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Ex-Geisel Omer Shem Tov kritisiert Gaza-Dokumentarfilm „Naza“

JERUSALEM, 24.09.2026 (DR) – Die ehemalige Hamas-Geisel Omer Shem Tov hat auf veröffentlichte Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm „Naza“ und Berichte darüber reagiert. In einem Gastbeitrag im Wall Street Journal erklärt er, warum ihn die Debatte über den Film so getroffen hat.

Shem Tov wurde am 7. Oktober 2023 vom Nova-Musikfestival nach Gaza entführt. Nach 505 Tagen in Hamas-Gefangenschaft kam er im Februar 2025 frei.

Angst auch vor israelischen Angriffen

„Naza“ ist ein hebräisches Militärkürzel für erwartete „Kollateralschäden“, also zivile Opfer eines Angriffs. Der Film stützt sich auf anonymisierte Aussagen von Personen, die als israelische Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter vorgestellt werden. Er wirft der israelischen Armee (IDF) vor, künstliche Intelligenz bei der Auswahl von Angriffszielen im Gazastreifen eingesetzt und dabei hohe zivile Opferzahlen in Kauf genommen zu haben.

Shem Tov schreibt, er habe in Gefangenschaft auch israelische Luftangriffe gefürchtet: Die Piloten hätten seinen Aufenthaltsort nicht gekannt. Wenn seine Bewacher einen Angriff erwarteten, seien sie bisweilen geflohen und hätten ihn zurückgelassen.

Bei einem Vorfall erhielt nach seiner Schilderung die Mutter eines Bewachers einen Anruf der IDF, der sie vor einem bevorstehenden Angriff warnte. Die Armee habe ihren Aufenthaltsort gekannt und sie schützen wollen, schreibt Shem Tov. Wo er selbst gefangen gehalten wurde, habe sie dagegen nicht gewusst.

Shem Tov vermisst die Perspektive der Geiseln

Der 23-Jährige führt aus, israelische Warnungen und Evakuierungsaufrufe hätten palästinensische Zivilisten geschützt. Zugleich hätten sie der Hamas Zeit verschafft, israelische Soldaten stärker gefährdet und Geiseln wie ihn länger warten lassen – ein Preis, den die IDF bereit gewesen sei zu zahlen, um palästinensische Zivilisten zu schützen.

Das Leid palästinensischer Zivilisten sei real und müsse sichtbar sein, schreibt Shem Tov. Ihn verletze jedoch, dass die Geiseln in den veröffentlichten Ausschnitten und Berichten über den Film aus seiner Sicht kaum vorkämen. Die mehr als 24 Minuten dauernden stehenden Ovationen für „Naza“ bei den Filmfestspielen in Venedig empfand er als „Schauer von Messern“.

IDF weist Vorwürfe zurück

Die IDF weist Vorwürfe aus dem Film zurück. Sie bestreitet die Behauptung, einen Angriff mit bis zu 500 erwarteten zivilen Todesopfern geplant zu haben. Über Angriffsziele und Angriffe entschieden Menschen, nicht künstliche Intelligenz, erklärt die Armee.

Generalstabschef Eyal Zamir ließ mögliche rechtliche Schritte im Zusammenhang mit „Naza“ prüfen. Kulturminister Miki Zohar forderte zudem, einen Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft der beiden Regisseure zu prüfen. Vor dem Haus der Eltern von Regisseurin Rachel Szor kam es zu Protesten.

Titelbild: Die „Naza“-Regisseure Rachel Szor und Yuval Abraham bei den Filmfestspielen in Venedig, September 2026 (links); die ehemalige Geisel Omer Shem Tov bei einer Ansprache im Jahr 2025 (rechts, Archivbild), Fotomontage. Fotos: LucaFazPhoto/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Miriam Alster/Flash90.

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