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Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Tzachi Idan

JERUSALEM, 05.05.2024 (LS) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.

„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt” (Mischna, Sanhedrin 4:5)

Tzachi Idan (49), Nahal Oz

Tsachi wurde am 7. Oktober von Hamas-Terroristen aus seinem Haus im Kibbuz Nahal Oz entführt, nachdem seine älteste Tochter Maayan (18) durch die Tür des Schutzraums erschossen worden war.

Die Familie war mit drei ihrer vier Kinder am frühen Morgen in ihren Schutzraum gerannt, nachdem Sirenen ertönten und ein “endloser Raketenhagel” auf sie niederging, erzählte Tzachis Ehefrau Gali Idan in einem Interview mit Channel 13. Ihr viertes Kind, die 15-jährige Sharon, war an diesem Wochenende bei Verwandten zu Besuch.

Die Familie hörte Terroristen in ihrem Haus, und Tsachi hielt mit Hilfe von Maayan die Tür des Schutzraums geschlossen. Die Hamas-Kämpfer kamen mit dem 17-jährigen Tomer Arava, den sie mit vorgehaltener Waffe zwangen, an die Türen der Kibbuzbewohner zu klopfen, um sie aus ihren Schutzräumen zu holen. Dann riefen sie auf Englisch: “Öffnet die Tür”.  Es ertönten mehrere Schüsse, die Tür des Schutzraums wurde durchschossen und Gali hörte ihren Mann schreien: „Maayan! Nein! Maayan!“ Das Mädchen sackte zusammen und die geschockte Mutter verstand, dass ihre Tochter erschossen worden war. Sie hatten erst vor vier Tagen ihren 18. Geburtstag gefeiert.

Durch den Schock über den Tod seiner Tochter ließ Tzachi den Griff der Tür los und die Terroristen konnten sie öffnen. Sie befahlen der Familie, herauszukommen und sich in der Küche auf den Boden zu setzen. Über die älteste ermordete Tochter sagte einer der Terroristen: „Keine Sorge, ihr geht es gut, sie ist jetzt mit ihrem Gott“.

Die Tür zum Schutzraum blieb offenstehen und Maayans Blut floß in einer Lache aus dem Zimmer heraus. Tsachi war aufgrund der Ermordung seiner Tochter komplett zusammengebrochen und unfähig zu funktionieren, beschrieb Gali. Ihre beiden jüngeren Kinder schrien und weinten, und irgendwie schaffte die Mutter es, sich zusammenzureißen. “Ich war wie auf Autopilot geschaltet”, erklärte Gali. “Ich musste meine beiden anderen Kinder beschützen und Tsachi war gebrochen.”

Die Familie Idan wird von Hamas-Terroristen auf den Boden gezwungen, nachdem die älteste Tochter im Schutzraum erschossen worden war. Foto: Screenshot Hamasvideo

Zu diesem Zeitpunkt wusste Gali nicht, dass die Terroristen den gesamten Angriff auf ihre Familie gefilmt hatten und live auf sozialen Medien übertrugen. In dem Hamasvideo ist zu hören, wie die beiden jüngeren Kinder fragen, ob die Terroristen auch sie töten werden. Die ganze Zeit über, so Gali, “sagt Tsachi kein Wort.” “Er ist sonst immer sehr cool, er ist unsere Stütze, aber das war nicht er, er war ein Schatten seiner selbst”.

Tomer Arava saß ebenfalls eine Weile neben ihnen. Er war in einem Schockzustand. Zuerst sagte er nichts, dann begann er zu flüstern: „Macht, was sie sagen. Macht was sie sagen, damit sie euch nicht verletzen.“

Die Hamas-Terroristen ermordeten den Teenager später auf dem Weg nach Gaza, zusammen mit seiner Mutter und seinem Stiefvater. Seine beiden Stiefschwestern Dafna (15) und Ella Elyakim (8) wurden nach Gaza entführt und in einem Geiselabkommen im November 2023 freigelassen. „Sie ermordeten einen 17-jährigen Jungen, nachdem er seinen Zweck erfüllt hatte“, erklärte Gali.

Der 17-jährige Tomer Arava musste an die Türen mehrer Kibbuzbewohner klopfen, um sie aus ihren Schutzräumen zu holen. Später wurde er von den Hamas-Terroristen ermordet. Foto: Screenshot Hamasvideo

Tomer wurde von den Terroristen gezwungen, auch die Nachbarsfamilie Miran aus ihrem Schutzraum herauszulocken. Die Mirans wurden nach einiger Zeit ebenfalls ins Haus der Idans gebracht, wo sie alle zusammen auf dem Küchenfußboden ausharrten.

Zu einem Zeitpunkt befanden sich acht bis neun Terroristen gleichzeitig in ihrem Haus, während Schüsse von draußen zu hören waren. Dann entschlossen sich die Hamas-Kämpfer, das Haus zu verlassen und die beiden Familienväter als Geiseln mit nach Gaza zu nehmen.

Omri Miran und Tzachi wurden die Hände mit Kabelbindern gefesselt. Gali erzählt: „Wir, beide Ehefrauen, sagten unserem jeweiligen Ehemann, dass wir ihn lieben. ‘Seid keine Helden, macht nichts Dummes. Kommt heil zu uns zurück.’ Die Kinder schrien: ‘Nehmt sie nicht mit! Nehmt sie nicht mit! ‘“

“Sie drehten sich um und sagten: ‘Keine Sorge. Er wird zurückkommen, er wird zurückkommen'”,  so Gali. „Dann sagten sie noch zu Lishay und mir: ‘Bewegt euch nicht von der Stelle! Bewegt euch nicht, oder ihr werdet sterben’. Und wir bewegten uns nicht, bis 17:30 Uhr, als Soldaten uns fanden.“

Gali und ihre Kinder Yael (11), Shachar (9) und Sharon (15) leben derzeit im Kibbuz Mishmar Emek, zusammen mit weiteren Überlebenden des Kibbuz Nahal Oz. Ihre ermordete Tochter Maayan wurde erst am 22. Oktober beerdigt.

Maayan Idan wurde nur 18 Jahre alt. Foto: privat

Die Schülerin war eine talentierte Volleyballspielerin, die gerne las und ihren jüngeren Geschwistern sowie ihren Eltern sehr nahe war. Bei ihrer Beerdigung wurde ihr Lieblingslied “Father and Son” von Cat Stevens gespielt, und ihre Familie sang den Text mit: “Entspann dich einfach, nimm es leicht / Du bist noch jung, das ist deine Schwäche / Es gibt so viel, was du noch wissen musst.”

Bei ihrer Beerdigung erklärte ihre Mutter, sie sei nun “in Stücke zerbrochen… jetzt wirst du für immer 18 bleiben, 18 und 4 Tage. Wunderschön, in dem braunen Kleid, das du zu deinem Geburtstag getragen hast, mit deinen vielen Locken. Ich weiß nicht, wie man ein so einzigartiges und seltenes Einhorn wie dich ermorden kann, Maayani”.

Sie denkt täglich an ihren Mann und fragt sich, was er durchmachen muss, ob er weiß, dass der Rest der Familie überlebt hat. Und hofft, dass er bald zu ihnen zurückkehrt.

Tzachi, auch wir beten für Deine Rückkehr

Eine Wand mit Bildern von nach Gaza entführten Geiseln. Darunter ist auch das Bild von Tzachi Idan (zweite Reihe von unten, viertes Bild von links). Foto: Miriam Alster/Flash90

Titelbild: Tzachi Idan. Foto: privat

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