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Yad Vashem eröffnet erstes Bildungszentrum außerhalb Israels in München

von Alon David

JERUSALEM, 29.05.2026 – Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem eröffnet erstmals ein Bildungszentrum außerhalb Israels. Hauptstandort wird München, zusätzlich soll in Leipzig eine Außenstelle entstehen. Die Entscheidung gilt als historischer Schritt in der deutsch-israelischen Erinnerungsarbeit – und kommt in einer Zeit, in der Antisemitismus, Geschichtsverzerrung und Holocaust-Relativierung in Europa wieder deutlich zunehmen.

Das neue Zentrum soll nicht einfach ein weiteres Museum werden, sondern ein Ort der Bildung, Fortbildung und Begegnung. Im Mittelpunkt stehen die Opfer des Holocaust, ihre Stimmen, ihre Geschichten und ihre Perspektive. Schüler, Lehrkräfte, Behörden, Polizei, Justiz, Verwaltung und weitere gesellschaftliche Gruppen sollen dort künftig mit der pädagogischen Arbeit von Yad Vashem in Berührung kommen.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erinnert an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Foto: Yad Vashem
Ein symbolischer Ort in München

Der Standort in München ist historisch hoch aufgeladen. Das Bildungszentrum soll am Karolinenplatz entstehen – in einem Viertel, das eng mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden ist. In unmittelbarer Nähe befanden sich zentrale Einrichtungen der NSDAP, darunter das sogenannte „Braune Haus“, die frühere Parteizentrale der Nationalsozialisten.

Dass ausgerechnet dort künftig ein Bildungszentrum der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte arbeiten soll, macht die Entscheidung besonders symbolträchtig. München war einst ein Zentrum der nationalsozialistischen Bewegung. Nun soll dort ein Ort entstehen, der aus israelischer Perspektive an die Vernichtung der europäischen Juden erinnert und gegen das Vergessen arbeitet.

Yad Vashem hatte zuvor mehrere Standorte in Deutschland geprüft. Neben Bayern waren auch Nordrhein-Westfalen und Sachsen im Gespräch. Am Ende fiel die Entscheidung auf München als Hauptstandort und Leipzig als ergänzende Außenstelle.

Söder: „Was für eine Ehre!“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder begrüßte die Entscheidung ausdrücklich. In einem Beitrag auf X schrieb er, Yad Vashem komme nach Bayern. Es sei eine große Ehre, dass die israelische Holocaust-Gedenkstätte ihr erstes internationales Bildungszentrum in München eröffne.

Söder betonte, jüdisches Leben gehöre fest zu Bayern. „Nie wieder“ sei nicht nur ein Satz, sondern ein Auftrag zum Handeln. Bayern werde, so Söder, für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein.

Die Entscheidung wird auch als Zeichen der engen Beziehungen zwischen Bayern, der jüdischen Gemeinde und Israel verstanden. Gerade vor dem Hintergrund wachsender antisemitischer Vorfälle in Deutschland soll das Zentrum künftig einen Beitrag leisten, historische Bildung stärker mit konkreter Gegenwartsverantwortung zu verbinden.

Leipzig als Brücke nach Osteuropa

Neben München soll auch Leipzig eine wichtige Rolle übernehmen. Dort ist eine Außenstelle geplant, die vor allem interaktive Lernräume schaffen und Angebote für junge Menschen sowie Pädagogen entwickeln soll. Leipzig soll dabei auch als Brücke nach Mittel- und Osteuropa wirken – insbesondere in Richtung Polen und Tschechien.

Damit entsteht in Deutschland eine neue Struktur der Holocaust-Bildung: München als zentraler Standort, Leipzig als ergänzender Ort mit eigenem regionalem und internationalem Schwerpunkt. Beide Einrichtungen sollen eng zusammenarbeiten.

Ein Auftrag an Deutschland

Dass Yad Vashem ausgerechnet in Deutschland sein erstes Bildungszentrum außerhalb Israels eröffnet, ist ein starkes Zeichen. Es zeigt Vertrauen – aber auch Erwartung. Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für die Erinnerung an die Shoah. Diese Verantwortung endet nicht mit Gedenkreden, Kranzniederlegungen oder Jahrestagen.

Sie muss sich im Alltag beweisen: in der Schule, in der öffentlichen Debatte, im Umgang mit jüdischem Leben und im Kampf gegen Antisemitismus – egal, ob er von rechts, links, islamistisch oder aus der gesellschaftlichen Mitte kommt.

Das neue Yad-Vashem-Bildungszentrum in München kann dafür ein wichtiger Ort werden. Nicht als Ersatz für bestehende Gedenkstätten, sondern als Ergänzung: mit israelischer Expertise, jüdischer Perspektive und dem klaren Anspruch, die Stimmen der Opfer in den Mittelpunkt zu stellen.

Für Deutschland ist diese Entscheidung deshalb nicht nur eine Ehre. Sie ist auch eine Verpflichtung.

Titelbild: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erinnert an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Foto: Yad Vashem

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