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Europäische Rabbiner fordern Ende der „Hassindustrie“: Sieben-Punkte-Manifest gegen Antisemitismus in der EU

JERUSALEM 07.09.2026 (LS) – „Fast jede jüdische Schule und Synagoge in Europa steht hinter Bewachern, Stahlbarrieren und Betonblöcken“, so die Europäische Rabbinerkonferenz (CER) in Brüssel. Das sei nicht die neue Normalität, die Europas Juden akzeptieren werden. Die CER hat deshalb ein Sieben-Punkte-Manifest vorgelegt, das Europa auffordert, nicht länger nur Beton zu gießen, sondern die ideologischen und finanziellen Wurzeln des Judenhasses anzugehen.

„Schluss mit Erklärungen – es ist Zeit zu handeln“

Das Manifest, betitelt „Ein Aufruf zur Beendigung des gewaltsamen Hasses“, wurde am Freitag im Vertretungsbüro des Freistaats Bayern bei der EU in Brüssel vor Politikern, EU-Vertretern und Journalisten präsentiert. CER-Präsident Rabbiner Pinchas Goldschmidt warnte eindringlich: „Der Standard muss sein, dass jüdisches Leben offen, sicher und in Würde gedeihen kann – nicht lediglich hinter Schutzbarrieren überleben.“ Er sprach von einer „Infrastruktur des Hasses“, die sich quer durch Europa ausgebreitet habe und die Bewachung jüdischer Einrichtungen allein nicht lösen könne.

Rabbi Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, beim Schreiben einer Thorarolle
Rabbi Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, beim Schreiben einer Thorarolle. Er fordert Europa auf, den Antisemitismus zu bekämpfen. Foto: Flash90 

Das Manifest ist eine direkte Antwort auf die dramatische Zunahme antisemitischer Gewalt seit dem 7. Oktober 2023. Dazu gehören das Bondi-Massaker in Australien, der Mauthausen-Vorfall mit dem Mughrabi-T-Shirt sowie Dutzende weitere Vorfälle, die zeigen, dass der Judenhass nicht mehr nur an den Rändern der Gesellschaft lebt.

Die sieben Forderungen im Überblick

Das Manifest richtet sich an EU-Regierungen, die Europäische Kommission, religiöse Führungspersönlichkeiten und die Zivilgesellschaft.

Die sieben Punkte umfassen:

  1. Die Zertifizierung ausländischer Religionsführer mit Sprachanforderungen und demokratischen Mindeststandards sowie die Möglichkeit, Visa oder Lizenzen für Geistliche zu entziehen, die Hass predigen oder Terrorismus verherrlichen.
  2. Das Aufdecken und Blockieren extremistischer Finanzströme – durch Sorgfaltspflichten für Finanzinstitutionen und Transparenz über Geldflüsse aus dem Ausland.
  3. Die Einrichtung staatlicher Register über radikale Organisationen und Plattformen mit Verbotsmechanismen.
  4. Eine verpflichtende Förderung des jüdischen Lebens durch aktive Maßnahmen statt bloßer Nichtdiskriminierung.
  5. Eine stärkere rechtliche Rechenschaftspflicht für antisemitische Straftaten – inklusive verpflichtender Erfassung und Verfolgung.
  6. Bildungsmaßnahmen zur Holocaust-Erinnerung und Religionsfreiheit auf allen Schulstufen.
  7. Ein europäisches Frühwarnsystem für radikale Netzwerke, das Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden grenzübergreifend vernetzt.

Das Manifest folgt auf ein früheres CER-Dokument aus dem Jahr 2015, das nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag in Paris veröffentlicht worden war. Elf Jahre später ist die Lage dramatisch eskaliert und die Rabbiner machen deutlich: Erklärungen reichen nicht mehr aus.

Titelbild: Schändung am jüdischen Friedhof in Schumen (Bulgarien). Foto: Anthony Georgieff – „Jewish Bulgaria“ on Facebook/Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

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