solange die US-Iran-Verhandlungen laufen. US-Botschafter Mike Huckabee unterrichtete das Weiße Haus Montagnacht über Israels Absichten. Die amerikanische Botschaft war unmissverständlich: „Bringt keine Gebäude in Beirut zum Einsturz.“
Netanjahu berief am Dienstagabend eine Vollsitzung des Sicherheitskabinetts ein und hielt anschließend im Kirya-Hauptquartier in Tel Aviv eine Lagekonsultation mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Eyal Zamir ab. Dies signalisiert: Israel lässt sich von einem möglichen Iran-Deal nicht davon abhalten, seine Nordgrenze zu sichern – notfalls auch ohne Rückendeckung aus Washington.
Titelbild: Israelische Truppen im Südlibanon. Foto: IDF