
Fatah-Funktionär nennt Zwei-Staaten-Lösung eine „Falle“ gegen Israel
JERUSALEM, 13.10.2026 (NH) – Die wiederholten Warnungen der israelischen Führung vor den Gefahren einer Zwei-Staaten-Lösung haben durch die unverblümten Äußerungen eines hochrangigen Fatah-Funktionärs neue Bestätigung erhalten. Er hat das diplomatische Konzept offen als strategische „Falle“ zur Vernichtung Israels bezeichnet. Diese Äußerungen fallen in eine Phase, in der mehrere westliche Staaten trotz der dringenden Warnungen Jerusalems Schritte zur einseitigen Anerkennung Palästinas unternommen haben.
„Eine Falle“ gegen Israel
Basel Abu Shehab ist Fatah-Sekretär im Flüchtlingslager Burj al-Shemali im Libanon und Sohn des Fatah-Generalmajors Jalal Abu Shehab. In einem Interview und Podcast des Fatah-nahen Senders Falestinona TV erklärte er: „Wir kennen die Falle, die wir Israel gestellt haben, indem wir eine Zwei-Staaten-Lösung fordern.“ Ein palästinensischer Staat könne binnen 20 Jahren eine eigene Industrie und Streitkräfte aufbauen und Israel herausfordern. Abu Shehab formulierte das Ziel deutlich: „Meiner Ansicht nach würde die Errichtung eines palästinensischen Staates das Verschwinden des israelischen Gebildes und das Ende des globalen Zionismus bedeuten.“ Zudem verherrlichte er frühere Anschläge und Entführungen, darunter die Geiselnahme des israelischen Wachmanns Shmuel Rosenwasser 1969. Seine Aussagen werfen die Frage auf, ob Zugeständnisse ohne glaubwürdige Abkehr von Gewalt und Vernichtungsdrohungen Israels Sicherheit gewährleisten können.
Israels Sicherheitsbedenken reichen Jahrzehnte zurück
Die Debatte über eine Teilung des Landes reicht bis zum britischen Peel-Plan von 1937 und zum UN-Teilungsplan von 1947 zurück, den die arabische Seite ablehnte. Auch nach dem Sechstagekrieg von 1967 und der UN-Resolution 242 vergingen Jahrzehnte, bis die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) Verhandlungen aufnahm. Mit den Osloer Abkommen von 1993 verpflichtete sich PLO-Chef Jassir Arafat schriftlich, alle Fragen des endgültigen Status durch direkte Verhandlungen zu klären. 1995 betonte Ministerpräsident Jitzchak Rabin vor der Knesset, eine künftige palästinensische Entität müsse „weniger als ein Staat“ sein, um Israels Sicherheit zu wahren. 2009 formulierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in seiner Bar-Ilan-Rede zentrale Bedingungen für eine Zweistaatenlösung: die vollständige Demilitarisierung eines palästinensischen Staates und die Anerkennung Israels als Nationalstaat des jüdischen Volkes. Terroranschläge, Waffenschmuggel und Gewalteskalationen prägen Israels Haltung bis heute. Im Juli 2024 lehnte die Knesset mit großer Mehrheit die einseitige Errichtung eines palästinensischen Staates ab.
Internationale Anerkennung trotz israelischer Warnungen
Im Mai 2024 erkannten Norwegen, Irland und Spanien Palästina als Staat an. Israel rief daraufhin seine Botschafter aus den drei Ländern zurück. Im Herbst 2026 unterzeichneten Vertreter von 15 Ländern bei einer von Frankreich geleiteten UN-Konferenz in New York eine Erklärung zur Anerkennung Palästinas. Dazu gehören Australien, Kanada, Finnland und Neuseeland. Israel kritisiert diese Schritte als einseitigen diplomatischen Druck, der Verhandlungen erschwert und die Hamas ermutigen könnte. UN-Botschafter Danny Danon warnte davor, Terrorismus zu belohnen, statt Fortschritte bei Sicherheit und Frieden einzufordern.
Abu Shehabs Aussagen unterstreichen aus israelischer Sicht die zentrale Frage: Eine politische Lösung kann nur dauerhaft Frieden schaffen, wenn sie Israels Existenzrecht anerkennt und wirksame Sicherheitsgarantien gewährleistet.
Titelbild: Palästinensische Kinder halten Plakate mit einem Porträt von Jassir Arafat bei einer Kundgebung von Fatah-Anhängern zum 21. Todestag des ehemaligen palästinensischen Präsidenten in Hebron im sogenannten Westjordanland am 11. November 2025. Foto: Wisam Hashlamoun/Flash90