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Meta verklagt: Israelische Opferfamilien fordern Milliarden wegen Hamas-Terrorvideos

JERUSALEM, 26.10.2026 (NH) – Überlebende und Angehörige der Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 haben vor dem Bezirksgericht Tel Aviv eine Sammelklage gegen den US-Technologiekonzern Meta Platforms eingereicht. Sie fordern mehr als vier Milliarden Shekel (rund 1,15 Milliarden Euro). Die Kläger werfen der Muttergesellschaft von Facebook und Instagram vor, die Verbreitung von Aufnahmen der Morde, Entführungen und Misshandlungen nicht verhindert zu haben. Einige Gräuelvideos blieben über Stunden oder sogar Tage online. Dadurch wurde für manche Angehörige der schlimmste Moment ihres Lebens zu einem öffentlichen Albtraum: Sie mussten den Tod ihrer Liebsten in sozialen Netzwerken miterleben oder erfuhren erst durch die Aufnahmen, was mit ihnen geschehen war.

Wenn der Mord an Angehörigen zum Livestream wird

Die Klageschrift schildert die erschütternden Schicksale mehrerer israelischer Familien. Mor Baider erfuhr demnach vom gewaltsamen Tod ihrer 74-jährigen Großmutter Bracha Levinson im Kibbuz Nir Oz, weil Hamas-Terroristen die Erschießung mit dem Mobiltelefon des Opfers filmten und das Video auf deren Facebook-Profil veröffentlichten. Auch die Familie Idan aus dem Kibbuz Nahal Oz erlitt einen solchen Angriff. Terroristen drangen in ihr Haus ein und erschossen die 18-jährige Maayan vor den Augen ihrer Eltern. Anschließend verschleppten sie ihren Vater Tsachi in den Gazastreifen, wo er später in Gefangenschaft starb. Die Angreifer übertrugen das Geschehen live über das Facebook-Konto der Mutter. Zuvor hatten sie dessen Sicherheitseinstellungen auf öffentlich geändert. Auch Stav Arava musste über Facebook mitansehen, wie seine Angehörigen als Geiseln festgehalten wurden. Sein Bruder Tomer wurde unterdessen mit vorgehaltener Waffe gezwungen, bei Nachbarn zu klopfen und sie aus ihren Häusern zu locken. Anschließend ermordeten die Terroristen ihn.

Tomer Arava (17) wurde am 7. Oktober von Hamas-Terroristen gezwungen, bei seinen Nachbarn zu klopfen, während er verzweifelt versuchte, andere zu retten. Er, seine Mutter und deren Partner wurden ermordet. Seine Stiefschwestern wurden in den Gazastreifen verschleppt und nach 51 Tagen freigelassen. Foto: Screenshot aus einem Hamas-Livestream
Kläger werfen Meta Versagen vor

Die Anwälte Galit Karner und Asaf Shovinsky werfen Meta vor, der Hamas eine digitale Infrastruktur für ihre psychologische Kriegsführung bereitgestellt zu haben. Ihrer Darstellung zufolge versäumte es der Konzern, ausreichende Echtzeitkontrollen und schnelle Eingreifteams einzusetzen, um die Verbreitung der Aufnahmen zu stoppen. Zudem soll Meta finanziell vom hohen Datenverkehr an diesem Tag profitiert haben. Die Kläger fordern für jedes betroffene Opfer und dessen direkte Angehörige 200.000 Shekel (rund 57.500 Euro) Entschädigung. Darüber hinaus verlangen sie jeweils 20.000 Shekel (rund 5.750 Euro) für israelische Nutzer, die auf den Plattformen unfreiwillig mit den verstörenden Inhalten konfrontiert wurden.

Meta verweist auf Maßnahmen gegen Terrorinhalte

Meta erklärte, der Konzern empfinde tiefes Mitgefühl mit den Familien, die unter dem Hamas-Terror leiden. Das Unternehmen stufe die Hamas als verbotene Organisation ein. Außerdem arbeiteten spezielle Teams rund um die Uhr daran, Inhalte zu entfernen, die gegen die Plattformregeln verstießen. Die Kläger halten dem entgegen, dass zahlreiche Aufnahmen erst nach Tagen oder Wochen verschwunden seien. Einige kursierten ihren Angaben zufolge weiterhin im Internet. Bei einer ersten vorläufigen Anhörung vor dem Bezirksgericht Tel Aviv schlug die zuständige Richterin ein Mediationsverfahren vor. Damit sollen die Parteien Möglichkeiten für eine außergerichtliche Einigung ausloten.

Für die Familien geht es jedoch um mehr als Geld. Sie wollen Meta für den Umgang mit den Aufnahmen zur Verantwortung ziehen. Zugleich möchten sie verhindern, dass Terroristen soziale Netzwerke künftig erneut als Werkzeug für ihre Gräueltaten missbrauchen. Denn für manche Angehörige endete das Grauen des 7. Oktober nicht mit dem Angriff: Sie mussten den Mord an ihren Liebsten live auf Bildschirmen miterleben oder sahen die Aufnahmen erst später im Internet.

Titelbild: Familienangehörige und Freunde nehmen an der Beerdigung von Lian, Noya und Yahel Sharabi teil. Die drei Familienmitglieder wurden am 7. Oktober 2023 von Hamas-Terroristen im Kibbuz Be’eri ermordet. Die Beerdigung fand am 25. Oktober 2023 im Moschaw Kfar HaRif im Süden Israels statt. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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