
Neuer Bericht von „NGO Monitor“ beschreibt tief verwurzelten Antisemitismus bei „Ärzte ohne Grenzen“
JERUSALEM 06.07.2026 (LS) – Die israelische Organisation „NGO Monitor“ erhebt schwere Vorwürfe gegen „Ärzte ohne Grenzen“. In einem neuen Bericht heißt es, Antisemitismus, Antizionismus und Feindseligkeit gegenüber Israel seien innerhalb der Hilfsorganisation tief verwurzelt. Der Bericht dokumentiert interne Gespräche, Aussagen früherer Mitarbeiter und persönliche Erfahrungen jüdischer Beschäftigter bei „Ärzte ohne Grenzen“, international bekannt als Médecins Sans Frontières oder MSF.
Jüdische Mitarbeiter berichten von feindseliger Kultur
Ein zentrales Zeugnis stammt von Richard Rossin, dem früheren Generalsekretär von „Ärzte ohne Grenzen“. Er berichtete bereits im Juli 2024, die ideologische Voreingenommenheit gegen Israel sei etwa seit Beginn der 1980er Jahre erkennbar gewesen. „Der Antisemitismus innerhalb von MSF begann unter dem Deckmantel des Antizionismus“, erklärte Rossin. Diese Entwicklung lasse sich aus seiner Sicht nicht beheben. „Wie will man Antisemitismus heilen, der keine Meinung, sondern eine geistige Krankheit ist?“
Rossin erinnerte zudem an eine Mission in Uganda im Jahr 2010. Damals habe ein Team von MSF Holland sich geweigert, mit einer israelischen medizinischen Hilfsorganisation zusammenzuarbeiten, obwohl beide Gruppen dasselbe Ziel gehabt hätten: Zivilisten zu helfen. Rossin beschrieb dies als Beispiel für eine „einseitige Empathie“, bei der Vorurteile die Zusammenarbeit mit Israel verhindert hätten.
Auch Alain Destexhe, Arzt bei MSF in den 1980er Jahren und später Generalsekretär der Organisation, wird in dem Bericht zitiert. Er erklärte, „Ärzte ohne Grenzen“ im Gazastreifen stehe inzwischen „wirklich auf der Seite der Hamas und gegen Israel“. Die Organisation sei nicht mehr dieselbe wie vor 15 oder 20 Jahren. Sie sei „parteiisch und militant“ geworden. „MSF lügt, MSF ist parteiisch, MSF ist voreingenommen, und MSF ist Komplize der Hamas.“

Atmosphäre nach dem 7. Oktober
Besonders schwer wiegen die Berichte jüdischer Mitarbeiter nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Michael Goldfarb, der 15 Jahre bei „Ärzte ohne Grenzen“ in den USA tätig war, erzählte, europäische Kollegen hätten ihm gegenüber offen erklärt, Israel habe kein Existenzrecht. Er beschrieb eine Atmosphäre extremer ideologischer Verhärtung, in der Israel als Nazi-Staat dargestellt werde und Zionismus mit Nationalsozialismus gleichgesetzt werde. Es sei nichts Ernsthaftes unternommen worden, um Antisemitismus zu bekämpfen, jüdischen Mitarbeitern Solidarität zu zeigen oder Hass klar zu benennen. Dadurch sei ein Umfeld entstanden, in dem solche Haltungen wachsen konnten.
Auch Dr. Estrella Lasry, die von etwa 2011 bis 2025 als Beraterin im medizinischen Bereich am Genfer Hauptsitz von MSF tätig war, berichtete von einem Mangel an Mitgefühl gegenüber den Opfern in Israel. Sie habe die Kommunikation der Organisation als voreingenommen kritisiert. Daraufhin sei ihr in einer Sitzung vorgeworfen worden, Teil der „israelischen Propagandamaschine“ zu sein.
In internen Beiträgen in einem geschlossenen MSF-Mitarbeiterforum werde seit dem 7. Oktober der Kampf um Freiheit als Befreiung der Welt vom Zionismus beschrieben. Israel werde zudem als „76 Jahre alter Tatort“ bezeichnet. Auch Vorwürfe sexueller Gewalt gegen israelische Opfer durch palästinensische Terroristen würden in internen Beiträgen als Propaganda abgetan.
NGO Monitor wirft Ärzte ohne Grenzen vor, wiederholt gegen den eigenen Anspruch auf Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit verstoßen zu haben. Die NGO fordert grundlegende Veränderungen in Struktur, Führung und Personalpolitik sowie unabhängige Kontrollmechanismen.
Titelbild: Palästinenserinnen vor einer Klinik von „Ärzte ohne Grenzen“ im Krankenhauskomplex Nasser in Khan Yunis im südlichen Gazastreifen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90