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Israelische Armee nimmt bei Razzien in Judäa und Samaria mehr als 70 Verdächtige fest

JERUSALEM, 26.07.2026 (DR) – Die israelische Armee (IDF) hat bei umfangreichen Einsätzen im sogenannten Westjordanland mehr als 70 gesuchte Palästinenser festgenommen. Hunderte weitere Menschen wurden befragt. Die Operation folgte auf einen tödlichen Schusswechsel am Freitag im palästinensischen Dorf Tell südwestlich von Nablus.

Schwerpunkt der Razzien war das Palästinenserdorf. Nach Angaben der israelischen Armee wurden dort elf gesuchte Palästinenser festgenommen und weitere 80 Menschen befragt. Walid Zidan, der Bürgermeister des Ortes erklärte dagegen, rund 70 Bewohner seien festgehalten und in einem provisorischen Verhörzentrum befragt worden. „Hausdurchsuchungen dauern an, Armeepatrouillen fahren durch die Straßen, und niemand bewegt sich auf den Straßen“, beschrieb er die Lage.

Hamas-Mitglieder und Anschlagspläne

Im Raum Jenin durchsuchten die Soldaten mehr als 300 Orte. Dabei nahmen sie mehrere Hamas-Mitglieder sowie Verdächtige fest, die Anschläge mit Sprengsätzen vorbereitet haben sollen.

Bei Ramallah wurden 15 gesuchte Palästinenser festgenommen, darunter mutmaßliche Hamas-Mitglieder. In Tulkarem nahm die Spezialeinheit Duvdevan einen Hamas-Angehörigen fest, der einen Anschlag geplant haben soll. Im Süden des sogenannten Westjordanlands verhafteten die Einsatzkräfte weitere 16 Verdächtige, darunter mutmaßliche Waffenhändler und Hamas-Mitglieder. Zudem errichtete die Armee Straßensperren und verstärkte ihre Truppen.

Tödlicher Angriff auf israelische Wandergruppe

Den Armeeeinsätzen war am Freitag ein tödlicher Angriff auf eine israelische Wandergruppe in der Nähe von Tell vorausgegangen. Nach Angaben von Teilnehmern waren rund 100 Israelis, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche, zu Wasserquellen und Aussichtspunkten in der Gegend unterwegs. Augenzeugen berichteten, eine größere Gruppe Palästinenser habe die Wanderer von mehreren Seiten umzingelt und mit Steinen beworfen. Als die Situation eskalierte, rückten das zivile Sicherheitsteam der nahe gelegenen jüdischen Ortschaft Havat Gilad sowie IDF-Soldaten an.

Im weiteren Verlauf entriss ein Palästinenser dem verletzten Sicherheitsmann Benayahu Mellet dessen Gewehr und eröffnete das Feuer. Er erschoss Mellet und den zum Einsatzort entsandten IDF-Major Yuval Ezra. Ein weiterer Offizier erschoss den Angreifer. Drei weitere Palästinenser kamen im anschließenden Schusswechsel ums Leben. Zwei Israelis und vier Palästinenser wurden verletzt.

Der Ausflug sei nicht mit dem Militär abgestimmt gewesen. Die Gruppe hielt sich den Angaben zufolge in einem Gebiet auf, das nach den Oslo-Abkommen unter ziviler Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde steht. Das israelische Militär rät israelischen Staatsbürgern grundsätzlich davon ab, die als Gebiete A und B ausgewiesenen Bereiche ohne Genehmigung zu betreten.

Major Yuval Ezra, 27 (links), und Reserve-Master-Sergeant Benayahu Mellet, 32, wurden am 24. Juli 2026 bei einer Schussattacke im sogenannten Westjordanland getötet. Foto: IDF
Folgen des Schusswechsels

„Der Angriff heute Morgen ist schwerwiegend und schmerzhaft und hat tragischerweise einen hohen Blutzoll gefordert“, erklärte David Zini, Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, nach einer Lagebesprechung am Tatort. In den vergangenen Monaten hätten die Sicherheitskräfte beinahe jede Nacht Dutzende Anschläge verhindert. „Dieses Mal ist es uns nicht gelungen, ihn im Voraus zu vereiteln.“

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte daraufhin ein entschlossenes Vorgehen an. Dazu gehören die geplante Zerstörung des Hauses eines beteiligten Palästinensers und die beschleunigte Genehmigung weiterer israelischer Bautätigkeit in der Region.

Nach Angaben des israelischen Armeeradios errichteten Siedlungsaktivisten anschließend vier nicht genehmigte Außenposten. Einige davon sollen in Gebiet B liegen und wären damit auch nach israelischem Recht unzulässig.

Nach dem Schusswechsel kam es zudem zu mutmaßlichen Vergeltungsangriffen israelischer Extremisten. In Qusra südöstlich von Nablus wurde nach palästinensischen Angaben eine Moschee in Brand gesetzt und mit Racheparolen beschmiert. Die IDF verurteilte die Tat und kündigte Ermittlungen an.

Titelbild: Israelische Sicherheitskräfte bei einem Einsatz westlich von Nablus im Westjordanland, Symbolbild. Bild: Nasser Ishtayeh/Flash90

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