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Netanjahu weist Armee an: Israel soll 70 Prozent des Gazastreifens kontrollieren

JERUSALEM, 31.05.2026 (DR) – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Armee angewiesen, die israelische Kontrolle im Gazastreifen auf 70 Prozent auszuweiten. Das erklärte er am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Ein Prat Leadership Academy. Channel 12 strahlte entsprechende Aufnahmen aus.

„Wir kontrollieren nun 60 Prozent des Gebiets. Mein Auftrag lautet, auf 70 Prozent zu kommen“, so Netanjahu. Als ein Zuhörer 100 Prozent forderte, antwortete er: „Fangen wir erstmal mit 70 an.“

Das geht deutlich über die rund 53 Prozent hinaus, die Israel nach dem Waffenruheabkommen vom Oktober 2025 vorübergehend halten sollte. Karten, die das Militär im März herausgab, zeigen laut Reuters bereits ein erweitertes Kontrollgebiet von rund 64 Prozent des Gazastreifens.

Stockende Umsetzung der Waffenruhe

Das Waffenruheabkommen vom Oktober 2025, maßgeblich von den USA vermittelt, hatte nach zwei Jahren Krieg die Freilassung von Geiseln ermöglicht. Es sah einen weiteren Prozess vor: die Entwaffnung der Hamas und die Demilitarisierung des Gazastreifens. Israel sollte nach dem Abkommen vorübergehend rund 53 Prozent des Gebiets hinter der sogenannten „Gelben Linie“ kontrollieren.

Der Prozess hinter diesem Abkommen ist ins Stocken geraten. Hamas – die mit ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg ausgelöst hatte – weigert sich weiterhin, die Waffen niederzulegen. Israel setzt seine Militäroperationen in Gaza fort und begründet den militärischen Druck mit dem Ziel, Hamas zu entwaffnen und künftige Angriffe aus dem Gazastreifen zu verhindern.

Hamas verurteilte Netanjahus Ankündigung als „gefährliche Eskalation“. Ismail al-Thawabta, Leiter des Hamas-Medienbüros, warf Israel vor, eine „neue Realität der Besatzung“ schaffen zu wollen. Hamas-Sprecher Bassem Naim sprach von einem Verstoß gegen das Waffenruheabkommen.

UNICEF und europäische Staaten äußern Sorge

UNICEF-Sprecher Salim Oweis warnte, die mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen seien bereits auf rund 40 Prozent des Gebiets zusammengedrängt. Kinder leiden laut UNICEF unter Mangel an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Atemwegsinfektionen, akute Durchfallerkrankungen und Hauterkrankungen breiten sich aus. Eine weitere Ausweitung israelischer Kontrolle, so Oweis, werde den Zugang zu Hilfspunkten erschweren und mehr Kindern schaden.

Zur Frage der Hilfslieferungen hatte Fokus Jerusalem bereits über Angaben der israelischen Koordinationsstelle COGAT berichtet, die unter anderem Hilfslieferungen nach Gaza koordiniert. Nach COGAT-Angaben beschlagnahme Hamas Waren, besteuere Händler und kontrolliere Teile der Verteilung.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts lehnt Deutschland eine dauerhafte Teilung des Gazastreifens ab. Großbritannien erklärte, eine weitere Ausweitung israelischer Kontrolle sei nicht akzeptabel. Ein Sprecher von Trumps Friedensrat (Board of Peace) wollte Netanjahus Aussage nicht kommentieren.

Wie und wann Israel die angekündigte Ausweitung auf 70 Prozent konkret umsetzen will, blieb zunächst offen.

Titelbild: Palästinenser gehen an Gebäuden vorbei, die im jüngsten Krieg zerstört wurden, im Gebiet Jorat al-Luth zwischen Rafah und Khan Younis im südlichen Gazastreifen, 10. November 2025. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

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