
„Magen 48″: Nir Oz trainiert neue Freiwilligen-Schutztruppe zur Verhinderung eines weiteren 7. Oktober
JERUSALEM 31.05.2026 (LS) – Im Kibbuz Nir Oz an der Gazagrenze trainiert eine neue Generation junger Freiwilliger, um ihre Gemeinde zu schützen – ausgebildet von einer Organisation, die ihren Namen von 48 Kibbuz-Sicherheitskräften ableitet, die am 7. Oktober ihr Leben ließen.
Eine Gemeinde zwischen Erinnerung und Wiederaufbau
Nir Oz war eines der am schwersten getroffenen Kibbuzim des Massakers vom 7. Oktober. Von damals 386 Bewohnern wurden 69 getötet – 47 direkt am Angriffstag, weitere später als Geiseln in Gaza. 76 Menschen wurden entführt.
Das Sicherheitsteam des Kibbuz, die sogenannte „Kitat Konenut“, zählte am 7. Oktober neun Mitglieder – vier von ihnen wurden getötet. Diese neun Männer standen einem Angriff von geschätzt 450 Terroristen gegenüber. Heute ist die Gemeinde dabei, sich neu aufzubauen – und neue Bewohner ziehen ein. Doch Rückkehr ohne Sicherheitsgefühl ist unmöglich. Genau hier soll die neue Sicherheitstruppe „Magen 48“ („Schutzschild 48“) ansetzen.

„Magen wurde gegründet, um den nächsten 7. Oktober zu verhindern“
Die Organisation Magen 48 wurde von Ehud Dribben mitgegründet, einem erfahrenen Sicherheitsexperten, der seit Jahrzehnten israelische Gemeinden ausbildet. Ihr Name erinnert an die 48 Mitglieder von Sicherheitstrupps, die am 7. Oktober fielen. „Am 7. Oktober habe ich gesehen: Die Gemeinden, die gut ausgebildete Sicherheitsteams hatten, haben überlebt. Die ohne wurden ausgelöscht“, so Dribben. „Meine Lebensaufgabe ist es, jede Stadt, jedes Dorf, jeden Ort in Israel zu trainieren, damit sie bereit sind, wenn der nächste 7. Oktober kommt.“

Mitgründer Ari Briggs zieht eine klare Lehre aus dem Massaker: „Wir haben am 7. Oktober gelernt, dass wir nicht auf Hilfe warten können. Wir müssen uns selbst helfen.“ Magen 48 hat bislang 67 Gemeinden und 1.500 lokale Sicherheitskräfte ausgebildet und baut derzeit ein nationales Trainingszentrum für Freiwilligen-Sicherheitsteams auf.
Das Trainingsprogramm umfasst acht Einheiten pro Jahr. Der Schwerpunkt liegt nicht auf Schießtraining, sondern auf Doktrin, Kommando und Kontrolle sowie Notfallreaktion – inklusive medizinischer Versorgung. „Der Schlüssel ist: Das ist kein Waffentraining, sondern Führung, Taktik, Zusammenarbeit“, erklärte Briggs. Konkret üben die Teams, sich blitzschnell in Zweiergruppen zu formieren, sich dann mit weiteren Mitgliedern zusammenzuschließen und bestimmte Bereiche der Gemeinde systematisch zu sichern.
Der neue Leiter des Sicherheitsteams in Nir Oz – nur als „Y“ identifiziert – ist selbst zugezogen und Teil des Wiederaufbaus. „Wir sind dabei, das Reaktionsteam neu zu rekrutieren und aufzubauen – und dabei jene zu ehren, die vor uns kamen“, erklärte er. Für ihn ist die Sicherheitsarbeit untrennbar mit der Rückkehr ins Leben verbunden: „Sobald die Menschen ein Gefühl von Sicherheit haben, werden sie zurückkommen.“
Titelbild: Das ausgebrannte Klavier von Oded Lifshitz im Kibbuz Nir Oz. Der 83-Jährige wurde während des Massakers vom 7. Oktober von der Hamas als Geisel genommen und in Gefangenschaft ermordet. Foto: Chaim Goldberg/Flash90