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„Ich habe eine Mission“ – Guy Gilboa-Dalal spricht über sexuelle Gewalt in Hamas-Gefangenschaft

JERUSALEM 21.06.2026 (LS) – Die freigelassene Geisel Guy Gilboa-Dalal hat in einem bewegenden Gespräch mit Israels First Lady Michal Herzog über den sexuellen Missbrauch gesprochen, den er während seiner zweijährigen Gefangenschaft im Gazastreifen erlitten hat. Sein Ziel: anderen Betroffenen Mut zu machen, ihr Schweigen zu brechen. Das Interview fand einen Tag vor dem Internationalen Tag zur Beseitigung sexueller Gewalt in Konflikten am Freitag statt.

„Du bist nicht allein“ – ein Überlebender erhebt seine Stimme

Gilboa-Dalal (25) war einer von 251 Menschen, die während des Massakers der Hamas am 7. Oktober 2023 entführt wurden. Im Gespräch mit Herzog schilderte er zwei separate Vorfälle, bei denen ihn einer seiner Bewacher zwang, sich auszuziehen, und ihn unter Morddrohungen sexuell missbrauchte. „Er fing an, meinen ganzen Körper zu berühren. Ich erstarrte. Ich konnte nichts tun. Er hielt mir ein Messer an die Kehle und sagte: Erzähl niemandem davon“, berichtete Gilboa-Dalal. Bei einem zweiten Vorfall wurde er mit verbundenen Augen gegen eine Wand gedreht und durfte sich nicht bewegen. Er berichtete, dass die Hamas-Terroristen ihn und seinen Mitgefangenen Omer Wenkert zu Boden warfen und begannen, auf sie einzuschlagen und zu treten. „Wir weinten und flehten ihn an, aufzuhören“, erzählte er.

„Nachdem er fertig war, brachte er mich unter die Dusche. Er packte mich an der Hand, warf mich auf die Couch, stellte sich hinter mich und begann, seine Genitalien an mir zu reiben. In solchen Momenten schaltete mein Verstand einfach ab. Jede Sekunde kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wollte nur, dass es endlich vorbei war. Ich konnte nichts tun, selbst wenn ich gewollt hätte. Ich war zu schwach.“

Guy Gilboa-Dalal in Hamas-Gefangenschaft. Foto: Screenshot Hamasvideo

Herzog hatte das Gespräch gesucht, nachdem die UN Israel in eine UN-Liste von Ländern, die mit sexueller Gewalt in Konflikten in Verbindung gebracht werden, aufgenommen wurde. Besonders aufgebracht habe sie, dass die UN-Beschreibung der Situation in Israel damit beginne, die Aussagen der zurückgekehrten Geiseln als unbestätigte „Behauptungen“ darzustellen, da die Vereinten Nationen sie nicht habe verifizieren können. „Deshalb sind wir hier“, so Herzog zu Gilboa-Dalal. „Damit du sagen kannst, was du durchgemacht hast.“

Eine von wenigen männlichen Stimmen – und ein Auftrag an sich selbst

Gilboa-Dalal gehört zu den wenigen männlichen ehemaligen Geiseln, die öffentlich über erlittene sexuelle Gewalt gesprochen haben. Auch die freigelassenen Geiseln Rom Braslavski und Keith Siegel berichteten über ähnliche Erfahrungen. Siegel und seine Frau Aviva hatten Ende 2025 vor dem UN-Ausschuss gegen Folter in Genf ausgesagt und das Gremium aufgefordert, sich an den von der israelischen Delegation vorgelegten Fakten zu orientieren – frei von politischer Voreingenommenheit.

Auf die Frage, warum er sich entschieden habe, offen über das erlittene Leid zu sprechen, antwortete Gilboa-Dalal, er empfinde es als seine Mission, seine Stimme zur Stärkung anderer Überlebender sexueller Gewalt zu nutzen. „Ich weiß, dass viele Menschen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, sich entscheiden, nicht darüber zu sprechen, und ich möchte, dass sie wissen: Sie sind nicht allein. Es ist niemals die Schuld des Opfers.“ Er fügte hinzu: „Ich möchte meine Stimme nutzen, um die Wahrheit über das zu verbreiten, was in Gaza geschah.“ In einem separaten kurzen Gespräch im Anschluss an das Treffen mit Herzog erklärte Gilboa-Dalal bezüglich der Vereinten Nationen mit Nachdruck: „Sie haben kein Recht zu sagen, was passiert ist oder nicht passiert ist – ich war dort, sie nicht.“

Mindestens sechs freigelassene Geiseln haben mittlerweile öffentlich von sexueller Gewalt während ihrer Gefangenschaft berichtet. Für Gilboa-Dalal ist das Sprechen über das Erlebte nicht nur persönliche Aufarbeitung, sondern ein bewusster Akt des Widerstands gegen das Verstummen – und gegen jeden Versuch, das Geschehene zu relativieren oder infrage zu stellen.

Titelbild: Die freigelassene Geisel Guy Gilboa-Dalal schwenkt die israelische Flagge bei seiner Ankunft im Beilinson-Krankenhaus am 13. Oktober 2025. Foto: Yossi Aloni/Flash90

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