
Microsoft: Israel weltweit zweithäufigstes Ziel staatlicher Cyberangriffe
JERUSALEM, 06.10.2026 (DR) – Israel ist laut dem neuen Sicherheitsbericht von Microsoft zum weltweit zweithäufigsten Ziel von Cyberangriffen geworden, die von Staaten oder staatlich gesteuerten Gruppen ausgehen. Nur gegen die USA registrierte der Technologiekonzern mehr entsprechende Vorfälle.
Der „Microsoft Digital Defense Report 2026“ erfasst den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026. Microsoft verzeichnete 531 entsprechende Ereignisse gegen Ziele in den USA und 210 gegen Israel. Dahinter folgten Taiwan mit 193 und Japan mit 172 Fällen.
Microsoft wertet täglich mehr als 165 Billionen digitale Hinweise auf mögliche Angriffe und verdächtige Aktivitäten aus. Die Zahlen bilden daher nur die von den Systemen des Konzerns erkannten Vorgänge ab und sind keine vollständige Erfassung sämtlicher Cyberangriffe weltweit. Ransomware-Angriffe, bei denen sensitive Daten der Angegriffenen verschlüsselt oder gestohlen und die Opfer anschließend erpresst werden, nahmen in Israel gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent zu.
Iranische Akteure verstärken Aktivitäten
Eine wesentliche Bedrohung für Israel geht von iranischen Akteuren aus. Microsoft zufolge setzt Iran bei seinen staatlich gesteuerten Cyberoperationen zunehmend auf langfristigen Zugang zu wichtigen Computersystemen und digitalen Netzwerken. Ähnliche Entwicklungen beobachtet der Konzern auch bei China, Nordkorea und Russland.
Auch israelische Sicherheitsbehörden haben in diesem Jahr vor einer Zunahme iranischer Aktivitäten gewarnt. Der Inlandsgeheimdienst Shin Bet und die Nationale Cyberdirektion, die für den Schutz des zivilen israelischen Cyberraums zuständig ist, berichteten im Februar von Hunderten Versuchen iranischer Nachrichtendienstakteure, Zugriff auf private Konten hochrangiger Regierungs- und Sicherheitsvertreter, Mitarbeiter der Rüstungsindustrie, Journalisten und Wissenschaftler zu erhalten.
Israelische Behörden beobachten Angriffe auf unterschiedliche Bereiche, darunter staatliche Stellen, Kommunikationsnetze, digitale Dienste, das Gesundheitswesen sowie kritische Infrastruktur wie Energie-, Wasser- und Versorgungssysteme. Während des Konflikts mit Iran nahm die Zahl feindlicher Vorfälle zusätzlich deutlich zu, erklärte Yossi Karadi, Leiter der israelischen Nationalen Cyberdirektion, bereits im Juni.

Zuletzt rückten auch iranische Einflussoperationen im digitalen Raum stärker in den Fokus. Der israelische Staatskontrolleur, eine unabhängige staatliche Kontrollinstanz, verwies im Juli auf den Einsatz gefälschter Profile und automatisierter Nutzerkonten, sogenannter Bots. Sie sollen dazu dienen, politische Debatten und die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.
„Im Cyberspace gibt es keine Waffenruhe“
Nach Veröffentlichung des Microsoft-Berichts sprach Karadi von einer dauerhaften Bedrohung. „Im Cyberspace sieht man vielleicht keine Raketen am Himmel, aber es gibt keine Waffenruhe“, erklärte er. Der Kampf werde rund um die Uhr geführt.
Zugleich hob Karadi Israels Fähigkeit hervor, trotz der hohen Zahl an Angriffen den laufenden Betrieb wichtiger Systeme aufrechtzuerhalten. Bereits im Juni hatte er vor der Knesset den jährlichen wirtschaftlichen Schaden durch Cyberangriffe in Israel auf etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beziffert.
Für die weitere Entwicklung verweist Microsoft auf die wachsende Rolle künstlicher Intelligenz. Sie kann Cyberangriffe schneller, automatisierter und in größerem Umfang möglich machen, zugleich aber auch bei der Erkennung und Abwehr von Bedrohungen helfen.
Titelbild: Das Microsoft-Gebäude in Herzliya. Foto: Gili Yaari/Flash90