
Staatskontrolleur Matanyahu Englman: Israel war auf 10.000 palästinensische Sicherheitsgefangene völlig unvorbereitet
JERUSALEM 10.06.2026 (LS) – Ein neuer Bericht des israelischen Staatskontrolleurs Matanyahu Englman enthüllt ein systemisches Versagen: Weder der Israelische Gefängnisdienst noch die israelische Armee (IDF) hatten auch nur annähernd geplant, was passiert, wenn über 10.000 palästinensische Sicherheitsgefangene gleichzeitig inhaftiert werden müssen. Die Konsequenzen dieses Versagens – rechtlich, logistisch und finanziell – werden Israel noch Jahre beschäftigen.
92 Prozent mehr Gefangene – und niemand hatte einen Plan
Während Israels Gegenoffensive auf die Hamas in Gaza stieg die Zahl palästinensischer Sicherheitsgefangener von Oktober 2023 bis Januar 2025 um 92 Prozent auf über 10.000, wie der Bericht des Staatsprüfers Matanyahu Englman ergab. Laut Englman war weder der Israelische Gefängnisdienst noch die IDF auch nur ansatzweise auf die Konsequenzen einer so massiven langfristigen Inhaftierung vorbereitet – es fehlten sogar theoretische Vorbereitungen.
Das ist umso erstaunlicher, als Premierminister Benjamin Netanjahu bereits im März 2024 eine interministerielle Sicherheitsdiskussion über den Mangel an Gefängnisplätzen für Sicherheitsgefangene abgehalten hatte, nachdem die IDF und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet eingeschätzt hatten, dass im Laufe des Jahres 2024 Tausende weitere Terroristen in Gaza und Judäa und Samaria verhaftet werden würden. Trotz dieser frühen Warnung blieb die Reaktion unzureichend.
Eine der folgenreichsten Auswirkungen der Krise war die Freilassung des Direktors des Al-Shifa-Krankenhauses, der sein Krankenhaus als Hamas-Kommandozentrale nutzen ließ, und von 18 weiteren Hamas-Terroristen, während israelische Geiseln weiterhin im Gazastreifen festgehalten wurden. Englman erklärte: „Die Tatsache, dass Häftlinge, die eine Gefahr für die Sicherheit Israels darstellten, freigelassen wurden, ohne den Ministerpräsidenten in Echtzeit darüber zu informieren, sollte streng beurteilt werden.“
Milliarden für Infrastruktur – Verfahren auf Eis
Das Verteidigungs- und das Finanzministerium erklärten, ein Rahmenbudget von über einer Milliarde Schekel (ca. 300 Millionen Euro) sei für die Jahre 2026 bis 2029 genehmigt worden, um die notwendige Infrastruktur zu errichten – darunter ein Gerichtskomplex, Staatsanwaltschaftsbüros und ein IDF-Hauptquartier. Doch bis diese Gebäude fertiggestellt, neue Militärstaatsanwälte und Militärrichter eingestellt sind, könnten Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Die Konsequenz: Laufende Verfahren werden voraussichtlich auf Eis gelegt.
Der israelische Gefängnisdienst teilte jedoch mit, erhebliche organisatorische Veränderungen vorgenommen zu haben, um besser auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein und enger in den übergeordneten nationalen Sicherheitsapparat eingebunden zu sein. Konkret seien seit Januar 2024 4.598 neue Zellen hinzugekommen. Im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen schrittweise weitere 2.472 neue Zellen für die Unterbringung von Gefangenen eröffnet werden.
Staatskontrolleur Englman, dessen Amtszeit nächsten Monat endet, erklärte: „Die Strafverfolgung von Hamas-Terroristen, die am 7. Oktober und während des Krieges ‚Eiserne Schwerter‘ Terroranschläge verübt haben, ist aus rechtlicher, ethischer und öffentlichkeitswirksamer Perspektive von entscheidender Bedeutung.“
Titelbild: Staatsprüfer und Ombudsmann Matanyahu Englman. Chaim Goldberg/Flash90