
Israel setzt Rabbiner gegen iranische Spionageanwerbung ein
JERUSALEM, 20.07.2026 (DR) – Israelische Behörden beziehen Rabbiner und bekannte charedische (auf Deutsch: ultraorthodoxe) Medienschaffende in die Aufklärung über iranische Anwerbeversuche ein. Sie sollen ihrer Gemeinschaft vermitteln, wie iranische Agenten vorgehen und welche Gefahren hinter scheinbar harmlosen Aufträgen stehen können.
Die Initiative ist Teil umfassenderer israelischer Bemühungen, die Zusammenarbeit von Menschen in Israel mit dem iranischen Geheimdienst einzudämmen. Nach Polizeiangaben wurde inzwischen in mehr als 60 Fällen wegen mutmaßlicher Spionage für den Iran Anklage erhoben.
Die meisten Beschuldigten sind israelische Staatsbürger. Unter ihnen befinden sich jüdische und arabische Israelis, Religiöse und Säkulare sowie Soldaten. In einzelnen Fällen wurden auch ausländische Staatsangehörige angeworben, die sich mit einem Visum in Israel aufhielten. Nach einem Bericht der New York Times betreffen mindestens neun Fälle Angehörige der charedischen Gemeinschaft.
Vertraute Stimmen sollen Warnungen vermitteln
Israelische Stellen wandten sich unter anderem an Rabbiner Yigal Cohen, ein Mitglied des Rates des israelischen Oberrabbinats. Cohen veröffentlichte daraufhin eine Videobotschaft in den sozialen Medien. „Ich flehe euch an: Es gibt keine größere Entweihung des göttlichen Namens, als wenn ein toratreuer, religiöser Jude sein Volk verrät“, warnte er darin. Cohen bestätigte, Sicherheitsbehörden hätten ihn gezielt gebeten, seine Anhänger zu warnen.
Auch der charedische Kommentator Israel Cohen verbreitete Warnungen über seine Kanäle. Er erklärte, die ersten Festnahmen hätten in der Gemeinschaft Bestürzung ausgelöst. Daher habe er es für notwendig gehalten, vor der Gefahr zu warnen. Der Journalist Mendel Unger richtete sich zudem in einer jiddischsprachigen Videobotschaft an Teile der aschkenasisch-charedischen Bevölkerung.
Durch die Zusammenarbeit mit Rabbinern und Medienschaffenden erreichen die Sicherheitsbehörden Menschen über vertraute Informationswege und in einer ihnen vertrauten Sprache. Die Maßnahme ist Teil einer breiter angelegten Aufklärungskampagne.
Die Anwerbungstaktik des Iran
Iranische Kontaktpersonen sprechen mögliche Helfer häufig über soziale Netzwerke an und versprechen Geld für verschiedene Aufgaben. Zunächst geht es oft um vergleichsweise einfache Tätigkeiten, etwa das Fotografieren öffentlicher Orte oder Sachbeschädigungen. Später können die Forderungen deutlich schwerwiegender werden. In mehreren Fällen sollen die Aufträge bis zu gewaltsamen Handlungen eskaliert sein.
Nach Angaben der israelischen Polizei verstärkte der Iran seine Anwerbeversuche nach dem Hamas-Massaker vom Oktober 2023. Nach dem ersten israelischen Angriff auf den Iran im Juni 2025 nahmen sie nochmals zu. Die meisten Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.
Titelbild: Rabbiner Yigal Cohen Bild: יעלי 1, CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons