
KI-Projekt erforscht Herstellungsorte der Schriftrollen vom Toten Meer
JERUSALEM, 14.08.2026 (DR) – Ein internationales Forschungsteam hat ein fünfjähriges Projekt gestartet, das die Herstellungsorte und Überlieferungswege der Schriftrollen vom Toten Meer genauer bestimmen soll. Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert das Vorhaben unter Leitung von Professor Mladen Popović von der Universität Groningen mit 2,5 Millionen Euro. Beteiligt ist auch die Israelische Altertümerbehörde (IAA).
Chemische Fingerabdrücke von 250 Proben
Für das Projekt „Tracing Scribes and Scrolls“ wollen die Forscher rund 250 Proben aus der Sammlung der IAA untersuchen. Dazu gehören Pergament, Papyrus und Tinte. Mit chemischen Analysen sollen charakteristische Materialprofile ermittelt werden, die Hinweise auf Rohstoffe und Herstellungsweisen geben können.
Erstmals werden dabei Papyri aus Ägypten direkt mit Papyri aus Qumran und anderen Fundorten in der Judäischen Wüste verglichen. Künstliche Intelligenz soll anschließend Muster in den chemischen Daten erkennen. Hinzu kommen Paläografie, also die Untersuchung alter Handschriften, sowie Analysen von Material, Aufbau und Herstellung der Manuskripte. Auch sprachliche und literarische Merkmale fließen ein.
Wo arbeiteten die antiken Kopisten?
Die ersten sieben Schriftrollen vom Toten Meer wurden 1947 von Beduinen in einer Höhle nahe Qumran entdeckt. Weitere Funde folgten in den darauffolgenden Jahren. Die Rollen und Fragmente enthalten unter anderem die ältesten bekannten Handschriften vieler Bücher der Hebräischen Bibel sowie weitere jüdische Texte aus der Zeit des Zweiten Tempels.
Bis heute ist bei vielen Manuskripten unklar, wo das Material vorbereitet und wo die Texte kopiert wurden. Das neue Projekt soll einzelne Handschriften und Kopisten möglichst genauer geografisch und zeitlich einordnen. Zugleich wollen die Forscher Zentren des Schreibens, Lernens und der Weitergabe von Texten im antiken Judäa identifizieren.
Die Untersuchung baut auf früheren Arbeiten Popovićs auf, bei denen künstliche Intelligenz zur Unterscheidung verschiedener Schreiberhände eingesetzt wurde. Nach Angaben der IAA soll nun zusätzlich eine bislang beispiellose Datenbank zur chemischen Zusammensetzung der Schriftrollen entstehen. Sie könnte neue Hinweise liefern, die seit mehr als 2.000 Jahren im Material der Handschriften erhalten geblieben sind.
Titelbild: Fragmente der Schriftrollen vom Toten Meer in einem Konservierungslabor in Jerusalem. Bild: Yonatan Sindel/Flash90