
2000 Jahre alte, 25 Tonnen schwere Mikwe ausgegraben und in aufwändiger Rettungsaktion abtransportiert
KIRYAT GAT, 18.09.2026 (PM) – Bei einer archäologischen Ausgrabung der israelischen Altertumsbehörde in Kiryat Gat wurde eine 2.000 Jahre alte Mikwe (jüdisches Ritualbad) freigelegt. Sie belegt, dass hier eine jüdische Siedlung zur Zeit des Zweiten Tempels existierte, die in wissenschaftlichen Kreisen bislang unbekannt war. Ein 300-Tonnen-Kran hob sie unversehrt aus dem Boden. Die Mikwe soll später, nach Abschluss der Bauarbeiten, ins Herz des Stadtteils zurückgebracht und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Erste entdeckte jüdische Siedlung in diesem Gebiet
Elena Kogan-Zahavi, Maayan Margulis und Shira Lifshitz, die im Auftrag der israelischen Altertumsbehörde die Ausgrabungen leiteten, erklärten: „Die jüdische Siedlung, die wir hier entdeckt haben, ist die erste und einzige bekannte in diesem Gebiet. In der judäischen Tiefebene kennen wir viele jüdische Siedlungen aus der Römerzeit, doch im Übergangsgebiet zwischen der judäischen Tiefebene und dem nördlichen Negev war bisher keine jüdische Siedlung bekannt.“
Die Ausgrabungsfunde deuten darauf hin, dass die Siedlung offenbar während des Bar-Kochba-Aufstands im zweiten Jahrhundert n. Chr. aufgegeben wurde. Erst etwa 500 Jahre später, während der byzantinischen Zeit, wurde sie wiederbelebt.
Bei der Ausgrabung wurden zudem Messgefäße aus Stein gefunden, die nach jüdischem Recht nicht rituell unrein werden und daher in der Zeit des Zweiten Tempels unter Juden weit verbreitet waren.
Schwieriger Schwertransport
Wie transportiert man ein 2.000 Jahre altes Reinigungsbad mit einem Gewicht von 25 Tonnen? Vier Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde arbeiteten etwa zwei Wochen lang an der Mikwe, die im Boden vergraben war. Zunächst gruben sie um sie herum und legten sie von allen Seiten frei. Anschließend wurden unterhalb der Mikwe eng beieinander liegende Bohrungen vorgenommen, durch die Stahlträger eingeführt wurden. Diese Verstärkung stabilisierte das antike Becken und ermöglichte es, es aus dem Boden zu heben.
Auch der antike Putz an den Wänden der Mikwe erforderte eine besondere Behandlung. Da zu befürchten war, dass Vibrationen während des Anhebens und des Transports ihn beschädigen und zum Abblättern bringen könnten, wurde er mit Gaze und Klebemitteln abgedeckt. Die gesamte Konstruktion wurde mit Schaumstoff ausgekleidet und verstärkt, damit sie dem Anheben und den Erschütterungen während des Transports sicher standhalten konnte.

Für den Abtransport der Mikwe war ein großer Schwerlastkran im Einsatz. Foto: Emil Aladjem / Israelische Altertumsbehörde
Doch selbst nachdem die Mikwe vom Boden gelöst worden war, war die Herausforderung noch lange nicht vorbei. Aufgrund des Abstands zwischen dem Kranfuß und der Mikwe war ein riesiger Kran mit einer Tragkraft von 300 Tonnen erforderlich, um die 25 Tonnen schwere Konstruktion anzuheben. Die ungewöhnliche Breite der Mikwe – etwa vier Meter – erforderte zudem den Einsatz eines Schwerlasttransportfahrzeugs.
Der Transport der Mikwe zum Lagerhaus in Beit Guvrin wurde zu einer Operation für sich. Um diese große Ladung zu transportieren, wurde die Straße für den Verkehr gesperrt, und Begleitfahrzeuge fuhren vor und hinter dem Lkw.
„Wenn man einmal ein Bauwerk wie dieses freilegt, gibt es kein Zurück mehr“, berichtet Eyal Kaho, leitender Restaurator bei der israelischen Altertumsbehörde, der die Aktion leitete. „Wenn sie auseinanderfällt, haben wir die Mikwe verloren. Deshalb muss jedes Detail im Voraus bedacht werden. Am Tag vor einer solchen Aktion schläft man nicht. Man steht unter Druck, denn die Verantwortung liegt bei einem selbst, und Fehler lassen sich einfach durch nichts aufwiegen. Selbst nach 36 Jahren bei der Israelischen Altertumsbehörde steigt jedes Mal aufs Neue der Adrenalinspiegel.“
Minister Eliyahu: Großer Einsatz für Kulturerbe
Laut dem Minister für Kulturerbe, Rabbi Amichai Eliyahu, „erweitert das in Kiryat Gat freigelegte Ritualbad unser Verständnis der jüdischen Besiedlung im Land Israel während der Zeit des Zweiten Tempels um eine wichtige Dimension. Die komplexe Operation unter der Leitung der Israelischen Altertumsbehörde, bei der es unversehrt versetzt wurde, spiegelt unser Engagement als Nation wider, unser Kulturerbe auch inmitten rascher Entwicklung zu bewahren. Seine künftige Einbindung in den öffentlichen Raum des Stadtviertels wird es Anwohnern und Besuchern ermöglichen, im Rahmen ihres Alltags mit greifbaren Zeugnissen des jüdischen Lebens von vor 2.000 Jahren in Berührung zu kommen.“
Titelbild: Das 2000 Jahre alte Bad wurde völlig intakt im Untergrund gefunden und ausgegraben. Foto: Emil Aladjem / Israelische Altertumsbehörde